Essen und Trinken

Ach, du dickes Ding! Alle sind verrückt danach

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Auch eine Möglichkeit, Melone zu tragen.

(Foto: REUTERS)

Sie stillen den Durst und geben neuen Schwung, sind sogar Namensgeber für Entwicklungen, für die sie überhaupt nichts können. Letzten Ende macht sie aber gerade das filmtauglich, berühmt oder berüchtigt. Der Umgang mit den "dicken Dingern" will allerdings gelernt sein.

Als Kind war ich süchtig nach ihnen, denn wenn es Melonen zu kaufen gab, war Sommer. Auch heute noch ist eine kühle, süße und saftige Wassermelone für mich an heißen Tagen ein besonderes Geschmackserlebnis. Melonen schmecken erfrischend, riechen gut und sehen aus wie wahrhaftige Riesen-Früchte. Was ich als Kind nicht wusste: Tief in ihrem Inneren sind die süßlichen Zuckermelonen und auch die wässrigeren Wassermelonen jedoch ein Gemüse. Zur Familie der Cucurbitaceae gehörend, haben sie mit Kürbis und Gurke aus botanischer Sicht weit mehr gemeinsam als mit Orange oder Kiwi. Das tut ihrer Beliebtheit aber keinerlei Abbruch, denn was gibt es Erfrischenderes, als an heißen Tagen eine saftig-süße Melone zu genießen?

Unter allen Früchten bringen es Wasser-, Honig-, Netz- und Cantaloupe-Melonen auf den höchsten Flüssigkeitsgehalt. Damit zählen sie zu den besten Durstlöschern, die der Obstkorb zu bieten hat.

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Wassermelonen sind lecker und durstlöschend.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Jeder, der nach Schweiß treibendem Sport oder körperlicher Arbeit in eine gut gekühlte Melonenscheibe beißt, weiß die belebende Kraftquelle zu schätzen. Die meist grünschaligen - glatt dunkelgrün oder dunkel-hell gestreift - rotfleischigen Wassermelonen haben einen Wassergehalt von 90 Prozent! Selbst eine Riesenportion von 250 g hat weniger als 100 kcal. Außerdem liefern die dicken Sommerfrüchte hochwertige Vitamine und Mineralstoffe. So eine 250-Gramm-Portion deckt bereits etwa die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge an Pantothensäure, einem B-Vitamin, das den Stoffwechsel und die mentale Leistungsfähigkeit fördert.

In puncto Nährstoffe haben allerdings die Zuckermelonen-Sorten eindeutig die Nase vorne. Der Wassergehalt der Zuckermelonen beträgt "nur" 85 Prozent, aber sie punkten mit Vitamin C, Beta-Carotin (Provitamin A) und Folsäure. 250 g Honigmelone decken 75 Prozent der empfohlenen Tagesmenge an Vitamin C. Der Gehalt an Beta-Carotin ist genauso hoch wie bei Spinat. Hinzu kommen noch Calcium, Magnesium, Phosphor, Eisen, Zink, Fluor und Jod. Alle diese gesunden Sachen gibt auch die Wassermelone her, nur eben weniger. Die Schalen der Zuckermelonen sind beige (Cantaloupe) bis leuchtend gelb (Honigmelone), warzig wie bei der Cantaloupe, mit einem Netzmuster wie bei der Galia (Variante der Netzmelone) oder glatt wie bei der Honigmelone. Das Fruchtfleisch ist weiß bis grün, gelblich bis dunkelorange.

Nicht zuletzt wegen ihres hohen Wasseranteils wirken Melonen harntreibend. Menschen mit empfindlichem Magen sollten sich allerdings bewusst sein, dass Zuckermelonen nicht allzu leicht verdaulich sind.

Ohren und Nase kaufen mit

Melonenkauf ist eine Wissenschaft für sich. Vor allem auf Märkten in den Anbauländern kann man die klopfenden und schnuppernden Käufer bewundern, die sich durch Berge von Melonen arbeiten, um nach der zehnten oder zwanzigsten begutachteten Frucht dann doch die erste zu kaufen.

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Melonenkauf kann durchaus Männersache sein.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Machen auch Sie bei Wassermelonen die Klopfprobe: Klopfen Sie mit dem Fingerknöchel gegen die Schale - eine reife Melone hat einen dumpfen und satten Klang und sie vibriert leicht. Der Ton entsteht durch den hohen Wassergehalt: Je mehr Wasser, desto dumpfer der Klang, desto reifer die Melone. Unreife Früchte klingen kaum und eher metallisch hell, überreife klingen hohl. Bei diesem "Klangerlebnis" lassen Sie die Melone lieber im Regal. Die Schale um den Stielansatz herum sollte kräftig dunkelgrün sein, hellere Flecken sind nur an der Auflagefläche gestattet.

Bei Zuckermelonen machen Sie die Schnupperprobe: Reife Zuckermelonen riechen am Stielansatz lecker aromatisch und fruchtig-frisch. Melonen, die kaum riechen, sind unreif. Überreife Früchte verströmen ein unangenehmes süßliches Aroma. Am Stielansatz sollten sich Zuckermelonen leicht federnd eindrücken lassen - aber nur dort, die übrige Schale muss fest sein. Weiche Stellen an der Hülle sind ein Zeichen von Überreife oder Transportschäden.

Im Handel werden häufig bereits portionierte Melonen angeboten. Diese haben zwar eine wesentlich kürzere Haltbarkeit als ganze Früchte, dafür erkennt man gleich ihren Reifegrad. Je dünner nämlich der helle Rand unterhalb der Schale ist, desto reifer ist die Melone.

Namensgeber für Hut und Oberweite

Bisher hieß es immer, die botanische Gattung Cucumis stamme aus Afrika, weil dort zahlreiche wilde Cucumis-Arten existieren. Nun haben aber Forschungen ergeben, dass Gurke und Melone ursprünglich aus Asien stammen. Das haben Botaniker der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer genetischen Analyse festgestellt.

Die Daten sprechen den Forschern zufolge insgesamt für Asien als Ursprungsregion des gemeinsamen Vorfahren von Gurke und Melone. Für beide Spezies lassen sich Vorgängerpopulationen im Himalaya nachweisen. Als wohlschmeckender Durstlöscher stehen Melonen wohl schon seit 4000 Jahren auf dem Tisch. Heutzutage gibt es weltweit etwa 150 verschiedene Wassermelonen-Sorten; bei den Zuckermelonen sind sogar mehr als 500 Sorten bekannt.

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Very british so eine Melone!

(Foto: picture alliance / dpa)

Melonen können mehr, als nur gefuttert zu werden. Ihre Form ist Namensgeber für so manches. Auf dem Kopf wurde die "Melone" vor allem durch Winston Churchill und Charlie Chaplin bekannt. Aber auch fiktive Helden wie Pan Tau und Egon Olsen tragen einen solchen steifen, abgerundeten Hut. Bei den Damen ist es weniger der Kopf, der von einer Melone geziert wird, sondern mehr der Oberkörper. Mit einer derart überbordenden Oberweite lassen sich sogar echte Melonen zertrümmern, bis selbst Dieter Bohlen die Klappe hält. Ist das schon Volksverdummung oder nur Geschmacklosigkeit? Über den Unterhaltungswert eines solchen "Talents" kann man ja noch streiten, über die Sinnlosigkeit nicht. Schade um die Melonen.

Melonen mögen keine Kälte - als Dessert schon

Melonen sind keine Lagerfrüchte, am besten ist es, man kauft reife Melonen und verzehrt diese möglichst rasch. Melonen sollte man maximal zwei Wochen lagern, und dann am besten in einem kühlen Keller. Ideal sind Temperaturen zwischen 8 bis 15 Grad.

Wer keinen solchen Keller, sondern nur einen Kühlschrank hat, hat es da nicht so einfach. Eine kühle Lagerung kann zwar die Haltbarkeit verbessern, aber Aroma, Farbe und Vitamine leiden darunter. Unter sechs Grad können Kälteschäden auftreten; das Fruchtfleisch wird glasig.

Etwas anderes ist es, eine Melone vor dem Verzehr zu kühlen. Der Biss in eine gut gekühlte Melone ist bei schwül-warmen Temperaturen eine echte Wohltat:

Geeistes Melonendessert

Zubereitung:

Zutaten (6 Pers):

1 kleine reife Wassermelone
1 reife Honig- oder Galiamelone
1 reife Papaya
1 Apfel
3 EL Rum
2 EL Sultaninen
2 EL Limettensaft
1 EL Zucker
1 Glas trockener weißer Sekt
3 Zweige Grüne Minze
30 g frischer Ingwer

Die Sultaninen im Rum einweichen. Die Früchte entkernen, schälen und das Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Alle Fruchtwürfel mit den eingeweichten Sultaninen vermengen.

Den Ingwer schälen und fein reiben. Ingwer, Sekt, Limettensaft und Zucker unter die Früchte mischen. Das Dessert mit den abgezupften Minzeblättchen dekorieren und gut gekühlt servieren, entweder solo oder mit Vanilleeis.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de