Essen und Trinken

Kohl aus dem Verkehr gezogen Angie betört die Sinne

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Angela Merkel mag wie jede Frau Rosen, nicht nur ihre "Angie".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sie ist unbestritten königlich - die Rose. Mitunter trägt sie auch königliche Namen: Elisabeth von Österreich (Sissi), Königin Margrethe oder Königin Beatrix, Queen Elizabeth, Kaiser Franz Joseph oder Wilhelm II.

Doch eigentlich muss alles, was in der Welt mehr oder weniger Rang und Namen hatte oder immer noch hat, zur Rosen-Namensgebung herhalten – nicht nur gekrönte Häupter. Die Reihe reicht von Adenauer über Louis de Funès bis Zenobia (Die Königin von Palmyra war die erste Frau arabischen Blutes als Herrscherin über das oströmische Reich). Auch Elvis, Evita, Freddy Quinn, Gitte Haenning, Goethe, Schiller, Händel, Casanova und Kleopatra purzeln da munter durcheinander. Heidi Klum und Carolin Reiber werden ebenso bedacht wie Fisherman's Friend und der Apollo-Flug von 1969.

Ein Besuch im Rosengarten kommt einem Spaziergang durch das Who ist who der Weltgeschichte gleich: Da findet sich Bismarck neben Uwe Seeler, Tschaikowski neben Steffi Graf, Roy Black neben Paul McCartney. Helmut Schmidt (zitronengelb) gedeiht in einer Reihe mit Konrad Adenauer (blutrot). Beide übrigens „öfterblühend“ und „stark duftend“.

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Altkanzler Kohl mit einem Strauß der nach ihm benannten "Helmut-Kohl-Rose".

(Foto: picture-alliance / dpa)

Ausgerechnet in den „blühenden Landschaften“ im Osten Deutschlands hat sich der „Kanzler der Einheit“ nicht lange gehalten. Wie mir die sachkundigen Gartenarchitekten im Ostdeutschen Rosengarten Forst in der Lausitz erklärten, war es aber keine politische Entscheidung, „Helmut Kohl“ aus dem Verkehr zu ziehen. In Forst werden nur Rosensorten kultiviert und vermehrt, die weitgehende Resistenz gegen schädigende Einflüsse aufweisen. Gemeint sind hier Krankheitserreger wie Sternrußtau, nicht etwa die Spendenaffäre. Deshalb wird nach längerer Erprobung „Helmut Kohl“ wegen ihrer Anfälligkeit gegenüber gefürchteten Rosenkrankheiten im Forster Rosengarten nicht mehr angebaut. Die Sorte ist übrigens dunkelrot, öfterblühend und mit “leichtem” Duft.

Bei der Beschreibung „von Juni bis zum ersten Frost“ handelt es sich natürlich nicht um den vermeintlichen Rest der Regierungszeit von Angela Merkel, sondern um die Blühdauer einer exklusiven Parfüm-Rose, deren Taufpatin die Bundeskanzlerin ist. „Angie“ ist zart cremefarben mit apricotfarbenem Herz, „sehr ausdrucksstark und wohlgeformt“. Dem Vernehmen nach lobte die Kanzlerin vor allem den betörenden Duft des edlen Gewächses nach Maiglöckchen, Flieder, Freesie, Apfel und Birne. Obwohl "Angie" der Beschreibung nach "gesund und kräftig" daherkommt (im Unterschied zur Anfälligkeit von "Helmut Kohl"), habe ich sie im Ostdeutschen Rosengarten Forst vergeblich gesucht. Traut sich da keiner an das Spitzengewächs heran? Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Rosen sind jedenfalls nicht nur etwas fürs Auge und für die Nase, sondern auch durchaus für den Magen geeignet. Will man Rosenblüten in der Küche verwenden, muss man aber sehr wählerisch sein, denn beileibe nicht jede Rose eignet sich dafür. Sie werden keinen Erfolg haben, wenn Sie einfach in den nächsten Blumenladen gehen und ein paar Stängel holen. Die Sache mit dem betörenden Rosenduft ist nämlich nicht so einfach, da in der Floristik auf Haltbarkeit gezüchtet wird - das schließt den Duft leider meistens aus, da duftende Rosen sich schneller öffnen und verblühen. Auch werden die Rosen, die wir in den Geschäften finden, zumeist importiert - im vergangenen Jahr immerhin etwa eine Milliarde Stück - und sind eben wegen der Haltbarkeit fast immer ohne Duft. Von der chemischen Behandlung ganz zu schweigen…

Haben Sie aber selbst eine gut duftende Rose im Garten (oder auch der Nachbar …), sollten Sie unbedingt probieren, wie der Duft “schmeckt”.

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Regentropfen auf einer Rose: Die Blüten für eine Bowle sollten taufrisch sein.

(Foto: © bbroianigo / PIXELIO)

Günstig für einen besonders intensiven Duft ist eine warme und feuchte Witterung. Viele Rosen duften besonders gut an einem taugetränkten, warmen Sommermorgen oder an schwül-warmen Sommertagen;  an kühlen Herbsttagen oder gegen Abend ist der Duft häufig geringer oder fehlt fast ganz. Denn auch Rosen duften nicht immer, sie haben ein „Zeitfenster“, weil ihr Duft eigentlich Bienen zwecks Bestäubung anlocken soll und nicht „Mensch Nase„.

Bis heute sind nicht alle Bestandteile des Duftes der Rosen bekannt. Und von den etwa 300 bis 500 chemisch nachgewiesenen Duftstoffen (je nach Sorte) sind längst nicht alle für unsere Nasen wahrnehmbar - wohl aber für die Insekten.

Der Senior der Rosenzucht, der Franzose Georges Delbard (1909-1999), entwickelte in Anlehnung an die Parfümerie eine Duftpyramide für Rosen: Grundnoten (Holz, Wald, Moos u. a.), Herznoten (Blumen-, Frucht-, Gewürzdüfte und grüne Düfte, z. B. Veilchen, Apfel, Nelke, Gras) Kopfnoten (Zitrus-, Kräuterdüfte, z. B. Zitrone, Anis). Vielleicht entdecken Sie beim intensiven Schnuppern noch eine Menge anderer Noten…

Damit eine “Rosenbowle” so schmeckt, wie Rosen duften, müssen Sie also eine Duftrose entblättern. Geeignet sind alle Duftrosen-Sorten, Sie müssen nicht unbedingt “Angie” zerrupfen:

Zutaten:

5 bis 8 gut duftende Rosenblüten (ungespritzt!)
4 cl Cognac (oder chinesischer Rosenschnaps)
125 g Zucker
1 Fl trockener Rosé-Wein (auch Rotwein)
1 Fl trockener Weißwein
2 Fl Sekt oder Prosecco

Zubereitung:

Die Blütenblätter von den frisch gepflückten, gerade erblühten Rosen vorsichtig abzupfen und in ein geeignetes Gefäß geben. Den Zucker und den angewärmten Schnaps darüber geben und mit dem noch ungekühlten Wein auffüllen. Wer eine kräftigere Farbe möchte, nimmt statt Rosé Rotwein. Abgedeckt zwei bis vier Stunden kühl ziehen lassen. Dann durch ein Sieb in ein Bowlegefäß gießen und erst kurz vor dem Servieren langsam den Sekt dazugießen.

Besonders dekorativ sieht die Bowle aus, wenn Sie sie mit ein paar frischen Rosenblättern garnieren.

Tipp: Mitunter wird Rosenbowle noch mit unbehandelter Orangenschale abgespritzt oder mit Vanille oder Zimt abgeschmeckt. Ich halte nichts davon, das übertüncht den zarten Rosengeschmack.

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Nichts für eine Rosenbowle, aber für die Liebe: Rosenblätter vor einem Standesamt.

(Foto: © Anja Kronberg / PIXELIO)

Gutes Gelingen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de