Essen und Trinken

Nur ein bisschen genießen Auch der Herbst hat schöne Tage

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Die "blauen Früchtchen" sind wieder da.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nicht nur für Kuh Yvonne ist der Traum von ewiger Freiheit ausgeträumt. Sie darf aber immerhin weiter auf der faulen Haut liegen und ihren geheimsten Gedanken nachhängen. Unsereins dagegen muss sich allzu tiefe Nach-Urlaubs-Träume verkneifen, sonst gibt’s Ärger mit dem Chef.

Die meisten von uns sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt; der vergangenen Urlaub ist nur noch ein schöner Traum. Wohl dem, der irgendwo auf der Welt sein Sommersonnenglück fand - denn wer Urlaub auf Balkonien oder im Garten machte, dürfte vermutlich dem heimischen "Sommer” keine Träne nachweinen (der grenzenlosen Urlaubsfreiheit schon!). Vielleicht aber wird’s ein warmer Herbst, und der soll ja bekanntlich auch schöne Tage haben.

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Das sonnenreiche Frühjahr hat zu einer starken Blütenbildung geführt ...

(Foto: Susanne Schmich/pixelio.de)

Herbstzeit ist Erntezeit. Äpfel, Birnen und Pflaumen purzeln nur so von den Bäumen; auch späte Kirschen und einige Beeren gibt es noch. Weintrauben und Nüsse reifen; im Wald warten Preiselbeeren und Pilze. Auf den Feldern ernten die Bauern von Artischocken über Kohl und Kartoffeln bis Sellerie jede Menge Gemüse.

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... und jetzt zu vielen Früchten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was die Erdbeertorte im Frühjahr ist, das ist der Kirsch-"Spuck”-Kuchen im Sommer und der Pflaumenkuchen im Herbst. Pflaumenkuchen ist DER deutsche Obstkuchen schlechthin. Allerdings ist der Name irreführend (doch nicht aus der Welt zu schaffen), denn die Pflaumen auf dem Kuchen dürften Zwetschgen sein.

Pflaume oder Zwetschge - das ist hier die Frage

Man liegt aber nicht falsch, wenn man bei Pflaumen an Zwetschgen denkt. Immerhin gibt es durch Züchtungen und Kreuzungen schon mehr als 2000 Pflaumensorten, da geraten selbst Fachleute ins Grübeln.

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Die Bühler Zwetschgenkönigin Francesca Metzinger genießt und wirbt für die Qualität der Früchte in Baden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hier die wichtigsten Unterschiede: Zwetschgen sind länglich-oval und haben zugespitzte Enden, Pflaumen sind rund oder eirund. Zwetschgen sind blau bis schwarzblau oder auch violett; Pflaumen haben eine rötliche bis bläuliche Färbung. Pflaumen sind recht groß und haben eine Naht oder Furche, Zwetschgen meistens nicht und sind eher kleine Früchte. Manche Pflaumensorten werden schon im Juli reif, Zwetschgen reifen erst spät im Jahr.

Zwei Unterschiede haben vor allem bei der Verarbeitung Bedeutung: Pflaumen zerfallen beim Kochen, Zwetschgen nicht - und sind somit der ideale Kuchenbelag. Auch sitzt der Kern bei Pflaumen oft recht fest im Fruchtfleisch und lässt sich nur schwer herauslösen, was die Verarbeitung etwas erschwert. Bei Zwetschgen löst sich der Kern leicht.

Eines haben aber Zwetschgen und Pflaumen gemeinsam: Beide sind saftig und süß und schmecken am besten gleich unterm Baum. Und dann gibt es ja noch Reineclauden und Mirabellen, die sich in Größe und Farbe ganz deutlich von ihren blauen Geschwistern unterscheiden.

Einfach und ehrlich - Omas Zwetschgenkuchen

Der Zwetschgenkuchen, der vor allem im nördlichen Deutschland Pflaumenkuchen heißt (in Bayern Zwetschgendatschi), wird traditionell auf dem Blech gebacken (Springform = Stilbruch) und natürlich nur mit Hefe. In der letzten warmen Herbstsonne ist der aufgetürmte Berg von saftigen großen Stücken des "Zwetschgenkuchens" der Mittelpunkt der Familien-Kaffeetafel - und eine Reminiszenz an Sommer, Urlaub und Genuss:

Zutaten:

1,5 bis 2 kg Zwetschgen
500 g Mehl (für ein großes Blech)
125 g Butter
125 g Zucker
1 Prise Salz
2 Eier
1 Pä abgeriebene Zitronenschale oder 1 Bio-Zitrone
¼ l lauwarme Milch
30 g frische Hefe

Zubereitung:

Mehl in eine Rührschüssel sieben, in die Mitte eine Vertiefung drücken. Hefe mit wenig lauwarmer Milch und 1 TL Zucker verrühren und in die Vertiefung kippen. Mit etwas Mehl vom Rand bestäuben. Zudecken und den Vorteig aufgehen lassen (ca. 20 Minuten).

Dann die zimmerwarme, weiche Butter in Flöckchen auf dem Mehlrand verteilen, ebenso 1 Prise Salz und die abgeriebene Zitronenschale. Alles in den Teig arbeiten, dabei Zucker und Milch mit einarbeiten, zum Schluss noch die beiden Eier. Alles gut durchkneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Zudecken und an einem warmen Ort aufgehen lassen (eine halbe bis eine Stunde).

Die Zwetschgen waschen und trocken schütteln, längs halb aufschneiden, entkernen, aufklappen und jede Hälfte nochmals einschneiden.

Den aufgegangenen Teig zusammenstoßen und nochmals kurz durchkneten. Auf einem gefetteten Blech plattdrücken und ausrollen. Die Ränder etwas hochdrücken. Nun die Zwetschgen keinesfalls einfach auf den Teig legen - dieser Belag würde zu dünn werden und garantiert enttäuschend sein. Die Zwetschgen in Reihen mit der Innenseite nach vorn auf den Teig stellen, immer etwas schräg wie Schuppen an die vorhergehende Reihe angelehnt. Alles schön gleichmäßig und dicht. Das Blech mit einem Tuch bedecken und den Teig mit den Zwetschgen darauf an einem warmen Ort nochmals etwa 20 Minuten gehen lassen. Im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad 30 bis 40 Minuten backen.

Den fertigen Kuchen etwas abkühlen lassen und erst dann mit Zucker bestreuen. Nie zu früh den Zucker auf den Kuchen bringen, weil der heiße Belag möglicherweise noch jede Menge Saft zieht und der Teig dann eine recht matschige Angelegenheit wird.

Am besten schmeckt der Kuchen, wenn er noch ein wenig ofenwarm ist. Dann hat sich der Zucker mit dem Saft der Früchte vermischt und ist in die obere Teigschicht eingesickert.

Mitunter treiben Streusel oder Mandelsplitter auf Zwetschgenkuchen ihr Unwesen, auch Schlagsahne ist manchmal in Mode - das alles hat aber mit dem alten, ehrlichen Zwetschgenkuchen, wie ihn Oma schon auf den Tisch brachte, nichts zu tun! Die Wespen allerdings, die der süße Duft zu Scharen anlockt, gehören dazu.

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So ist's recht: Die Pflaumen stehen wie die Zinnsoldaten auf dem Kuchenblech.

(Foto: wrw/pixelio.de)

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de