Essen und Trinken

Unheimliche Göttin Auch für Männer

Regen und nochmals Regen. Dazwischen etwas windig und daher trocken gewedelt - was fängt man nur bei (mit) diesem Wetter an? Es heißt ja, dies sei ein Wetter zum Helden zeugen. Man kann auch Suppe löffeln. Beides tut der Seele gut. Ersteres allerdings müssen Sie schon selbst bewerkstelligen, bei der Suppe kann ich Ihnen helfen.

Suppe bzw. Eintopf hat eine lange Tradition. Schon die alten Römer und Griechen liebten ihr Süppchen, und zwar nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen. Als erstes überliefertes Rezept aus dem antiken Rom gilt eines für eine Art Haferbrei, wobei man getrost davon ausgehen kann, dass diese "Pampe" nicht unseren Beifall finden dürfte. Diese Suppe bestand nur aus Haferflocken, einigen anderen gerösteten Getreidekörnern, ein wenig Salz - und Wasser. Vermutlich zu empfehlen nach den berühmt-berüchtigten römischen Fressorgien ...

Die Griechen bereiteten einen ähnlichen Gerstenbrei zu, verfeinerten ihren "Alphiton" aber auch mit Lamm- oder Hühnerbrühe. Der Göttin Alphito war die Gerste geweiht. Man war gut beraten, Alphito nicht zu verärgern, denn sie strafte diejenigen, die sie nicht leiden konnte, mit Lepra! Außerdem soll sie sich in eine weiße, Leichen fressende Sau verwandelt haben. Vom Namen dieser unheimlichen Göttin wurde das Wort "Albtraum" abgeleitet. Selbst die Bibel berichtet indirekt über Alphito: Derjenige, der von der Lepra geheilt wurde, solle einen Scheffel Gerste (im Originaltext Gerstenmehl, bei Luther wird Semmelmehl daraus) opfern.

Auch im Mittelalter war die Suppe eine gern gegessene Speise. Man unterschied aber schon zwischen Breien und Brühen. Im 18. Jahrhundert galt alles, was der Kessel enthielt, als Suppe: Verschiedene Gemüse und Kräuter, oft ein gutes Stück Fleisch, köchelten leise vor sich hin. Die entstandene Brühe wurde über Brotscheiben geschöpft, die in irdenen Schüsseln lagen.

Breie sind heutzutage wohl weniger gefragt, außer natürlich die - im wahrsten Wortsinne - sattsam bekannten Grießbrei und Maisbrei. Sich vor der Zubereitung einer Suppe oder eines sättigenden Eintopfes zu fürchten, ist unbegründet. Die Zeiten, in denen galt: "Frauen, die keine Suppe kochen können, sollten nicht heiraten dürfen" (habe ich mal in einem alten Kochbuch gelesen), sind zum Glück vorbei. Viele Suppen sind einfach in der Herstellung und brauchen nicht viel Zeit. Es gibt natürlich auch zeit-, zutaten- und kostenintensive Suppen. Das Rezept, das ich Ihnen vorschlage, stammt übrigens von meinem Bekannten Wolfgang aus Köln und ist ein Beweis männlicher Schnelligkeit. Wem "Wölfis Käsesuppe" zu profan ist, kann sie gut und gerne aufpeppen:

Zutaten:
2 Zwiebeln
1 Stange Porree
250 g Schmelzkäse
1 l Brühe
4 EL Butter
2 EL Mehl
3 Scheiben Toastbrot
Muskat, Pfeffer, evtl. Salz

Zubereitung:
Zwiebel würfeln, Porree in feine Ringe schneiden. Alle Zwiebelwürfel und die Hälfte der Porreeringe in 3 EL heißer Butter goldgelb dünsten. Mehl darüber streuen, verrühren und die warme Brühe langsam angießen. Umrühren und restlichen Porree dazugeben.

Schmelzkäse in grobe Stücke schneiden und in die Suppe geben. Etwa10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis der Käse geschmolzen ist. Mit geriebener Muskatnuss und weißem Pfeffer abschmecken. Falls nötig, auch vorsichtig mit Salz würzen.

Toastbrot in Würfel schneiden und in der restlichen Butter goldbraun rösten. Die Brotwürfel gesondert reichen und erst am Tisch in die Suppe geben.

Tipp: Die Käsesuppe kann mit in etwas Öl scharf angebratenem, feinkrümelig zerkleinertem Hackfleisch aufgewertet werden. Auch frische Champignons können bei dem Hack mitgebraten werden. Verfeinern kann man die Suppe auch noch mit Creme fraiche und indem man einen Teil der Brühe durch Weißwein ersetzt. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt!

Vermeiden sollte man, die Brühe aus Brühwürfeln herzustellen. Hat man keine selbstgekochte Brühe, empfehle ich, Hühnerbrühe im Glas zu kaufen. Da gibt es unterdessen sehr gute Angebote, die ganz ohne Geschmacksverstärker auskommen.

Lassen Sie sich die Suppe nicht verregnen. Viel Spaß beim Kochen und danach wünscht Heidi Driesner. Übrigens: Suppe schmeckt auch bei Sonne ...

Quelle: ntv.de