Essen und Trinken

Ein Geschenk von Ritter Knaut Augen auf beim Blumenpflücken

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Kranz, Quasten und Lebensbusch auf der Queste sollen zu Pfingsten immer erneuert werden.

(Foto: Wikipedia)

Es gibt Bräuche wie Weihnachtsbaum und Ostereier, die jeder kennt. Doch welcher Berliner, Münchner oder Helgoländer kennt schon Pfingstwunder, Pfingstschwanzfahren, Tonnenreiten oder das Questenfest? Es sei denn, sie sind "Zugezogene” und erinnern sich noch an die Bräuche ihrer Geburtsorte.

Pfingsten ist ein christliches Fest jüdischen Ursprungs; gefeiert wird von den Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes. Außerdem markiert das Pfingstfest den Abschluss der Osterzeit.

Zu Pfingsten gibt es in deutschen Regionen viele Bräuche - wenn sie noch gepflegt werden. Eines der ältesten und urtümlichsten ist das Questenfest in dem kleinen Dorf Questenberg in Sachsen-Anhalt. Der Ursprung des Brauches verliert sich im Dunkel der Geschichte. Zweifelsohne mischten sich im Laufe der Jahrhunderte vorchristliche und christliche Momente. Auch an Versuchen, das Fest für politische Zwecke zu missbrauchen, fehlte es nicht. So wollten sich die Nazis das Questenfest für ihre Germanentümelei unter den Nagel reißen. Auch von heutigen "ewig Gestrigen” gibt es derartige Versuche.

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Anlass zu Spekulationen gibt auch der Questenberger Roland. Da der kleine Ort nie große Bedeutung hatte, behaupten böse Zungen, die Figur sei nur eine bloße Kopie des Nordhäuser Rolands.

(Foto: Wikipedia)

Sicherlich spielte die Verehrung von Sonne und Licht als Quellen des Lebens eine Rolle bei der Entstehung des Questenfestes. Doch auch Sagen bemühten sich um Deutungsversuche. So soll sich an einem Frühlingstag des Jahres 1300 die einzige Tochter des Ritters Knaut beim Blumenpflücken im Wald verirrt haben. Irgendwann gelangte das Mädchen zur Hütte eines Rothaer Köhlers, mit dessen Hilfe sie am nächsten Tag zurückkehrte. Dankbar bestimmte der Herr Papa, dass jedes Jahr zu Pfingsten auf dem Berg Queste gegenüber seiner Burg ein Blumengebilde errichtet wird, das wie das Gesteck aussieht, das seine Tochter in den Händen hielt: Auf der Bergkuppe wurde ein geschälter Stamm aufgestellt, an dem ein Kranz mit einem Durchmesser von drei Metern befestigt ist. Durch den Kranz geht ein Querbaum, an dessen Enden Laubbüschel - die Quasten - hängen. An der Spitze des Stammes steckt ebenfalls ein Laubbusch, der Lebensbusch. Immer zu Pfingsten werden Kranz, Quasten und Lebensbusch erneuert.

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Da der Hartholzgeselle schon ein paar hundert Jahre auf dem Buckel hat, muss er ab und zu mal angestrichen werden.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Außerdem schenkte der Ritter den Dörfern, die sich an der Suche nach seinem einzigen Kind beteiligt hatten, Wald und Weiden. Das Dorf Rotha erhielt eine große Wiese, in deren Nähe die kleine Jutta den Köhler traf, sie heißt heute noch "Fräulenswiese”. Weil aber offenbar die Questenberger weniger Dankesgaben erhielten als die Rothaer bestimmte der Ritter einen "Wertausgleich”: Die Einwohner von Rotha mussten sich verpflichten, jedes Jahr zu Pfingsten den Questenbergern ein Brot und vier Käse zu bringen. Die Gaben mussten mit dem Satz überreicht werden: "Ich bin der Mann von Rothe und bringe die Käse zum Brote.” Soweit die Sage.

Dem Vernehmen nach soll die Festlegung des Ritters aber auch den Passus enthalten haben, dass die Questenberger sich in Rotha einen schönen Ochsen aussuchen dürfen, sollten die Rothaer einmal ihren üblichen Tribut nicht pünktlich entrichten. Soll schon vorgekommen sein … Das Rind wurde dann geschlachtet und am Spieß gebraten. Und so gibt es alljährlich in Questenberg vor Pfingsten die heimliche Hoffnung, dass sich die Rothaer mal wieder mit Brot und Käse verspäten und dann der Ochse fällig wird. Wäre ja kein schlechter Tausch, denn ein bisschen Ochse zu Pfingsten muss sein.

Nehmen Sie sich also etwas Zeit und kredenzen Sie Ihrer Familie zum Fest eine "Gefüllte Kalbsbrust auf buntem Reis”:

Zutaten (4 Personen):

1 kg Kalbsbrust
200 g braune Champignons
150 g feine grüne Erbsen (Feinfrost)
1 Bund glattblättrige Petersilie
4 altbackene Brötchen
4 Eier
300 g Reis
100 g Möhren
100 g Kohlrabi
100 g Bleichsellerie (Stangensellerie)
1 EL Butter
50 g Schmalz
50 g Lauchzwiebeln
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Kalbsbrust abbrausen, abtrocknen und die Knochen auslösen. Die Muskelschichten mit einem scharfen Messer voneinander trennen, so dass eine Tasche entsteht. Die Tasche innen und die gesamte Kalbsbrust von außen mit Salz einreiben. Die Brötchen in Wasser einweichen.

Das Gemüse putzen. Pilze in kleine Würfel schneiden, die Lauchzwiebeln in feine Scheibchen. Möhren, Kohlrabi und die Selleriestangen in Stifte schneiden. Petersilie fein hacken.

Die Lauchzwiebeln in dem Schmalz anschwitzen, Pilze und Erbsen dazugeben und so lange dünsten, bis der ausgetretene Pilzsaft verkocht ist.

Die eingeweichten Brötchen gut ausdrücken und zerpflücken. In einer Schüssel mit den Eiern, der Zwiebel-Pilz-Erbsen-Mischung vermengen und kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit dieser Masse die Tasche in der Kalbsbrust füllen und mit Rouladennadeln verschließen.

Eine Pfanne dünn ausfetten, die Kalbsbrust hineinlegen und im vorgeheizten Ofen bei etwa 180 Grad eine Stunde braten. Wasser sollte während des Bratvorgangs nicht zugegossen werden.

Möhren, Kohlrabi und Sellerie in der Butter anschwitzen, den Reis dazugeben, salzen und pfeffern und nochmals kurz durchrösten. 0,6 l kochendes Wasser aufgießen. Zugedeckt 5 Minuten kochen, vom Herd nehmen und 20 Minuten ausquellen lassen.

Die Kalbsbrust in Scheiben schneiden und auf dem Gemüsereis servieren.

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Viel Spaß mit Ihrem "Pfingstochsen” wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de