Essen und Trinken

Kohlossal Carpe brassicam!

Dithmarschen - der grüne Landkreis an Schleswig-Holsteins Nordseeküste hält, so meinte ich bisher, nur einmal im Jahr Einzug in meine Küche: Nämlich mit der Weihnachtsgans, die mein Fleischer von Höfen aus dem Dithmarschen bezieht. Doch vielleicht kommt auch der Wirsingkohl für den schmackhaften Eintopf aus dem Dithmarschen? Und den gibt's öfter als Weihnachten.

Dieser Tage beginnen dort im Norden, im größten geschlossenen Kohlanbaugebiet Europas, zum 21. Mal die Dithmarschen Kohltage (18. bis 23. September). Jedes Jahr findet der offizielle Kohlanschnitt mit Politik und Prominenz in einer anderen Gemeinde statt. In diesem Jahr ist es der Hof von Dierk Voss in Oesterwurth bei Wesselburen. Sechs Tage lang steht in der Region Kohl auf vielen Speisekarten an oberster Stelle, kullern die Köpfe als Dekoration in vielen Schaufenstern.

Im gesunden Nordseeküstenklima zwischen Hamburg und Sylt gedeihen auf mehr als 2.000 Hektar Jahr für Jahr etwa 80 Millionen knackige Kohlköpfe. Seit mehr als 100 Jahren wird dort der Sortenreichtum gezielt kultiviert. Kohl findet sich nicht nur im Kochtopf wieder, sondern macht auch als Heilmittel etwas her: Schon Sebastian Kneipp kurierte Geschwüre mit Kohlblättern und legte sie u. a. bei Schnitt- und Brandwunden auf, denn Weißkohl zum Beispiel wirkt antibiotisch. Der jüngste Hit ist eine Salbe vom Dithmarschen Krautmeister Hubert Nickels. Die Salbe aus Weißkohlsaft soll schmerzlindernd bei Hautreizungen und Schwellungen sein.

Kohl steckt voller Vitamin C und nimmt es durchaus mit Zitrusfrüchten auf. Roh deckt er mit 100 g den Tagesbedarf. Nervenstärkendes Vitamin B, Kalium, Kalzium, Natrium und Eisen kommen hinzu und machen Kohl zu einem sehr gesunden Gemüse. Deftige Kohl-Gerichte sind durch das dabei verwendete Schweinefleisch, den fetten Speck oder die Würste nicht gerade kalorienarm. Doch es geht auch mit weniger, und als Rohkost ist Kohl allemal eine Zierde der Schlankmacherküche.

Der römische Dichter Horaz empfahl in einer Ode: "Carpe diem"; zu deutsch: Nutze (pflücke/genieße) den Tag! Vielleicht kann ich Sie ja zu einem Ausflug ins Dithmarsche überreden, um im Sinne Horaz' den Augenblick zu genießen, denn bei den Dithmarschen Kohltagen gilt die Devise: Carpe brassicam: Genieße den Kohl! Für diejenigen, die keine Zeit für einen Kurztrip in den Norden haben, hier ein dithmarsches Kohlrezept: Wirsingkohl überbacken:

Zutaten (4 Personen):

50 g durchwachsener Speck
1 kg Wirsingkohl
1 TL Öl
1 TL Senf
1 EL Ketchup
250 g Tomaten
60 g Gouda
1/4 l Brühe
200 g Mischhack
15 g Paniermehl
1 Ei
Salz, Pfeffer, Paprika, Basilikum

Zubereitung:

Den gewürfelten Speck in dem Öl ausbraten. Wirsingkohl säubern, in mundgerechte Stücke schneiden und in dem Speckfett andünsten. Brühe auffüllen und mit Pfeffer und Paprika garen. Eventuell vorsichtig salzen.

Das Hackfleisch mit dem Ei, dem Paniermehl, Senf, Ketchup, Salz, Pfeffer, Paprika und Basilikum gut vermischen. Klößchen aus der Masse formen und zehn Minuten auf dem Kohl mitgaren. Dann den Kohl und die Klöße in eine Auflaufform schichten, mit geachtelten Tomaten belegen, geriebenen Käse überstreuen und 15 Minuten bei 200 Grad überbacken.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner - und lassen Sie sich nicht verkohlen!

Quelle: ntv.de