Essen und Trinken

Verwirrung auf ungarisch Der Dichter und die "Krauts"

Wenn Sie wieder mal finden sollten, bei Ihnen zu Hause sähe es aus wie Kraut und Rüben - machen Sie sich nichts daraus! Denn Kraut und Rüben sind wieder in, zumal sie jetzt Saison haben. Lange Zeit galten Kraut und Rüben als unfein und derb. Zusätzlich hat der geringe Preis ihrem Image eher geschadet, als dass er zum Kaufrausch verführte. Zu Recht erobern sich Kraut und Rüben auch die haute cuisine. Wirsing, Weiß- und Rotkohl, Rosen- und Grünkohl sowie Rüben jeglicher Coleur sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Und es gibt jede Menge Rezepte, sie auf alt hergebrachte Art und Weise oder auch leicht und knackig zuzubereiten.

Im Winter hält sich das Angebot an frischem Gemüse in Grenzen. Aber Kraut und Rüben gibt es, und sie sind zu Hause in der Region gewachsen, kennen keine beheizten Folientunnels und lange Reisen. Aus ökologischer Sicht auch nicht gerade unwichtig.

Die wichtigste aller Kohlarten - der Weißkohl - gilt seit langem als typisch deutsch, obwohl er ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt. Aus Weißkohl wird hauptsächlich Sauerkraut hergestellt, des Deutschen wohl liebstes Kraut. Dieser Vorliebe haben wir im englischsprachigen Raum auch den Spitznamen "Krauts" zu verdanken. Selbstverständlich lieben nicht nur die Deutschen das Sauerkraut. Auf dem Balkan und in Russland zum Beispiel gehört Sauerkraut in jede Küche. Dort werden die Köpfe aber im Unterschied zu unserer Zubereitungsart im Ganzen in Steintöpfen eingelegt.

Auch in der ungarischen Küche hat Sauerkraut einen festen Platz. Ein Gericht damit kennt wohl jeder und nennt es Szegediner Gulasch. Dieses deftige Essen schmeckt sehr gut - nur der Name ist falsch und zwar in doppelter Hinsicht: Erstens hat das Fleischgericht nichts mit der Stadt Szeged zu und zweitens ist es aus ungarischer Sicht kein Gulasch. Gulasch nämlich ist dort mehr eine Suppe, und ein Gulasch aus unserer Sicht heißt dort Pörkölt. Alles klar? Andere Quelle schreiben "Szkely gulys" einem Budaer Gastwirt namens Szkely zu, wiederum andere meinen, die Siebenbürger Ungarn, die Szekler, hätten's erfunden.

Und hier kommt die wahre Geschichte (behaupte ich mal):

Namensgeber des Gerichts soll kein anderer als Ungarns größter Dichter Sndor Petöfi gewesen sein. Mit seinem Bekannten Jzsef Szkely besuchte Petöfi regelmäßig den Budapester "Hopfengarten". Eines Tages im Jahre 1846 kam Szkely recht spät zum Mittagessen, und zu dessen Verdruss waren die meisten Gerichte schon "aus". Der Wirt, der seinen Dauergast nicht verlieren wollte, mischte eilfertig in der Küche etwas Schweinepörkölt und etwas Sauerkrautgemüse und trug es auf. Die Improvisation erwies sich als schmackhaft und sättigend. Petöfi, der Zeuge des Vorgangs war, bestellte beim nächsten Mal das Gericht, "das Krautgericht, das der Szkely gegessen hatte". Offensichtlich hat das nicht nur den beiden geschmeckt, denn mit der Zeit bürgerte sich "Szkelykposzta" ein, international als Szeklergulasch bekannt:

Zutaten (für 4 Personen):

700 g Schweinekamm oder -schulter
700 g Sauerkraut
100 g Bauchspeck
3 große Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 Becher saure Sahne
1 TL Edelsüßpaprika
1 Lorbeerblatt, Salz, Pfefferkörner, Chili

Zubereitung:

Das Fleisch würfeln, den geräucherten Speck und die Zwiebeln kleinschneiden. Den Speck auslassen und darin die Zwiebelwürfelchen anrösten. Vom Feuer nehmen und 2 Minuten abkühlen lassen. Ist das Fett noch zu heiß, wird der Paprika bitter.

Dann mit dem Edelsüßpaprika und dem scharfen Paprika (etwa ein Moccalöffel voll) bestreuen. Verrühren und mit einer Kaffeetasse Wasser auffüllen.. Einige Minuten dünsten lassen. Dann das Fleisch zugeben, salzen. Den zerdrückten Knoblauch, Lorbeerblatt und Pfefferkörner hinzutun.

Alles auf kleiner Flamme dünsten. Dabei mehrmals nur wenig Wasser zugeben; das Fleisch sollte nie bedeckt sein. Nach einer halben Stunde das Sauerkraut zugeben und zusammen mit dem Fleisch weich dünsten.

Die saure Sahne mit etwa 1 EL Mehl glatt rühren, dem Szeklergulasch beigeben und noch einmal kurz aufkochen. Dazu wird frisches Weißbrot gereicht.

Tipp: Mitunter wird das Gericht auch mit Kümmel gewürzt. Falls das Sauerkraut sehr sauer ist, spülen Sie es ab.

Viel Spaß beim ungarischen Zungenbrecher wünscht Heidi Driesner

Wer wissen will, was die Koreaner aus Kohl machen und warum sie ihn vergraben, kann das im n-tv.de Kochbüchlein "Schuss in den Ofen" nachlesen.

Quelle: ntv.de