Essen und Trinken

"Gwamperte" haben auch Vorteile Dicke werden nicht gefressen

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Ganz ruhig bleiben: Dieser Python ist schon satt.

(Foto: AP)

Immer wieder wird das Bauchfett verteufelt. Dabei hat so eine mitteleuropäische Wampe ihren Grund. Ihre eigentliche Bestimmung ist der Schutz des menschlichen Lebens: Wer seinen weihnachtlichen Gänsebraten, Schokoladen-, Nüsse- und Marzipanteller ordentlich vertilgt, wird nicht von der Schlange verschlungen.

Schwimmringe retten Leben: Sie bewahren zumeist kleine Kinder vor dem Untergehen; eine sinnvolle Einrichtung also. Im Erwachsenenalter kennen wir auch andere Schwimmringe, halten sie absolut nicht für sinnvoll und schon gar nicht für lebensrettend. Welch ein Irrtum! Diese Schwimmringe sind gefürchtet: Diejenigen, die sie noch nicht haben, tun alles dafür, dass das auch so bleibt. Jene, deren Leibes Mitte dergestalt verziert ist, verzweifeln meist bei dem Bemühen, den Schwimmring wieder loszuwerden. Pustekuchen! Die Rollen und Röllchen haben ein widerliches Beharrungsvermögen und zudem die Eigenschaft sich auszudehnen (obwohl nicht aufblasbar), meist nach Weihnachten, Ostern, Urlaub oder gehäuften Familienfeiern. Ärzte sehen in den besagten Schwimmringen einen Faktor für das metabolische Syndrom: Aus die Maus!

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Für die Schlange zu dick, aber Diabetes, Herz- und Gelenkprobleme sind absehbar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dabei können diese ungeliebten Schwimmringe tatsächlich Leben retten, zumindest das eines durchschnittlichen Mitteleuropäers. Denn dieser ist "zu breit, zu lang und meist auch zu gwampert", um von einer Würgeschlange verspeist zu werden. Das wissen wir, seit wir die Nachricht über den Tod eines Schlangenzüchters aus dem niederbayerischen Straubing im Mai dieses Jahres kennen. Der 40-Jährige, der tot inmitten von 27 Tigerpythons, 11 Netzpythons, 7 Königspythons und einer 1 Anakonda aufgefunden wurde, ging völlig unangeknabbert in die ewigen Jagdgründe ein. Pythons und Anakondas verschlingen ihre Mahlzeit nämlich im Ganzen, wie der Leiter der Münchner Reptilienauffangstation, Markus Baur, erklärte, der vor dem Problem stand, insgesamt 116 Meter und 337 Kilogramm Schlange artgerecht unterzubringen. Zumal die Kleineren unter den Schlangen bereits ein "Hüngerchen" hatten…

So eine schöne mitteleuropäische Wampe hat also nicht nur ästhetische und gesundheitliche Nachteile. Möglicherweise bekommt man Bluthochdruck und kann sich nicht mehr die Schuhe zubinden - aber was ist das schon gegen den Vorteil, nicht von der Schlange gefressen zu werden. Welch Aufatmen bei allen "Gwamperten": Gänsebraten, Christstollen, Nüsse, Marzipan und Lebkuchen - immer her damit!

(Ent)spannung unter Würgeschlangen

Nach anstrengendem Futtern, Feiern und Faulenzen ist der "Gwamperte" fix und foxi und er sucht Entspannung bei einer Massage. Hier nun kommt wieder eine nette Schlange ins Spiel (Bitte gehen Sie gedanklich nicht in die Irre!). Es handelt sich auch hier um eine handelsübliche Würgeschlange. So ein Muskelpaket kann einem nämlich bei liebevoller Umschlingung nicht nur die Luft abdrücken (wenn die Schlange durchaus will, würgt sie auch mal gerne), nein, sie ist in der Lage, den menschlichen Stoffwechsel auf Trab zu bringen. Das behauptet jedenfalls ein Massagesalon in Jakarta, der diese gewöhnungsbedürftige Behandlung anbietet. Wenn nämlich mehrere (!) Pythons über den nackten Körper gleiten, wird Adrenalin freigesetzt. Das ist ziemlich nachvollziehbar. Zusammen mit den schlängelnden Bewegungen der Tiere soll das den Stoffwechsel ankurbeln und den Alltagsärger auf Erbsengröße zusammenschrumpeln lassen. Selbst das ist nachvollziehbar, denn der größte Ehestreit dürfte sich in Luft auflösen angesichts der Wahnsinnsangst, ob man lebendig aus dieser Schlangengrube wieder herauskommt.

Geeignet ist die Schlangenmassage aber nur für Menschen mit stählernen Nerven und ohne Angst vor Reptilien. Beim normalen Durchschnitts-Weichei dürfte nämlich die Herzfrequenz steigen, was sich wieder dem Reptil mitteilt, das da so auf dem Rücken entlangschlängelt und das solcherart ermuntert möglicherweise mehr verspürt als nur ein "Hüngerchen". Wenn dann die rettende Wampe fehlt - na, Gute Nacht Marie!

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Kohlroulade mal anders, typisch nordisch eben.

(Foto: www.mediaserver.hamburg.de / C. Spahrbier)

Wenn Sie selbst keine (Würge)schlange im Haus haben, vielleicht fragen Sie mal Ihren Nachbarn? Und Sie wissen ja: Dicke werden nicht gefressen. Nur die Luft kann etwas knapp werden. Damit Sie in des Leibes Mitte die gewohnte Form behalten, heute noch mal ein Rezept aus Norddeutschland.  Das Rezept gewann den 4. Platz im Wettbewerb der Radfahr-und-Genießer-Kampagne "Auf die leckere Tour" und vereint alles, was der Norden bietet: Kohl und Krabben, Lachs und Dill, Butter und Kartoffeln:

Kohlroulade mit Lachs-Krabbenfüllung auf Dillschaum

(von Christel Looft aus Büsum)

Zutaten (4 Pers):

1 Weißkohlkopf
400 g Lachsfilet
400 g Büsumer Krabbenfleisch
1 Bd Dill
1 Ei
2 Eigelb
400 g Butter
1 kg Kartoffeln
½ Zwiebel
etwas Weißwein, Fischfond, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Den Kohl blanchieren und in einzelne Blätter zerlegen; den Strunk herausschneiden. Die Kartoffeln schälen. Den Lachs würfeln, salzen und mit der halben Zwiebel und dem Ei in der Küchenmaschine zerkleinern. Die Lachsfarce mit 300 g Krabben vermengen und mit etwas Pfeffer abschmecken. Kohlblätter ausbreiten, mit der Farce füllen und zu Rouladen drehen. Diese bei 130 Grad im vorgeheizten Backofen in etwas Fischfond 20 Minuten schmoren.

Die Kartoffeln kochen, die Butter zerlassen und klären. Den Dill bis auf 4 Stiele fein schneiden. 2 Eigelb mit Weißwein im Wasserbad aufschlagen und die Butter nach und nach unterrühren. Diese Buttersauce mit etwas Salz und dem geschnittenen Dill abrunden.

Angerichtet wird die Roulade auf einem Teller mit der Sauce. Die restlichen Krabben darüber streuen und mit den Dillstielen dekorieren. Die Salzkartoffeln dazu reichen.

Viel Erfolg und eine überaus zärtliche Würgeschlange wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de