Essen und Trinken

Rubens ist nicht sauertöpfisch Dickerchen wird salonfähig

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Wer mag, kann gruseln und schnitzen - oder auch kochen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

In dieser Woche fühle ich mich hier fehl am Platze, denn ich mag weder Kürbis in der Küche noch das Pseudo-Gruseln zu Halloween. Aber über unterschiedliche Geschmäcker soll man nicht streiten, sondern sie anerkennen und sich über ihre Vielfalt freuen. Ich wachse also über mich hinaus - ganz wie das Kürbisaufkommen in Deutschland.

Nachkriegsgenerationen kennen Kürbis als Kompott, Suppe oder Reibekuchen und haben damit ganze Familien durch die schlechten Jahre gebracht. Kein Wunder, dass das immer ein wenig fad schmeckende Gewächs als "Arme-Leute-Essen” verschrien war und in den besseren Jahren vom Teller verschwand. Ähnlich wie die unauffällige Rauke italienisch angehaucht als Rucola in deutschen Landen eine neue Kariere machte, war auch der Kürbis irgendwie schon immer da, nur in Vergessenheit geraten. Sein Comeback hat er eindeutig dem amerikanischen Halloween zu verdanken, das immer mehr auch in Deutschland Groß und Klein zu Schnitzwerkzeugen greifen lässt und alljährlich in der Nacht zum 1. November auf Gruseltour schickt.

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Wer auf sich hält, putzt seinen Kürbis.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Vorbei ist die Zeit, in der der ungeliebte Dicke ein sauertöpfisches Dasein im Einweckglas fristete oder gar im Kellerregal vergammelte. Längst ist Kürbis spannender - mit Ingwer, Chili, Nelken, Muskat, Salbei, Koriander, Honig, Ahornsirup, Schlagsahne, Creme fraiche oder Joghurt. All das tut dem Kürbis gut, die Möglichkeiten kennen kaum Grenzen - so wie es insgesamt weltweit wohl 800 Kürbissorten gibt. Es gibt sie nicht alle bei uns zu kaufen - aber so an die 100 Sorten reichen ja auch.

Deutschlandweit nimmt der Anbau von Kürbissen rasant zu. 2009 wurden auf 10.000 Hektar Speise- und Zierkürbisse angebaut und 48.000 Tonnen geerntet. 2008 war es nur 38.000 Tonnen. Waren anfangs vor allem die gelben Riesen, die bezeichnenderweise "Gelber Zentner” heißen, zum Aushöhlen und Schnitzen für die traditionellen Halloween-Fratzen gefragt, so kaufen die Verbrauchen heute immer häufiger Esskürbisse. Unter denen sind vor allem der japanische Hokkaido, der aus Frankreich stammende Muskatkürbis und die Sorte Butternut beliebt, die ursprünglich aus Nord- und Lateinamerika kommt. Auch in Edelrestaurants hielt der einst Geschmähte Einzug, der Gourmet kann zwischen Kürbis-Tortellini, Kürbissuppe mit Garnelen und Kürbis-Muffins wählen.

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In Deutschlands größter Kürbisausstellung im brandenburgischen Klaistow werden über 100.000 Stück in 300 verschiedenen Sorten präsentiert.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Farben und Formen der Kürbisse faszinieren - sie sind kugelrund oder länglich, birnen- oder sternenförmig, gelb, orange, grün. Kein Wunder, dass derartige Gewächse auch die Kunst bereichern: So lässt sich der englische Porzellankünstler Daniel Reynolds von den Rubens-Formen der Kürbisse inspirieren. Er nimmt Abdrücke und stellt daraus Gussformen für Schalen und Vasen her.

Was der Kürbis nun eigentlich ist - Frucht oder Gemüse - darüber lässt sich trefflich streiten. Die Agrarwirtschaft findet einen Kompromiss und bezeichnet ihn oft als "Fruchtgemüse”. Für Botaniker ist er gar eine Beere. Am Ende ist es aber eine Geschmackssache - ebenso wie "Ragout mit Kürbis":

Zutaten (4 Personen):

600 g Rinderschmorfleisch
500 g festkochende Kartoffeln
1 Hokkaido-Kürbis (ca. 1 kg)
2 Möhren
2 große Zwiebeln
1-2 Chilischoten
1 Knoblauchzehe
1 Glas Rotwein
400 ml Gemüse- oder Rindsbouillon
3 EL Öl
2 EL Mehl
4 EL Schmand
2 Lorbeerblätter
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Petersilie

Zubereitung:

Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden und portionsweise in heißem Öl rundherum scharf anbraten.

Chilischote entkernen und fein hacken, Zwiebeln schälen und würfeln und zu dem Fleisch geben. Kurz mit durchrösten. Mehl darüber stäuben, mit Salz und Pfeffer würzen und nochmals alles durchrösten. Gehackte Knoblauchzehe und Lorbeerblätter zugeben, mit dem Wein und der Brühe auffüllen. Vorsichtig umrühren und aufkochen. Zugedeckt 45 bis 60 Minuten auf kleiner Flamme schmoren lassen.

Kürbis säubern, entkernen und das weiche Innere entfernen. In Spalten schneiden und diese würfeln. Möhren und Kartoffeln schälen und würfeln. Das gesamte Gemüse zum Fleisch geben, unterheben und alles zugedeckt etwa 20 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss Schmand unterrühren und gehackte Petersilie darüber streuen.

Viel Spaß beim Kochen und Gruseln wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de