Essen und Trinken

Frosch oder Prinz? Die Nase irrt nie

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Da weiß einer genau, wo er hinwill ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Wir glauben an die Liebe auf den ersten Blick. Dabei werden wir nur an der Nase herumgeführt. Doch das Mittel ist bewährt, und das Objekt unserer Begierde kann nicht widerstehen. Die Fliegen leider auch nicht.

Sie ist klein und zierlich, manchmal knubbelig, gebogen wie der Schnabel eines Adlers oder breit wie ein Fahrradsattel. Viele sind nicht zufrieden mit ihr, weshalb sie ein von Schönheitschirurgen bevorzugter Tummelplatz ist: die Nase. Als erster unserer Sinne entstand vor drei Millionen Jahren unser Geruchssinn, um das Überleben zu sichern: Gerüche sind eng an Emotionen gekoppelt, sie lösen pure Gefühle aus - zum Beispiel Angst und die entsprechende Sofortreaktion des Körpers: Die ganze Ur-Horde sprintet los und bringt sich vor dem Feind in Sicherheit. Gesichtet war er noch nicht - wohl aber gerochen.

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Das wird aber nur ein ganz mickriger Prinz! Wenn überhaupt...

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Duftreize beeinflussen drei zentrale Steuerungsorgane unseres Gefühlslebens: den Hypothalamus, die Hypophyse und das limbische System, das Emotionen, Gedächtnis und Begierde reguliert. So wichtig ist die Nase als Sitz des ältesten unserer Sinne - und so vernachlässigt! Irgendwie meint man immer, Sehen, Hören, Tasten und Schmecken sind wichtiger als Riechen. Dabei ist es die Nase, die in Sekunden meldet: Frosch oder Prinz, Prinzessin oder Kaltmamsell. Und das alles am Verstand vorbei. Nicht das Auge oder das Ohr entscheiden: Wenn Sie ihn oder sie im wahrsten Sinne des Wortes "nicht riechen können”, sollten Sie auf Ihren Bauch - sorry, Ihre Nase - hören.

Gerüchen und Düften können wir uns nicht entziehen. Ob Sie wollen oder nicht: Ihr Körper reagiert, entweder bekommen Sie Appetit zum Beispiel auf einen Espresso oder Sie beschleunigen die Schritte, um der Quelle des Übel-Geruchs zu entkommen. Je nachdem, ob Sie an einem Cafe oder einem Teerkocher vorbeikommen.

Das ganze Wunder des Riechens beginnt schon im Mutterleib. Schon zwei Tage alte Babys erkennen ihre Mutter an ihrem individuellen Geruch. Ethylvanillin heißt der Duft, der der mütterlichen Brust entströmt. Kein Wunder, dass Vanille ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit und die Erinnerung an glückliche Tage in uns hervorruft. Dieses "gefühlte Riechen” machen sich nicht zuletzt Parfümeure zu Nutzen.

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Parfümeure wissen, wie wir ihnen auf den Leim, besser: auf den Geruch gehen.

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Jeder unserer 21.500 Atemzüge pro Tag bringen eine Welle von Geruchsinformationen zu uns, die von 20 Millionen Riechzellen, die auf zwei Zentimeter Nasenschleimhaut sitzen, ohne Umwege ans Gehirn weitergeleitet werden. Es ist also "Liebe auf den ersten Duft”, wenn Sie sich zu einem Menschen unwiderstehlich hingezogen fühlen. Und wenn sich in diesem Duft auch noch eine Spur Vanille findet, sind Sie machtlos: Vanille gilt nämlich als aphrodisierend. Madame Pompadour pflegte ihre Wäsche damit zu parfümieren. Falls Sie das nachmachen wollen, seien Sie sparsam, sonst riechen Sie eher wie ein Pudding. Außerdem zieht der Duft nicht nur das Objekt Ihrer Begierde an, sondern auch die Fliegen …

Sei’s drum, auch wenn Sie nicht betören wollen - Vanille hebt in jedem Fall die Stimmung, zumal wenn Sie mit einer "Tahiti-Creme” aufwarten:

Zutaten (6 Personen):

1 Vanille-Schote
1 kleines Stück frischer Ingwer
400 ml Kokosmilch
¼ l Milch
1 kleine Dose Ananas in Stücken
1 Orange
1 Limette
1 EL Butter
6 EL Zucker
4 EL Speisestärke
etwas Öl

Zubereitung:

Ingwer schälen und in Scheibchen schneiden. Vanille-Schote der Länge nach aufschlitzen. Beide Gewürze mit der Milch zusammen bis zum Siedepunkt erhitzen. Den Topf vom Herd nehmen und zugedeckt eine Viertelstunde ziehen lassen.

Die Speisestärke mit 4 EL Zucker mischen und mit der Hälfte der Kokosmilch glatt rühren. In einem Topf langsam zum Kochen bringen und auf schwacher Hitze unter Rühren dicklich einkochen. Die Vanillemilch durch ein Sieb dazugeben und die restliche Kokosmilch einrühren. Alles auf kleiner Flamme erneut dicklich einkochen.

Die Vanille-Schote aus dem Sieb nehmen, das Mark herauskratzen und in die Creme rühren. 6 Portionsschälchen leicht einölen, die Creme einfüllen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank fest werden lassen.

Orange und Limette entsaften. Butter in einer Pfanne erhitzen, die Ananas (falls Sie Scheiben haben, müssen diese gewürfelt werden) darin anbraten. Den restlichen Zucker einstreuen und hellbraun karamellisieren lassen. Mit dem Orangensaft ablöschen und den Karamell auflösen. Den Limettensaft unterrühren.

Die Schälchen mit der Creme kurz in heißes Wasser tauchen und auf Tellerchen stürzen. Mit der lauwarmen Ananas-Karamellsauce umgießen und servieren.

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Mitunter stinkt's gewaltig. Da hilft nur Nase zu halten, ist aber keine wirkliche Lösung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viel Spaß und immer einen guten Riecher wünscht Ihnen Heidi Driesner

Quelle: ntv.de