Essen und Trinken

Kunst der Verführung Die Zeit vor Viagra

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Die Blütenstempel des Safrans werden als Gewürz verwendet.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Aztekischer Kakao, spanische Fliege, Stierhoden und Taubenblut – die Suche nach Möglichkeiten, die Libido zu steigern, ist so alt wie die Menschheit. So mancher Medikus gründete seinen "hervorragenden" Ruf auf gewisse Erfolge seiner Pülverchen und Tinkturen.

Hoch zufriedene Patienten glaubten, geriebene Fingernägel, Mäusedreck und Rindergalle hatten die Säfte in Wallung gebracht. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge … Doch diese schauderhaften Zutaten waren beileibe nicht die einzigen Bestandteile magischer Tränke, sondern Kräuter und Gewürze machten sie erst zu Aphrodisiaka (und überhaupt genießbar). Wenn Sie heutzutage Petersilie auf die Salzkartoffeln streuen, geschieht das in völliger Unschuld und nur für die Optik und nicht weil Sie glauben, Sie springen nach dem Verzehr vor Verlangen an die Decke. Bei unseren Vorfahren allerdings waren Petersilie und Safran, Zimt und Chili mehr Arzneien gegen Impotenz als Küchenzutaten für die Verdauung. Im Mittelalter zum Beispiel galt die harmlose Petersilie als liebestoll machendes "Hexenkraut"; in sogenannten Petersiliengassen warteten die Prostituierten auf Freier.

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Safran-Ernte ist beileibe keine Freizeitveranstaltung! Zur Gewinnung von einem Kilo Gewürz muss eine Fläche von 2000 Quadratmetern abgeerntet werden. (Foto: Ernte im Kaschmir nahe Srinagar).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Je ferner die Anbauländer desto höher schätzte man den erotischen Sprengsatz – und desto teurer war das Gewürz. 1393 kostete ein Pfund Muskatnüsse sieben fette Ochsen, ein Pfund Ingwer immerhin noch ein Schaf. Für zwei Pfund Muskatblüten musste der Gewürzhändler mit einer Kuh antraben. Safran aber war das wohl teuerste Gewürz: Ein Pfund Safranfäden hatten den Gegenwert von einem schweren Ackergaul!

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Zum Verwechseln ähnlich: Safrankrokus (essbar) und Herbstzeitlose (giftig).

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Schon im Altertum rühmte man den Safran wegen seiner aphrodisierenden Kräfte. Selbst Hippokrates, auf den heute noch die Ärzte nach dem Staatsexamen ihren Eid schwören, hatte Safran in seinem Medizinschränkchen zwecks Aufrichtung der Manneskraft. Fälschen oder Verschneiden von Safran wurde übrigens mit hohen Strafen geahndet.

Doch nicht nur in der Antike schummelten die Gewürzhändler - auch zu Zeiten von Raubkopien und Plagiaten wird gefälscht. Der Beiname "rotes Gold" zeigt heute noch, wie kostbar Safran ist: Für ein Kilogramm getrocknetes Safrangewürz müssen 150.000 Blüten der Safrankrokusse per Hand gepflückt werden und die Safranfäden herausgezupft werden.

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Safran ist seit Jahrhunderten weltweit eine begehrte Ingredienz und gilt als das teuerste Gewürz der Welt. Hier wird es in Hamburg geprüft.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Gefälscht wird heutzutage mit allem Möglichen: So wird das Gewürz mit Granatapfel-Blüten, rotem Sandelholz oder - so richtig schön eklig, nicht nur für Vegetarier  - mit geräucherten Fleischfasern gestreckt. Händler bedampfen Safran mit Öl, damit er schwerer wird und ihnen einen höheren Gewinn einbringt. Kauft man Safran hierzulande, kann man eigentlich sicher sein, denn bevor das Gewürz in den Handel kommt, wird es auf seine Reinheit überprüft. Auf dem orientalischen Basar im Ausland sollten Sie darauf achten: Das Pulver muss leuchtend rot sein und angenehm würzig riechen. Die Fäden sollten eine rot-braune Färbung haben und sich leicht fettig anfühlen.

Safran schmeckt leicht bitter und wird sehr sparsam verwendet. Die Speisen bekommen durch Safran eine intensiv sonnengelbe Farbe. Das machten und machen sich auch Bäcker zunutze: “Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen … Safran macht den Kuchen gehl (gelb)”.

Obwohl Plinius behauptete: “Safran bewirkt Schlaf, hat gelinde Wirkung auf den Kopf und reizt den Geschlechtstrieb”, ist “Safranreis” vollkommen harmlos. Probieren Sie es einfach aus: schlafen, denken oder lieben. Das eine schließt ja mitunter das andere nicht aus:

Zutaten (4 Personen):

350 g Basmatireis
2 rote Zwiebeln
1 Zimtstange (ca. 3 cm)
5 Kardamomkörner
2 Gewürznelken
2 Lorbeerblätter
½ TL Safranfäden
1 TL Salz
2 EL Butterschmalz (oder Ghee)
¾ l Gemüsebrühe

Zubereitung:

Den Reis waschen und gut abtropfen lassen. Den Safran mit 2 EL kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten weichen lassen. Zwiebeln möglichst fein hacken.

Butterschmalz in einem Topf erhitzen. Zimt, Nelken, Kardamom, Lorbeer und die Zwiebelwürfel kurz anbraten. Dann den Reis dazugeben und unter Rühren anbraten. Goldgelb dünsten - und nicht anbrennen lassen! Mit der Brühe aufgießen, Salz und den Safran mit dem Weichwasser dazugeben und bei geringer Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen. Dann dürfte die Flüssigkeit aufgesogen sein. Den Reis mit einer Gabel auflockern.

Schmeckt gut als Beilage zu Huhn, Lamm oder Fisch - und auch solo.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de