Essen und Trinken

Süßmäuler wollen öfters Die reine Lust

Noch ist's ja ziemlich kalt, doch die ersten Erdbeeren von heimischen Plantagen erreichen uns schon. Die meisten Deutschen haben die süßen Dinger zum Fressen gern - etwa 2,3 Kilogramm verputzt im Durchschnitt jeder Bundesbürger pro Jahr. Die kleinen Köstlichkeiten sind ausgesprochen gesund, sie haben einen höheren Vitamin-C-Gehalt als Orangen und Zitronen. Sie schmecken gezuckert und ungezuckert, einfach pur oder mit Sahne, Milch, Eis, Joghurt, Quark, in Bowlen, als Konfitüre und als Tortenbelag. Und mit frischem grünem Pfeffer! Klingt verrückt, schmeckt aber himmlisch.

Erdbeeren machen Lust auf mehr (natürlich auch auf mehr Erdbeeren), aber sie sollen auch einen positiven Effekt aufs Liebesleben haben. "Schuld" daran ist das Zink, das in den kleinen Körnchen steckt. Die sind übrigens die eigentlichen Früchte, die auf einer Scheinfrucht sitzen. Der hohe Gehalt an Zink beschleunigt die Produktion des Testosterons und macht daher schneller Lust auf Sex. In Studien konnte außerdem nachgewiesen werden, dass Zink sehr wichtig ist für die Anzahl der Spermien.

Wer auf "Nummer sicher" gehen will, sollte vielleicht einmal Erdbeeren mit Schokolade und Chili ausprobieren: Zartbitterschokolade im Wasserbad schmelzen, mit einer Prise Chili verrühren, frische Erdbeeren zur Hälfte eintauchen. Trocknen lassen und nachts servieren? Das ist sozusagen die geballte Macht der Aphrodisiaka: Kakao, Chili und Erdbeeren. Wem das nicht auf die Sprünge hilft, sollte sich ein anderes Steckenpferd suchen!

In der christlichen Mythologie allerdings sind Erdbeeren alles andere als ein Aphrodisiakum. Sie sind nämlich Maria geweiht und ein Symbol der Keuschheit. Erdbeeren machen schlank, sagen die Figurbewussten. Stimmt auch. Die Erdbeere besteht immerhin zu 90 Prozent aus Wasser. Merke: Erdbeeren verbreiten gute Stimmung (s. o.), die Hüften aber verbreitern sie nicht.

Sahne ist der beste Partner der Erdbeere (leider), Milch der zweitbeste. Wer das aus (verständlichen) Gründen ablehnt, sollte einmal Erdbeeren mit ein wenig Apfelsinensaft und an Würfelzucker abgeriebener Schale einer unbehandelten Apfelsine probieren.

Schon in der Antike kannte man die Erdbeeren als "frega" oder "fregum". Im Mittelalter wurden auf großen Flächen die sehr aromatischen kleinen Walderdbeeren kultiviert. Die Stammart unserer heutigen großfruchtigen Erdbeeren entstand durch Kreuzungen verschiedener Wildsorten vor dem 19. Jahrhundert. Das "Universal-Lexikon der Kochkunst" von 1881 preist die Erdbeere auch als "Heilmittel bei Fieber, Gicht, Harn- und Hämorrhoidalleiden, chronischen Verstopfungen und Hypochondrie". Ich würde mich aber nicht allzu sehr darauf verlassen!

Erdbeeren müssen zart behandelt werden, sie sind recht empfindlich. Beim Einkauf auch auf die Kelchblätter achten: Sind sie frisch und grün, sind auch die Früchte frisch. Die Beeren vor dem Verzehr nur kurz mit kaltem Wasser abbrausen. Erst nach dem Waschen Stiel und Blättchen entfernen, damit Saft und Aroma nicht verloren gehen. Erst kurz vor dem Servieren die Erdbeeren zuckern. Lässt man sie zu lange mit dem Zucker stehen, werden sie weich und geben zu viel Saft ab.

Und weil Erdbeeren natürlich nicht nur etwas für große Süßmäuler, sondern auch was für kleine Leckermäuler (heute ist Kindertag!) sind, hier eine Art "Erdbeermüsli", das meine Verwandten im Sachsenlande gerne essen: "Chemnitzer Erdbeerschmand":

Zutaten:

1 kg frische Erdbeeren
1 l Milch oder ½ l Sahne
10 - 15 Zwiebäcke
Zucker nach Bedarf

Zubereitung:

Die gesäuberten und entstielten Erdbeeren mit einer Gabel zerdrücken. Nicht im Mixer pürieren, das wird zu matschig. Nach Bedarf Zucker unterrühren und nur kurze Zeit Saft ziehen lassen.

Dann unter Rühren die sehr gut gekühlte Milch oder Sahne zugeben. Die Zwiebäcke in Stücke brechen, darüber streuen und sofort verzehren. Nicht mehr stehen lassen, sonst werden die Zwieback-Stückchen weich. Sie müssen aber noch knackig sein.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de