Essen und Trinken

Wider die Hysterie Ehrliche Hähne

Immer wieder Hiobsbotschaften und Meldungen über betrügerische Fleischproduzenten, -händler und -verarbeiter. Es gibt doch Kontrollen und Gütesiegel! Jedenfalls hierzulande. Und irgendwie möchte man an deren Verlässlichkeit glauben. Doch der neueste Fleischskandal klärt uns Verbraucher darüber auf, dass es auch in Deutschland genügend Lücken im Gesetz und noch viel mehr windige Mitbürger gibt, die diese zu ihrem Nutzen und zum Schaden unserer Gesundheit ausnutzen.

Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch, sieht im jüngsten Fleischskandal "nur die Spitze des Eisbergs". Auf NDR Info sagte er, die Versuchung zu schwindeln, zu panschen und zu pfuschen sei beim Handel mit Fleisch ziemlich groß, weil ökonomische Vorteile lockten und das Strafrisiko sehr gering sei.

Noch ist nicht absehbar, wie der Markt auf die Skandale um falsch deklariertes Geflügelfleisch und um vergammeltes Geflügel reagieren wird. Jahr für Jahr wird in Deutschland rund eine Million Tonnen Geflügelfleisch produziert. Hinzu kommen noch einmal etwa 250.000 Tonnen importiertes Geflügel. Jeder Deutsche hat im vergangenen Jahr durchschnittlich 17,8 Kilogramm davon gegessen.

Auch immer neue Meldungen über die Vogelgrippe verunsichern die Menschen. Doch die Gefahr einer Übertragung der Vogelgrippe durch den Verzehr von "gut gekochtem" Geflügel schließt die Weltgesundheitsorganisation aus. (Halbgares Geflügelfleisch verbietet sich schon wegen der Salmonellengefahr von selbst.) Selbst der Genuss von rohen oder gekochten Eiern sei ungefährlich, so die WHO, solange die Verbraucher die üblichen Hygienemaßnahmen einhalten.

Wer auf Geflügelfleisch verzichtet, verzichtet auf Gaumenfreude und kulinarischen Genuss. Das Fleisch ist sehr vielseitig einsetzbar und fester Bestandteil einer stilvollen Küche. Für mich gibt es keinen Grund, auf die Vorteile von Geflügelfleisch zu verzichten. Allerdings kaufe ich mein Geflügel heute mehr denn je frisch auf dem Markt und meide die eingefrorenen "Gummi-Hähne"!

Deshalb heute aus aktuellem Anlass und zur Unterstützung ehrlicher Geflügelzüchter ein schön durchgeschmortes "Coc au vin":

Zutaten

1 frisches Masthähnchen oder 1 Poularde
100 g durchwachsenen Speck
1 Bund Frühlingszwiebeln (oder 1 große Zwiebel)
1 Stange Porree
1 große Möhre
1 Stängel Bleichsellerie
200 g frische Champignons (möglichst kleine, noch geschlossene)
3 Zehen Knoblauch
5 Zweige grobgezahnte Petersilie
1 Zweig frischen Thymian (oder ½ TL getrockneten)
1 Lorbeerblatt
2 Stück Hühnerleber
etwas Butter
20 cl Weinbrand
1 Flasche Rotwein (nicht zu geizig sein: Die Güte des Weins entscheidet über die Güte des Essens!)
Salz (wenn möglich Meersalz), Pfeffer aus der Mühle, etwas Mehl, gehackte Petersilie

Zubereitung

Das küchenfertige Hühnchen in grobe Stücke zerteilen. Dabei die Knochen durchhacken, das ist gut für den Geschmack. Mit Salz und Pfeffer einreiben und in wenig Butter in einem großen Topf goldbraun anbraten. Den Speck würfeln und mitbraten.

Frühlingszwiebeln, Bleichsellerie, Möhren und Porree in grobe Stücke schneiden und zum Fleisch geben. Den Knoblauch pressen und mit den Gewürzen (Petersilie, Thymian, Lorbeer) dazugeben und mit dem Rotwein auffüllen. Alles bei Mittelhitze etwa 40 Minuten dünsten lassen.

Dann das Fleisch und das Gemüse herausnehmen. Die Sauce durch ein Sieb gießen. Fleisch wieder in die Sauce geben, die geputzten Champignons dazugeben und nochmals kurz köcheln lassen.

Die Leber recht fein hacken (oder zerdrücken), mit ca. 1 EL Mehl und dem Weinbrand verrühren und damit die Sauce binden. Nochmals aufkochen lassen und mit der gehackten Petersilie bestreuen.

Dazu schmeckt eigentlich fast alles: Reis oder Bandnudeln, gedämpfte Kartoffeln oder Kartoffelpüree. Ich persönlich bevorzuge Baguette und einen schönen schweren Rotwein.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner

Quelle: ntv.de