Essen und Trinken

Kann denn Liebe Sünde sein? Eine heiße Sache

Aller Laster Anfang soll dem Sprichwort zufolge Müßiggang sein. Wenn Sie dagegen Ihre Koffeinabhängigkeit bereits für ein Laster halten, kann ich Sie beruhigen: Weit gefehlt! Nach neuesten Erkenntnissen soll Kaffe in Maßen (nicht in Massen) sogar förderlich für die Gesundheit sein: Bei drei Tassen täglich soll man fünf Mal seltener an Parkinson erkranken. Drei bis vier Tassen halbieren die Gefahr, an Leberkrebs zu erkranken. Männer reduzieren bei mehr als sechs Tassen Kaffee pro Tag das Risiko, an Diabetes Typ II (Altersdiabetes) zu erkranken, um 50 Prozent, Frauen um nahezu 30 Prozent. Das haben Wissenschaftler der Harvard Medica School in Boston, der University of Minnesota u. a. Einrichtungen herausgefunden. Na, wenn das keine gute Nachricht ist! (Allerdings frage ich mich manchmal, wer hinter derartigen Studien steht. In diesem Falle die Kaffee-Lobby?)

"Ei, wie schmeckt der Kaffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Kaffee, Kaffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Kaffee ein!"

Das trällerte Lieschen in Bachs Kantate schon 1734. Und so lange leben wir nun schon mit dem schlechten Gewissen, von dem Genussmittel Kaffee zu viel zu trinken und unserem Körper Schlechtes anzutun! Kaffee trocknet den Körper aus, hieß es, das Herz leidet, der Magen reagiert sauer. Damit soll endlich Schluss sein. Selbst Weight Watchers rechnet nun den Kaffee zur getrunkenen Flüssigkeitsmenge hinzu statt ab. Wahr ist, dass Kaffee harntreibend wirkt. Der Kaffeetrinker verliert nach dem Genuss mehr Flüssigkeit, als er mit dem Kaffee aufgenommen hat. Deshalb bekommt man in "anständigen" Kaffeehäusern zum Kaffee immer ein Glas Wasser dazu.

Laut besagter Studien steigt – zumindest bei gesunden Genießern – durch Kaffee das Risiko für Herzprobleme nicht an. Studien der Uni Athen besagen allerdings das Gegenteil... Gesichert ist die anregende Wirkung für den Kreislauf. Der "Muselmanentrank" macht dem niedrigen Blutdruck am Morgen Beine – der Herzschlag steigt, die Atmung wird beschleunigt. Bei hohem Blutdruck sollte man also doch lieber aufpassen!

Kaffee macht munter, denn er blockiert das Nukleosid Adenosin im Gehirn, das uns müde macht. Die Gehirndurchblutung wird gesteigert – wir können uns besser konzentrieren und sind leistungsfähiger. Die anregende Wirkung setzt nach etwa 20 Minuten ein und hält etwa 4 Stunden an. Das ist allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Kaffeetrinker haben seltener Asthma, Heuschnupfen, Karies oder Gallensteine. Er steigert mit seinen Null Kalorien durch die Anregung des Stoffwechsels den Kalorienverbrauch. Man kann nach einem opulenten Mahl also getrost zum Espresso statt zum Verdauungsschnaps greifen.

Bei Menschen mit empfindlichem Magen ist das schwarze Gesöff wegen seiner vermeintlich reizenden Wirkung in Verruf geraten. Der schlimmste Feind des Reizmagens ist übrigens der Filterkaffee. Denn durch den langen Tröpfelvorgang wird mehr Chlorogensäure gelöst als bei der sekundenschnellen Zubereitung von Espresso durch Wasserdampf. Dieser Reizstoff ist nämlich der Übeltäter, nicht das Koffein, wie manche fälschlicherweise meinen. Koffeinfreier Kaffee soll sogar die Magensäureproduktion stärker anregen als koffeinhaltiger Kaffee. Auch bei der Verwendung von Kaffee-Pads in den entsprechenden Maschinen wird ein säureärmerer und daher bekömmlicherer Kaffee hergestellt.

Jeder Deutsche trinkt pro Jahr etwa 160 Liter Kaffee - noch vor dem Bier steht Kaffee als Volksgetränk an erster Stelle. Kaffee streichelt die Seele, denn er hellt Verstimmungen auf, auch wenn Wilhelm Busch bekanntermaßen dichtete: "Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör!". "Een Dässchen Heeßer" tut's vielleicht auch. Damit wären wir wieder bei Johann Sebastian Bach (1685-1750), denn über zwei Jahrzehnte lang besuchte der Komponist und Thomaskantor zwei Mal pro Woche das Zimmermannsche Kaffeehaus in der Leipziger Katharinenstraße. Seine Kaffeekantate gilt als Höhepunkt der sächsischen Kaffeehausmusik des 18. Jahrhunderts. Das Zimmermannsche Kaffeehaus ist leider nicht mehr erhalten, dafür steht in Leipzig aber das weltweit älteste erhaltene Kaffeehaus: "Zum arabischen Coffee-Baum" wurde um 1500 erbaut, aber erst 1694 gegründet. Ab 1718 durfte der kurfürstlich-sächsische Hofchocoladier das erste Mal Kaffee ausschenken. Der "Kaffeebaum", wie das Haus kurz genannt wird, war das Stammlokal berühmter Persönlichkeiten. Goethe, Lessing, Liszt, Wagner, Schumann, Gellert und Napoleon saßen schon dort.

Feierliche Wiedereröffnung war im November 1998. Seitdem gibt es wieder ein Café und ein Restaurant. In der 3. Etage lässt das "Museum zum Arabischen Coffe Baum" die 300-jährige Kaffee-Kulturgeschichte wieder aufleben. Einem alten türkischen Gesetz zufolge galt es übrigens als ein triftiger Scheidungsgrund, wenn der Ehemann der Gattin den Kaffee verweigerte.

Schwarz wie die Nacht, heiß wie die Liebe und so süß oder bitter wie das Leben soll ein guter Kaffee sein. Brühen Sie ihn genau so – aber trinken Sie ihn nicht, sondern zaubern daraus "Crème Brûlée mit Kaffee", eine verführerische Leckerei:

Zutaten (für 4 Portionen):
100 ml Kaffee (frisch und nicht zu schwach gebrüht)
150 g Sahne
150 ml Milch
50 g Zucker
2 Eier
2 Eigelb
1 EL Butter
4 El brauner Rohrzucker

Zubereitung:
Die Sahne mit der Milch, Kaffee und Zucker vermischen und kurz aufkochen. Vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen. Eier und Eigelbe verquirlen und dann in die Sahne-Kaffee-Mischung einrühren.

Vier feuerfeste Förmchen leicht buttern und die Creme hineingeben. Im Wasserbad eine gute halbe Stunde in dem auf 180 Grad vorgeheizten Ofen stocken lassen. Die Förmchen herausnehmen, abkühlen lassen und kalt stellen. Die Creme muss sehr gut durchgekühlt sein, sonst besteht die Gefahr, dass sie sich beim Karamellisieren wieder verflüssigt.

Den brauen Zucker (je Portion 1 EL) erst kurz vor dem Karamellisieren auf die Creme streuen. Mit dem Gourmetbrenner oder auch einem Bunsenbrenner den Zucker karamellisieren. Geht auch 1 bis 2 Minuten unter einem heißen Grill. Sofort servieren.

Übrigens: Dass man Kaffee durchaus mehrmals mehrere Stunden lang kochen kann, erfahren Sie im n-tv.de Kochbüchlein "Schuss in den Ofen".

Quelle: ntv.de