Essen und Trinken

Kalte Füße bekommen? Eislaufen und Essen

Die traditionelle Berliner Küche ist deftig und rustikal, Raffinessen und Extravaganzen sind ihr fremd - und so hat sie es nie zu Weltruhm gebracht. Mit der häufigen Verwendung von zerkleinertem und gepökeltem Fleisch hat sie sich sogar den verächtlichen Beinamen "Küche la Berlinoise" eingehandelt. Berliner Küche - das ist für den Zugereisten vor allem die Currywurst gleich da vorn an der Bude, die Weiße mit Schuss und der Pfannkuchen, von Nicht-Berlinern natürlich "Berliner" genannt.

Zum Glück haben es aber Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree, Löffelerbsen, Kasseler Rippenspeer, Hecht grün sowie saure Gurken bis in die Kochbücher geschafft. Die Portionen sind reichhaltig - frei nach dem Motto: "Lieba wat jutet, aber dafür een bisken mehr!" Das gilt auch heute noch in jeder "anständigen" Berliner Destille. Will man ein Eisbein einigermaßen ohne Reue genießen und nicht schon beim Anblick den Mut verlieren, sollte man sich schon beim Bestellen beim Kellner nach der Dimension des Fleischberges erkundigen - und gegebenenfalls ein Eisbein mit zwei Tellern ordern. Oder gleich ein "Damen-Eisbein". Denn Eisbein light gibt es nicht. Man muss schon zu seinen Lastern stehen!

Warum das Eisbein Eisbein heißt, weiß wohl niemand so richtig. Als Kind dachte ich immer, Eisbein hat etwas mit kalten Füßen zu tun. Ist ja auch wahrlich nicht so falsch gedacht. Bei der gegenwärtigen Kälte in Berlin dürfte man "janz scheene Eisbeene kriejen". Außerdem ist Eisbein ein ausgesprochenes Gericht für die kalte Jahreszeit. Oder will wirklich jemand die Kalorienbombe bei 30 Grad Celsius im Schatten "genießen"?

Aus den Röhrenknochen der Schweine-Beine schnitzten sich unsere Vorfahren Kufen, bohrten Löcher hinein und befestigten sie sich mit Sehnen an den Füßen. So kamen sie auf vereisten Flächen besser voran. Geboren war der Schlittschuh. Noch heute heißen Schlittschuhe auf Schwedisch "isläggor" und auf Norwegisch "islegg": Eisbein.

Auch ein "zum Eislaufen geeigneter Knochen" kann durchaus gesellschaftsfähig sein. Der Aufwand ist nur geringfügig höher und man benötigt einen Römertopf für "Eisbein im Römertopf":

Zutaten:

2 Eisbeine
400 g geschnittenen Weißkohl
100 g durchwachsenen Räucherspeck (sollte recht mager sein)
100 g Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 bis 2 Esslöffel Essig (5-6 %)
Salz, Pfeffer, gemahlener Kümmel

Zubereitung:

Den gesäuberten Weißkohl achteln, vom Strunk befreien und in Streifen schneiden. Die geschälten Zwiebeln halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Alles miteinander vermengen, salzen und eine halbe Stunde ziehen lassen.

Knoblauchzehen in der Presse zerdrücken. Räucherspeck klein würfeln. Das gesäuberte Fleisch ca. 30 Minuten vor dem Braten salzen und leicht pfeffern. Den Römertopf etwa eine Viertelstunde in kaltem Wasser wässern.

Aus dem eingesalzenen Weißkraut den Saft gut ausdrücken. Nicht zu zaghaft drücken - bleibt zuviel Flüssigkeit in dem Kohl, wird das Gericht zu suppig. Das ausgedrückte Kraut mit den Speckwürfeln vermengen. Knoblauch, Kümmel und Essig dazugeben und alles gut mischen.

In den gewässerten Römertopf zuerst das Kraut geben und darauf die 2 Eisbeine legen. Deckel drauf und ab in den Ofen. Den Herd wie vom Römertopf-Hersteller empfohlen schrittweise hochfahren. Das Gericht in der Röhre gut 2 Stunden garen. Vor dem Auftragen die Knochen aus den Eisbeinen entfernen, das Fleisch portionieren, wieder auf den Kohl legen und alles im Römertopf auf den Tisch bringen. Dazu schmecken am besten kräftiges Graubrot und Bier. "Stulle, Korn und Molle", würde der Berliner sagen.

Tipp: Die 2 Eisbeine reichen für 4 Personen. Man kann auch 4 Kniebeine verwenden, sie sind weniger fett, haben aber auch wesentlich weniger Fleisch.

Viel Spaß und Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de