Unterhaltung
Donnerstag, 11. Februar 2010

Kugelrund und ungesund: Frau Krapf hat was zu bieten

Das ist natürlich nicht Frau Krapf, aber auch sehr ansehnlich.
Das ist natürlich nicht Frau Krapf, aber auch sehr ansehnlich.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Alle kennen das Märchen von Frau Holle, aber niemand glaubt wirklich, dass sie die Betten ausschütteln muss, damit es schneit. Na gut, höchstens die ganz Kleinen unter uns. Etliche von den Großen unter uns glauben dafür an Frau Krapf.

Es gehört zu den unausrottbaren Mythen, dass eine Wiener Bäckerin namens Cäcilia (oder Cäcilie) Krapf im 17. Jahrhundert die Krapfen erfunden hat - und zwar bei einem Ehestreit: Aus Ärger soll die temperamentvolle Frau ein Stück Germteig (Hefeteig) nach dem holden Gatten geworfen haben. Der aber duckte sich und - plumps - fiel der Teig in den Topf mit dem siedenden Fett: Der “Krapfen” war geboren. Andere Quellen berichten, nicht der Gatte war der Stein des Anstoßes, sondern der faule Lehrling, allerdings mit dem gleichen Kuchenbäckerergebnis. Als dritte Variante wird als Wiege der Krapfen eine echte “Innovation” der Frau Cilli genannt, nicht ein zufällig glücklich landender fliegender Teigfetzen. Auch die Zeitangaben gehören ganz offensichtlich ins Reich der Märchen. Sie reichen von “um 1500” über 1615, 1690 bis “Beginn des 19. Jahrhunderts”. So alt kann auch eine Wiener Hofratsköchin nicht werden, vor allem nicht nach dem Dauergenuss von Krapfen!

Überliefert ist allerdings, dass die süßen Ballen beim Wiener Kongress anno 1815 reißenden Absatz fanden. In jenem Jahr wurden bei Empfängen und Hofbällen in Wien zehn Millionen “Cilli-Kugeln” verschlungen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die berühmte Frau Krapf hat ganz sicher nicht den Krapfen erfunden, sondern nur wiederentdeckt. Aber das ist ja auch ganz schön verdienstvoll. Schon in der “Köchordnung” vom 8. Juni 1486 der Stadt Wien wurden die “Krapffenpacherinnen” erwähnt. Die Wurzeln des beliebten Gebäcks dürften noch viel weiter, nämlich bis ins antike Rom, zurückreichen. Die römischen “Globuli” um 140 v. Chr. sollen mit Honig bestrichen und mit Mohn bestreut gewesen sein. Dem Gebäck wurde ein Liebeszauber angedichtet und es wurde bei Frühlings-Bacchanalien in rauen Mengen verschlungen.

Auch den Namen verdanken die Küchlein nicht Frau Krapf, wie oft behauptet wird. Bereits zur Zeit von Karl dem Großen herum gab es ein Schmalzgebäck, das den Namen “crapho” trug, was so viel wie Haken oder Kralle hieß. Die Vorläufer unserer Krapfen waren offenbar nicht kugelrund, sondern gebogen. Auch Füllungen hatten sie keine, das war vielleicht wirklich eine Erfindung von Frau Krapf.

Der Krapfen kennt keine Parteien.
Der Krapfen kennt keine Parteien.(Foto: picture-alliance / dpa)

Auch darüber streiten sich noch heute die Kochgelehrten: Was kommt rein in den Krapfen, worin wird er gebacken und was klebt drum herum? Rote (Erdbeer-) Marmelade oder gelbe (Marillen-) Marmelade oder Pflaumenmus? Butter- oder Schweineschmalz? Zuckerguss, Puderzucker oder Kristallzucker? Geklärt sein dürfte die Art des Füllens. Dass der Krapfen erst nach dem Ausbacken seine Füllung “gespritzt” bekommt, ist lediglich der Massenproduktion geschuldet. Der Handwerker am heimischen Herd fügt den Krapfen aus zwei Hälften zusammen, in der Mitte die Füllung platziert. Die “gespritzten” Krapfen haben übrigens diese berühmt-berüchtigten Löcher, die nicht selten Anlass zu ausgiebigem Ärger geben, egal, ob Sie das Loch auf sich oder Ihr Gegenüber gerichtet haben …

In früheren Zeiten dienten die kalorienreichen Schmalzstücke auch dazu, sich vor der 40tägigen Fastenzeit noch mal so richtig den Bauch vollzuschlagen. Heute schafft sich der vorausschauende Narr mit Krapfen eine handfeste Grundlage, um das närrische Treiben zu überstehen: Fetthaltige Gerichte bleiben länger im Magen und verzögern damit die Alkoholaufnahme im Blut.

Allerdings sollte der kluge Narr auch folgende Rechnung aufmachen: Ein Krapfen hat 330 bis 400 Kilokalorien, das legt sich ziemlich schwer auf die Hüften. Ein Standard-Krapfen macht allerdings keine Probleme mehr nach
- einer halben Stunde joggen,
- einer Dreiviertelstunde Dauertanz,
- 50 Minuten flotter Fahrradfahrt oder
- einer Stunde heißem Sex.

Wählen Sie selbst, was Ihnen nach einem echten "Faschingskrapfen” am meisten Spaß macht:

Zutaten (ca. 25 Stück):

500 g Mehl
30 g Hefe
100 g zerlassene Butter
100 g Zucker
1 Pä Vanillezucker
3 ganze Eier
3 Eigelb
¼ l saure Sahne
1 EL geriebene Zitronenschale
2 EL Rum
1 Prise Salz
Marmelade zum Füllen
Kokosfett oder Butterschmalz zum Ausbacken
Zuckerglasur, Puderzucker oder Kristallzucker

Zubereitung:

Die Milch erwärmen, die Hefe hineinbröckeln und mit 1 Teelöffel Zucker verrühren. Etwas Mehl darüber streuen und an einem warmen Ort zugedeckt eine Viertelstunde gehen lassen.

Das Mehl in eine Rührschüssel sieben, die flüssige Butter, Zucker, Vanillezucker, Eier und Eigelbe, die lauwarme Sahne, eine Prise Salz und den Rum sowie das Hefestück dazugeben und alles zu einem glatten Teig verarbeiten. Zugedeckt an einem warmen Ort zu doppelter Größe aufgehen lassen (ein bis zwei Stunden).

Dann den Teig nochmals gut durchkneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 1 cm dick ausrollen. Mit einem Ausstecher (etwa 6 cm Durchmesser) runde Scheiben ausstechen. Die Hälfte davon mit je 1 Kaffeelöffel Marmelade belegen. Die Ränder mit wenig lauwarmer Milch bestreichen, je einen Teigdeckel darauf legen und mit den Fingerspitzen gut andrücken. Die Krapfen nun nochmals eine halbe Stunde zugedeckt ruhen lassen.

Dann die Krapfen mit der nach oben gelegenen Seite nach unten in reichlich heißes Ausbackfett geben und 2 bis 3 Minuten zugedeckt backen. Krapfen wenden und etwa 3 Minuten ohne Deckel fertig backen. Mit einer Lochkelle  aus dem Fett nehmen und auf Küchenkrepp gut abtropfen lassen. Mit Staubzucker bestreuen, in Kristallzucker wälzen oder glasieren.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner. Und kommen Sie gut durchs närrische Treiben!

Man beachte die heimtückischen Spritzlöcher!
Man beachte die heimtückischen Spritzlöcher!(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Quelle: n-tv.de