Essen und Trinken

"Neues" aus dem Land der Bibel Freek für Freaks

"Freekeh" steht auf der Packung, "stolz produziert für Palästina" von Al Nasser. "Das kennen Sie nicht?" fragt erstaunt der Basarhändler am Damaskustor in Jerusalem. Doch selbst im Land der Bibel kann man nach vielen Jahren immer noch Uraltes entdecken.

Eine Recherche im Internet ergab, dass dieser "grüne Weizen" uralt ist - seit 9000 Jahren soll er im Nahen Osten verbreitet sein. Andere Quellen besagen, dass das Getreide um 2300 v. Chr. erstmals erwähnt wurde, also zur Zeit des Erzvaters Abraham - wann immer der gelebt hat, falls es ihn überhaupt gab.

Wiederum an anderen Stellen heißt es, dass Freekeh, auch Frik, Freek oder Frique geschrieben, von den Bewohnern einer belagerten Stadt "erfunden" worden sei: Sie hatten Hunger, und der Weizen war noch nicht reif. Sie rupften die grünen Ähren aus dem Boden und zündeten den Haufen an. Das Stroh und die Spreu verbrannten. Übrig blieben die grünen feuchten Körner, schön geräuchert und vermischt mit den Steinchen vom Felde.

"Sie haben aber Glück, dass Sie hier am königlichen Hof speisen, sonst hätten Sie sich beim Essen ein paar Zähne zerbrochen", lachte eine jordanische Prinzessin, als der australische Geschäftsmann Tony Lutfi nach dem "Reis mit Nussgeschmack" fragte, den man ihm vorgesetzt hatte. Die leckere Speise inspirierte ihn, in Australien "steinchenfreies Freekeh" zu produzieren. Er ließ sogar den Namen der nahöstlichen Speise aus biblischer Zeit urheberrechtlich schützen. (Findige Blogger im Internet fragen, ob man auch "Saubohnen" beim Patentamt anmelden könne ?)

Im Internet erfuhren wir auch, dass Freekeh unendlich viel gesünder ist als Naturreis oder Vollkornmehl, weil dieser "grüne Weizen" ein Vielfaches an Mineralien enthält, auf die Ökofreaks so viel Wert legen: Kalzium, Magnesium und andere Stoffe.

Ein Kilo-Paket "Freekeh" aus Australien können besagte Freaks im Internet für "nur" 12 Dollar bestellen, während wir hier am Damaskustor in Jerusalem neben Freekeh ("ohne Verunreinigungen und stolz für Palästina" produziert) für den gleichen Preis noch ein halbes Kilo Walnüsse, ein frisches Hühnchen, ein Kilo Vollkornmehl und andere Zutaten für die Verarbeitung des biblischen Getreides erstehen.

Das Wundergetreide, das einst hungrige Kriegsopfer erfunden haben, als sie verfrüht ihr unreifes Getreide ernteten, ließ unsere palästinensisch-christliche Putzfrau aus Bethlehem in Entzücken ausbrechen: "Am besten ist Freekeh, wenn du ein Hühnchen damit einreibst und auf den Holzkohlengrill legst."

Ebenfalls im Internet entdeckten wir ein "volksrevolutionäres" Freekeh-Salatrezept, das dem klassischen kapitalistischen Tabouleh Konkurrenz machen will:

Zubereitung:

Man weiche eine Tasse Freekeh in heißem Wasser ein. Derweil schnibbele man eine (libanesische) Gurke (im Unterschied zur holländischen ist sie kleiner, krummer und grüner), Tomate, Pfefferminzblätter, Petersilie, Frühlingszwiebeln und gebe in die Schüssel zermatschten Knoblauch, Saft einer halben Zitrone, Olivenöl, Salz und Pfeffer (falls die Kaffeemühle kaputt ist, könne man den auch im Mörser frisch zerstampfen). Alles mit dem abgetropften Freekeh vermischen und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Klingt gut, soll sehr gesund sein und sollte auch schmecken.

Wir haben es uns bei Steak, Basmati-Reis (halbe-halbe gekocht mit Freekeh, schmeckt vorzüglich) und Freekeh-Walnussbrot gemütlich gemacht. Während ich das Mahl fotografierte, hat mein Hund Mefisto hat den halben Laib Freekeh-Brot geklaut und aufgefressen. Das ist gewiss ein Gütezeichen für meine Kochkünste, denn Mefisto ist Feinschmecker. Leider habe ich ihn nicht mit der Kamera bei dem Diebstahl erwischt.

Freekeh- und Walnuss-Brot

Zutaten:

15 g frische Hefe
15 ml Honig
200 ml lauwarmes Wasser
75 g gehackte Walnüsse
30 ml Walnuss-Öl
100 g Freekeh
300 g Vollkornmehl
5 g Salz

Zubereitung:

Freekeh 30 Minuten in heißem Wasser einweichen, durchs Sieb gießen und gut auf einem Geschirrtuch trocknen. Hefe mit Honig und lauwarmem Wasser aufgehen lassen. In 180 Grad heißem Ofen die Walnüsse anrösten (Vorsicht, nicht schwarz werden lassen!)

Mehl, Freekeh, Salz, Walnüsse und in einer großen Schüssel vermengen. Öl und aufgelöste Hefe hinzugeben und zu einem weichen Teig verarbeiten. 10 Minuten lang kneten. Zudecken und aufgehen lassen. Im vorgeheizten Ofen in einer Brotform bei 200 Grad etwa 35 Minuten lang backen.

Viel Spaß wünscht Ulrich W. Sahm aus Jerusalem

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema