Essen und Trinken

Zweites Standbein Fürs Sweetheart

Wer kennt sie nicht, die "Familienfest(e) und andere Schwierigkeiten", bei denen man sich gelegentlich fragt, wozu das alles gut sein soll?

Wir sind geradezu Zwerge gegenüber den Amerikanern - geografisch gesehen, what else! Größere Familienfeste bedürfen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einer Menge organisatorischer und logistischer Meisterleistungen. Unsereins setzt sich in die Bahn, dusselt mit einem Krimi in der Hand vor sich hin und kommt auch in absehbarer Zeit bei Mama und Papa an, falls nicht drei Schneeflocken auf den Schienen liegen (medial auch gern "Schneechaos" genannt), die Lokführer nicht streiken oder die DB nicht anderweitig mit sich selbst beschäftigt ist. (Ob Mehdorn eigentlich noch Bahn fährt?)

Für solch wahnsinnig lange Strecken wie Berlin Hamburg, Berlin München oder Berlin Frankfurt (am Main, versteht sich) nimmt man gern auch mal das Flugzeug. Vor allem, wen man ein Management betreibt. Will man von Berlin nach Kleinkleckersdorf im Brandenburgischen, nimmt man besser das Auto. Auch, wenn die Strecke nicht länger als 50 Kilometer ist, denn dort fahren keine Züge. Schon lange nicht mehr. Und der letzte Bus von zwei oder drei am Tag fährt um 16.00 Uhr. Am Wochenende gar nicht. Damit will ich nicht gesagt haben, dass Brandenburg besonders minderbemittelt ist; das Problem ist auch in Hessen und Niedersachsen nicht unbekannt.

Wie gesagt, in Amerika ist alles anders, was vermutlich (nicht) nur an den riesenhaften Ausdehnungen liegt. Dort sind auch die Familien wesentlich größer, zumal sich garantiert in jeder zweiten Familie Einwanderer mit italienischen, chinesischen, russischen, deutschen, schwedischen ... Wurzeln befinden. Genau betrachtet ist irgendwie jeder US-Bürger "Einwanderer", wenn man von den übriggelassenen Indianern mal absieht.

Vermutlich deshalb ist die amerikanische Küche so bunt gewürfelt. Und es ist auch nicht immer einfach und stimmig, wenn sich die aus allen Himmelsrichtungen angereiste Familie um den Tisch versammelt. Es gibt wundervolle Filme und Bücher darüber, wie sich bei Cranberrysauce und Süßkartoffeln, Baked Beans und Kürbis-Pie, Muffins und Brownies und natürlich bei riesigen Turkeys Familienstreitigkeiten aufbauen oder lösen. Oder auch beides.

Damit Sie nicht bei Ihrem nächsten Familienbesuch den freudig-entsetzten Ausruf auslösen: "Da ist er/sie/es ja! Lieber Himmel, wie mager er/sie/es geworden ist!" heute ein Rezept aus der mütterlich-besorgten Küche ("Es" steht natürlich für "das Kind", denn auf die eine oder andere Weise bleiben wir das ja immer.): Hackbraten la Amerika. Lässt man die Sauce weg, eignet sich der Hackbraten ganz gut zum Mitnehmen zu dem in den USA allseits beliebten "Sweetheart-Picknick" am St. Valentinstag. Falls es Ihnen hierzulande am 14. Februar für ein Picknick unter freiem Himmel noch zu kalt ist, verlegen Sie das Familienfest ins heimische Wohnzimmer, natürlich mit "Meatloaf with Mushroom Sauce", dem zweiten Standbein amerikanischer Hausfrauen:

Zutaten (4 Personen):
750 g Rinderhack (auch Pute)
300 ml Tomatensauce
200 ml Rinder- oder Gemüsebrühe
2 Eier
1 altbackenes Brötchen (zur Not auch 100 g Semmelmehl)
1 Bd grobe Petersilie, fein gehackt
2 TL feingehackter grüner Pfeffer
1 große rote Zwiebel, fein gehackt
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
½ bis 1 Chilischote, fein gehackt
250 g braune Champignons, geviertelt
2 EL Sherry Fino
Worcestersauce, Salz, etwas Butter, etwas Mehl
mehrere Scheiben Frühstücksspeck

Zubereitung:
Das Brötchen einweichen. Die gehackte Zwiebel, Knoblauch und Chili in etwas Butter dünsten. (Zwiebel, Knoblauch, Chili und auch die Petersilie sollen wirklich SEHR fein gehackt werden!) Das Hackfleisch mit dieser Masse, dem gut ausgedrückten Brötchen, den Eiern, dem grünen Pfeffer, der Hälfte der gehackten Petersilie und der Hälfte der Tomatensauce gut vermengen. Mit Salz abschmecken. Aus dem Fleischteil einen Laib formen und ihn in der Mitte einer großen, leicht gefetteten Pfanne platzieren. Ohne Deckel etwa eine Stunde im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen backen.

Die restliche Hälfte der Tomatensauce mit ca. 1 TL Worcestersauce und der zweiten Hälfte der gehackten Petersilie, 2 EL trockenem Sherry, der Brühe und ca. 3 EL Mehl verrühren. Die Pilze um den Braten verteilen, die Sauce über Pilze und Braten gießen, die Frühstücksspeck-Scheiben auf den Braten legen und alles nochmals im Ofen etwa 20 Minuten braten.

Den fertigen Braten aus der Soße heben, etwas ruhen lassen und dann in Scheiben schneiden. Die Soße verrühren, bei Bedarf einige Löffel saure Sahne oder Creme fraiche unterrühren und zum Braten reichen. Dazu schmecken Röstie, Bratkartoffeln oder ganz deutsch wunderbar mehlige Salzkartoffeln.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de