Essen und Trinken

Balkonschmuck mit Geschmack Gegartelt wird überall

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Meine erste diesjährige Chili-Ernte!

(Foto: © Driesner)

"Platz ist in der kleinsten Hütte" – das gilt auch für den Balkon, wenn es um Kräuter-, Gemüse- und Obstanbau geht. Kaum zu glauben, aber wahr: Selbst Äpfel und Brombeeren, Gurken und Tomaten lassen sich dort ernten, Chili sowieso.

Immer wieder bin ich erstaunt, was sich alles so in Töpfen heranziehen lässt. Für frische Würzkräuter ist tatsächlich Platz in der kleinsten Hütte – sprich Topf oder Kasten, aber selbst Gemüse und sogar Obst lassen sich auch auf beschränktem Raum kultivieren. Eigentlich lautet Schillers Spruch ja "Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar", aber neben dem Liebespärchen haben garantiert noch ein paar Pflanzkübel auf dem Balkon Platz. Ganz klar, dass für Gurken und Tomaten, Brombeeren und Äpfel ein schmales Großstadt-Fensterbrett nicht ausreicht, das bleibt dann wirklich Kräutern überlassen. Aber ein Balkon reicht allemal; mit Liebe und Geschick sowie der richtigen Sortenauswahl lassen sich auch auf dem kleinsten Balkon die erstaunlichsten Ernten hervorbringen.

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Die Chili-Pflanzen brauchen nicht viel Platz und tragen dennoch reichlich Früchte.

(Foto: imago/Schöning)

Obst auf dem Balkon ist immer noch etwas Besonderes und nicht sehr verbreitet, sieht man einmal von Hänge- oder Klettererdbeeren ab, denn sie lassen sich am leichtesten ziehen, weil sie eigentlich nur reichlich Wasser und ab und zu etwas Dünger brauchen. Alle anderen Obstsorten sind auf einem Balkon oder einer Terrasse nicht ganz leicht zu pflegen und benötigen oft einen Winterschutz, damit die Wurzeln in den Kübeln nicht durchfrieren. Dennoch sind Brombeeren sowie Stachel- und Johannisbeeren grundsätzlich ebenfalls für Balkonien geeignet; Brombeeren brauchen allerdings ein Gerüst und sollten auch nur als dornenlose Sorte dort wachsen, Stachel- und Johannisbeeren kommen nur als Hochstämmchen in Frage, denn schließlich wollen ja auch Sie noch Platz haben auf Ihrem Balkon! Apfel- und Birnensorten gibt es als schwach wachsende Halbstämmchen zu kaufen, die in Kübeln recht gute Ernte bringen können. Selbst Exoten wie Kiwi, Feige, Zitrone und Mandarine finden sich auf manchen Balkonen, allerdings dürfte hier weniger eine Obsternte als vielmehr ein dekorativer Sichtschutz im Mittelpunkt stehen.

Bei den Gemüsesorten sind es die Tomaten, die nahezu ideal für den Anbau in Kübeln sind. Doch auch Gurken (am besten am Spalier) und Zucchini (brauchen allerdings viel Platz) lassen sich in größeren Töpfen ziehen; ebenso wie Bohnen, Paprika, Radieschen und Pflücksalat. Bei Radieschen und Salat kann man eigentlich nichts falsch machen, Buschbohnen wachsen in Ampeln, Stangen- und Feuerbohnen brauchen Gerüste, bieten dafür allerdings zusätzlich einen hübschen Sichtschutz. Gemüsepaprika bringt nur bei genügend Platz und großem Kübel eine zufriedenstellende Ernte, Chili dagegen gedeiht super im Topf.

Voll im Trend: Urban Gardening

Gegartelt wird überall - auf dem Balkon, der Terrasse oder in Hinterhöfen und auf Flachdächern. Neudeutsch heißt das "Urban Gardening", kommt aber auf das Gleiche hinaus: Der Großstadtmensch möchte auch sein eigenes Stückchen Grün, auf dem Vitamine wachsen. Ob dekorative Holzgefäße oder teure Terrakotta-Kübel, alte Blechdosen oder ausgediente Waschwannen ist egal, nur groß genug sollten die Töpfe sein und ein Wasserabzugsloch besitzen, weil Staunässe nahezu tödlich ist für die Pflanzen. Generell gilt: Kleine Töpfe, mickrige Ernte - große Töpfe, bessere Ausbeute. Wer es sich ganz einfach machen will, schneidet lediglich einen Substratsack in der Mitte kreuzförmig ein und setzt die Pflanzen direkt in die Öffnung. Sieht aber, ehrlich gesagt, nicht sehr ansprechend aus. Wer sich seinen kleinen Vitamin-Garten einrichten will, findet genügend Nachschlagewerke oder Blogs, die Fragen nach Sonne und Schatten, Wasser und Dünger, Blattläusen und Mehltau beantworten. Denn was im "richtigen" Garten zu beachten gilt, gilt erst recht im Stadtgarten.

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Nur Sandboden im Garten? In Töpfen lässt sich fast alles heranziehen.

(Foto: © Driesner)

Trotz dieses komischen Sommers, bei dem nach einigen Tagen mit trockener Sahara-Hitze oder asiatischer Schwüle Zeiten mit Hagel, Sturm und Kälte über mich und meinen kleinen Garten hereinbrachen, haben meine Tomaten- und Chilipflanzen überlebt und wider Erwarten ganz gut getragen. Selbst die Hängeerdbeeren haben zum zweiten Mal Früchte angesetzt. Auch bei mir wächst das Gemüse in Kübeln, denn in dem märkischen Sand gedeiht höchsten Unkraut; das allerdings nicht zu knapp. Die Tomaten sind schon fast abgeerntet, jetzt habe ich die ersten kleinen Chilischoten abgeknipst. Ganz schön scharf, die roten Minis! Natürlich reichen sie nicht an die höllische Schärfe von Habaneros heran, haben aber zusätzlich zum Feuer einen köstlichen Paprikageschmack. Da ich nicht alle Chilis frisch verarbeiten kann, friere ich die meisten für den Winter ein, wobei sich erfahrungsgemäß das Paprikaaroma leider fast verflüchtigt, die Schärfe aber vollständig erhalten bleibt.

Angesichts dieser feinen Paprikanote meiner Chilis drängt sich die Frage auf, ob es nicht doch eine Peperoni-Pflanze ist? Zumal auf dem Pflanztöpfchen vom Gärtner "Peperoni, scharf/C. annuum" stand. Ich hatte in den vergangenen Jahren allerdings schon Pflanzen gekauft, auf deren Topfetikett das Gleiche stand, die Früchte allerdings viel länglicher, spitzer und keineswegs scharf waren. Doch die "Chili"-Pflanze in diesem Jahr sieht anders aus, kleiner und kompakter. Was wächst denn nun da? Ganz ehrlich: Ich bin total überfragt! Zumal selbst Fachleute ins Schwimmen kommen, wenn es um Peperoni und Chili geht. Ist alles dasselbe oder gibt es Unterschiede? Die einen sagen so, die anderen so...

Klein, aber scharf

So viel ist sicher: Sowohl Peperoni als auch Chili gehören zur botanischen Gattung der Paprikagewächse (Capsicum). Offenbar ist wegen vieler Neuzüchtungen und durch Hybridisierung eine eindeutige Zuordnung der Sorten nicht möglich, und so findet sich in diversen Fachbüchern die Angabe, Chili und Peperoni seien eng verwandt, aber nicht identisch, in anderen Veröffentlichungen dagegen wird Peperoni nur als anderer Name für Chili aufgeführt. Was stimmt? Ich weiß es nicht!

Weltweit werden eigentlich nur fünf Capsicum-Arten kultiviert, wobei fast alle Chili- und Paprikasorten, die bei uns verwendet werden, zur Art Capsicum annuum gehören. Hier finden sich die beliebten milden Gemüsepaprika, zum Füllen mit Hackfleisch oder Schafskäse ebenso geeignet wie als Salatbestandteil, aber auch scharfe Peperoni (oder Chili, ganz wie Sie wollen), zum Beispiel die bekannte Sorte "Cayenne". Allein hier lässt sich schon erkennen, wie die zum Teil irreführenden Arten- und Sortennamen das Verwirrspiel mit dem Paprika vollenden: Cayennepfeffer, auch "Spanischer Pfeffer" genannt, hat überhaupt nichts mit dem Pfeffer (Piper) zu tun, und Capsicum annuum ist keineswegs einjährig, wie der Name suggeriert. Für die Herstellung scharfer Gewürzmischungen spielt die Art Capsicum frutescens mit ihren ausnahmslos scharfen Früchten eine große Rolle, hierher gehört zum Beispiel die Sorte "Tabasco", bekannt vor allem durch die gleichnamige Sauce. Die Botaniker sind sich nicht einig, ob C. frutescens eine eigenständige Art oder höchstens eine Unterart von Capsicum chinense ist. Wir müssen uns ja zum Glück nicht an dem Streit beteiligen. C. chinense jedenfalls bietet den Liebhabern scharfer Speisen eine große Bandbreite, denn die Früchte dieser Art zählen zu den Schärfsten aller Capsicum-Arten, zum Beispiel "Habanero" und "Scotch Bonet". Ein oder zwei relativ milde Sorten finden sich wohl auch bei dieser Art. "Chinense" ist irreführend, denn die Art stammt wie die anderen aus Südamerika und nicht aus China. Während die Arten C. annuum und C. chinense auch in Europa von großer Bedeutung sind, kann die vierte Art, Capsicum baccatum, wegen der langen Reifezeit hier kaum kultiviert werden. Dessen ungeachtet kennen auch wir mindestens eine Sorte: "Peri Peri" oder wegen ihrer Form auch "Bischofsmütze" (Bishops Crown) genannt. Also nicht zwingend "beerenartig" (baccatum), wie es im Namen heißt! Andere Sorten dieser Art wie "Lemon Drop" oder "Angelo" sind ebenfalls nicht beerenrund, sondern länglich-spitz. Hierzulande nur Hobbyzüchtern bekannt sind die Sorten der Art Capsicum pubescens, die eigentlich nur in Süd- und Mittelamerika von Bedeutung sind. Die Sorten sind zum Teil recht scharf und tragen in einigen Ländern den Spitznamen "Gringokiller".

Was nun eigentlich in meinem Kübel herangewachsen ist und reichlich Früchte trägt – klein und knuddlig, von grün nach rot reifend und ziemlich scharf – ist mir eigentlich egal, Hauptsache, es schmeckt. Nehmen wir mal an, es stimmt, was auf dem Pflanztopf stand. Jedenfalls wurden die Capsicum-Arten vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zum "Gemüse des Jahres 2015/2016"  in Deutschland gewählt – und das gefällt mir als Fan von Paprika aller Größen, Farben und Aromen sehr. Meine erste Ernte dieses Jahres befeuert derzeit schmackhafte Eintöpfe, die an diesen kalten Berliner Augusttagen wenigstens ein wenig für innere Wärme sorgen. Und am Sonntag kommt Feuer sogar ins Dessert:

Chili-Schokoladen-Mousse

Zutaten (4 Pers):

150 g Schokolade (60-70 % Kakaoanteil)
45 g Zucker
200 g Schlagsahne
2 sehr frische Eier
1 Vanillestange
2 frische rote Chilischoten

Zubereitung:

Stielansatz und Kernchen der Chilischoten entfernen. Eine Schote fein hacken, die andere längs in sehr feine Streifen schneiden. Beides (nicht vermengen!) beiseite stellen.

Eier trennen. Eiweiß mit der Hälfte des Zuckers zu recht steifem Schnee schlagen. In einem anderen Behältnis 75 g von der Schlagsahne ebenfalls steif schlagen und beides beiseite stellen.

Die Schokolade in grobe Stücke brechen oder hacken, im Wasserbad schmelzen. Das heiße Wasser nicht weggießen, sondern auf dem Herd lassen; es wird noch gebraucht. Das Mark aus der längs aufgeschlitzten Vanilleschote kratzen, zu den Eigelben geben und mit dem restlichen Zucker über dem heißen Wasserbad (darf nicht mehr kochen) schaumig schlagen, bis der Zucker gelöst ist.

Nun die Eigelbcreme mit der gehackten Chilischote zur geschmolzenen Schokolade geben; alles mit einem Schneebesen verrühren. Die geschlagene Sahne dazugeben und mit dem Schneebesen flott vermischen. Zuletzt den Eischnee vorsichtig unter die Masse heben.

In 4 Portionen teilen oder alles in eine große Schüssel geben. Mit Frischhaltefolie dicht abdecken und für etwa 4 Stunden in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren die restlichen 125 g Sahne steif schlagen und damit die Mousse verzieren. Darüber die Chilistreifchen dekorativ verteilen.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de