Essen und Trinken

Hildegard wettert German-Voodoo

Seit es Nüsse gibt, also schon SEHR lange, zählen sie zu den Aphrodisiaka. Pinienkerne, eigentlich Samen der Pinie und gar keine Nüsse, waren Aphrodites Favorit. Walnüsse waren dem sinnenfreudigen Dionysos geweiht. Pistazien, so hieß es, "fördern die unkeuschen Gedanken". Für die Germanen waren Haselnüsse Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Sonnenblumen- und Kürbiskerne (auch keine Nüsse) gelten noch heute in manchen Ländern als Langzeit-Aphrodisiakum (täglich eine Handvoll davon knabbern).

Haselnuss, Walnuss, Erdnuss, Cashewnuss - sie werden alle "Nüsse" genannt, doch botanisch gesehen ist eigentlich nur die Haselnuss eine "echte" Nuss. Walnüsse sind Steinfrüchte und Cashewnüsse Balgfrüchte. Erdnüsse dürfte man eher "Bohnen" nennen, denn sie sind Hülsenfrüchte. Sie wachsen wie ihre Verwandten - die Bohnen - in einer Schote heran. Sie alle aber haben eines gemeinsam: Sie sind ziemlich fettreich. Das Fett ist allerdings reich an den gesunden ungesättigten Fettsäuren.

Sehr fettreich (über 60 Prozent Fettgehalt) sind Macadamia- und Haselnüsse, Pinienkerne und Walnüsse. Erd- und Cashewnüsse sind etwas fettärmer. Dafür liefert die Erdnuss - und da kommt wieder die Bohnen-Verwandtschaft durch - das meiste wertvolle Eiweiß von allen Nüssen bzw. Kernen. Eigentlich sind alle Nüsse gute Eiweißlieferanten und spielen deshalb eine wichtige Rolle in der vegetarischen Ernährung.

Außerdem enthalten sie reichlich B-Vitamine (gut fürs Nervenkostüm) und auch Vitamin E, nicht umsonst "Libido-Vitamin" genannt. Die chemische Bezeichnung Tocopherol nennt es beim Namen: Die griechischen Wörter "tokos" und "pherein" bedeuten "Nachwuchs" und "hervorbringen". Nun lassen Sie das "und" dazwischen mal weg - Alles klar? Übrigens: Vitamin E ist besonders reich in Kürbiskernen enthalten.

Aber auch unsere "germanischen" Haselnüsse sind nicht ohne. Sie sind mit einem Fettgehalt von über 61 Prozent eine der energiereichsten Nuss-Sorten, verfügen über einen hohen Anteil an lebensnotwendigen Fettsäuren, Mineralien und Vitaminen - darunter auch besonders viel E-Vitamin.

Bei unseren mittelalterlichen Vorfahren stand der Haselstrauch hoch im Kurs. Die Hasel galt als blitzsicher (das sogar schon bei den alten Germanen: Sie weihten den Strauch ihrem Donnergott Thor), als Schutz vor Schlangen, Hexen, bösen Geistern. Haselruten kamen unters Dach, unters Bett und vor das Fenster. Eine Haselrute, am Karfreitag vor Sonnenaufgang mit einem Feuerstein in drei Schnitten im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit abgeschnitten, konnte jemanden in Abwesenheit verprügeln. Allerdings musste der Schnitter stumm bleiben und beim Schneiden sein Gesicht nach Osten wenden. Dann aber: Ein altes Kleidungsstück nehmen, den Namen des zu Verprügelnden darüber sprechen und mit der Rute nach Herzenslust darauf eindreschen. Das soll dem Geschmähten ziemlich weh tun. Beweise für den "Haselzauber" finden sich allerdings keine.

Zu Pulver gebrannte Rinde oder Haselöl ins Essen gemischt galt damals als Aphrodisiakum. Laut Hildegard von Bingen, die über die "Wollust erzeugende" Haselnuss wetterte, soll Pulver aus den Haselknospen, gemischt mit Mauerpfeffer, Winden, der Leber eines geschlechtsreifen jungen Bockes und fettem Schweinefleisch, einem Manne dazu helfen, Kinder zu zeugen - "wenn der gerechte Ratschluss Gottes dies nicht verhindert". Man(n) beachte den Nachsatz.

Glaube oder nicht, Tatsache ist, dass ein Haselnusskuchen nach einem Rezept meiner Oma sehr lecker ist. Ich hab's bei meinen Kollegen ausprobiert; sie waren begeistert. Über etwaige Wirkungen schweigen sie sich bis heute aus:

Zutaten:
250 g geriebene Haselnüsse
250 g Weichweizengrieß
200 g Zucker
1 Pä Vanillezucker
1 EL Mehl
1 Pä Backpulver
knapp ½ l Vollmilch

Zubereitung:
Mehl und Backpulver sieben. Mit Grieß, Nüssen, Zucker und Vanillezucker vermischen. Die Milch unter Rühren dazugeben. Alles gut zu einem halbflüssigen Teig vermengen. Die Teig in eine gefettete Springform geben und im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad etwa eine halbe Stunde backen (Hölzchenprobe machen).

Nach dem Erkalten kann der Kuchen mit Schokoglasur überzogen und nach Bedarf mit ganzen oder gehackten Nüssen oder anderweitig verziert werden.

Noch schneller und einfacher geht es, wenn der Teig auf ein gefettetes Backblech gegeben wird und mit gehackten Nüssen bestreut und dann gebacken wird.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de