Essen und Trinken

Einst geschmäht, dann heiß geliebt Geschmäcker ändern sich

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Mitunter hängt sogar der Himmel voller Tomaten (Messe "Fruit Logistica" 2008 in Berlin).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Düfte begleiten unser Leben, ob es nun Chanel N° 5 oder Knoblauch ist - jeder Duft hat seine Zeit und seinen Platz. Manche Düfte wecken sofort Kindheitsträume: Der Duft von frischem Hefekuchen erinnert am Omas leckeren Blechkuchen, das Müffeln von gekochtem Kohl leider an das Treppenhaus von Tante Erna.

Auch der Dichter Rainer Maria Rilke hatte so seine Erinnerungen an die Düfte seiner Kindheitstage: "In unseren Stuben riecht es am Donnerstag nach Tomaten, am Sonntag nach Gänsebraten, und jeden Montag ist Waschtag. So sind die Tage: der rote, der fette, der seifige.”

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Manchmal hat man aber auch Tomaten auf den Augen.

(Foto: © Andreas Depping / PIXELIO)

Manche Gewohnheiten wandeln sich zum Glück aber, müssen den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst werden. So muss es heute nicht mehr unbedingt Fisch am Freitag und Eintopf am Samstag oder Montag sein. Auch die Ansichten über die Verwendbarkeit bestimmter Lebensmittel haben sich verändert - oder können Sie sich ein Leben ohne Tomaten vorstellen? (Es sei denn, Sie sind allergisch dagegen.)

Tomaten fristeten Jahrhunderte ihr Leben in Europa als giftige Gartenblume. Obwohl die Spanier sie schon im 15. Jahrhundert aus Mexiko mitbrachten, waren die "giftigen Äpfel” erst Mitte des 19. Jahrhunderts rehabilitiert. Die prallen roten Früchte machten zwar neugierig, schreckten die Europäer aber gleichzeitig ab: Botaniker hatten die Pflanze als Nachtschattengewächs identifiziert und sie mit ihren giftigen Verwandten wie Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche auf eine Stufe gestellt, auch mit Kartoffeln und Auberginen, denn die galten damals ebenfalls als giftig. Vielleicht hatten die Gelehrten statt der Früchte die Blätter gekaut - und die sind nun wirklich giftig. Experimentierfreudigen französischen Köchen haben wir es zu verdanken, dass die Tomate aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken ist. Sie kochten Tomaten und fanden die entstandene Tunke überaus schmackhaft - und überhaupt nicht giftig!

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(Foto: © knipseline / PIXELIO)

Einmal gekostet, war der Siegeszug der Tomate quer durch Europa nicht mehr aufzuhalten und die einstmals misstrauischen Europäer überhäuften sie mit Kosenamen wie Liebesapfel, Paradeiser oder Paradiesapfel. Die Männer glaubten so an ihre stimulierende Kraft, dass sie Unsummen für eine Tomate bezahlten. Tugendhafte Damen lehnten den Genuss des saftigen, sinnlichen Tomatenfleisches ab; weniger tugendhafte nicht und diese konnten getrost die Schuld für ihre "Fehltritte” auf die unwiderstehliche Tomate abwälzen.

Tomaten sind also durchaus eine Sünde wert - und das nicht nur am Donnerstag wie im Hause Rilke! Weil sie zu den Fruchtgemüsen gehören, vertragen sie sich geschmacklich sehr gut mit Obst. Überraschen Sie Ihre Grill-Gäste zum "Herrentag” doch mit einer selbstgemachten "Tomaten-Pfirsich-Salsa” - rot, scharf und sinnlich:

Zutaten (4 Personen):

750 g Tomaten
3 vollreife Pfirsiche oder Nektarinen (auch Konserve)
2 mittelgroße rote Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
2 Chilischoten
Saft von 3 Limetten
1 El frischer Koriander, fein gehackt
Salz, Zucker, Olivenöl

Zubereitung:

Zwiebeln und Knoblauch sehr, sehr fein hacken. Die Chilischoten entkernen und fein hacken. Die Tomaten vierteln, von Saft und Kernen befreien und würfeln.

Das Obst ebenfalls würfeln: Bei vollreifen Pfirsichen die Schale abziehen, Kerne entfernen. Bei Nektarinen entfällt das Schälen. In Jahreszeiten ohne frische Pfirsiche auf dem Markt können Sie getrost zu Konserven greifen. Die Früchte aber gut abtropfen lassen.

Tomaten, Obst, Zwiebeln, Knoblauch und Chili in einer Schüssel mit dem Limettensaft, dem Koriander und 1 bis 2 EL mildem Olivenöl gut vermengen. Mit Salz und Zucker abschmecken.

Tipp: Die Zutaten sollten mit der Hand gehackt werden, damit die Sauce nicht zu flüssig wird. Vor dem Servieren höchstens 1 Stunde kalt stellen, um das Aroma zu erhalten.

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Der Madagaskar-Engmaul-Frosch wird wegen seiner Färbung auch Tomaten-Frosch genannt.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Viel Spaß am "Herrentag” und sonniges Wetter zum Grillen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de