Essen und Trinken

Eine zwittrige Angelegenheit Heilig, aber lecker

Herr Zessin vom Berliner Weinhaus "Sonnenreich" macht dieser Tage einen netten kleinen Urlaub in Barcelona. Er freut sich schon lange darauf, über die Rambla zu schlendern und im Gewühl im alten Markt unterzutauchen. Dort holt er sich eine Dorade (oder auch zwei) und diverse frische Zutaten, eilt zu seinen Freunden und dann geht die Männerwirtschaft in der Küche los. Von mir hat er sich ein Rezept für ein Doraden-Gericht gewünscht. Dann will ich ihm mal die Freude machen.

Das berühmteste Doraden-Gericht Spaniens dürfte "Dorada a la sal" - Dorade im Salzmantel - sein. Schmeckt wirklich gut, doch Herr Zessin und auch ich lieben am gebratenen oder gebackenen Fisch gerade die leckere Haut. Und die bleibt ja leider in der Salzkruste! Aber es gibt -zig Rezepte auch für Doraden, bei denen die Fischhaut erhalten bleibt.

Die Dorade, auch Goldbrasse genannt, gehört zur Familie der Meerbrassen und ist mit einem Gewicht bis zu 2,5 Kilogramm ein kleinerer Vertreter. Den Namen Goldbrasse hat sie von ihrem goldenen Fleck auf der Stirn, der aber nach dem Fang verblasst. Ihr weißes Fleisch ist fest, hat ein feines Aroma und eignet sich zum Braten, Grillen, Backen und Kochen. Angenehme Überraschung: Doraden sind fast grätenfrei! Das wird nicht nur die "Männerwirtschaft" um Herrn Zessin in Barcelona freuen!

Doraden zählen zu den beliebtesten (aber auch teuersten) Fischen im Mittelmeerraum. Von der griechischen Göttin Aphrodite - der Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde - wurde die Goldbrasse heilig gesprochen. Unbekannt ist, warum - ob wegen ihres schönen Körperbaus und ihres goldenen Glanzes oder weil Goldbrassen Zwitter sind. Als Zwitter, also Hermaphroditen, haben sie sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Aphrodite, die Schlimme, hat ihren Göttergatten Hephaistos (Gott des Feuers und der Schmiedekunst) alle naselang mit Sterblichen und Unsterblichen betrogen und von ihnen eine stattliche Anzahl Kinder bekommen. Der Sohn, der aus ihrer Liaison mit Hermes, dem Götterboten und Gott der Diebe, entstand, war Hermaphroditos. Dieser war selbst kein Zwitter, wurde aber von Salmakis über die Maßen begehrt, verführt und verschmolz mit ihr zu einem einzigen Wesen - einem Zwitter.

Dieser "göttliche" Fisch wurde schon in der Antike auch von sterblichen Gourmets begehrt und hat bis heute nichts von seiner Beliebtheit verloren. Auch ich esse Dorade sehr gern und empfehle deshalb heute "Dorade mit Mandelcreme":

Zutaten für 4 Personen:

1 Dorade ca. 1,2 kg (oder 2 kleine Fische)
500 g Blattspinat
150 g spanischer Käse "Tetilla"
¼ l Weißwein
125 g Sahne
50 g geriebene Mandeln
2 Knoblauchzehen
4 EL Butter
Zitronensaft, Meersalz, weißen Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Spinat verlesen, sorgfältig waschen und hacken (nur grob). Den geschuppten und ausgenommenen Fisch unter kaltem Wasser säubern, mit Zitronensaft marinieren, salzen. Knoblauch in der Knoblauchpresse zerdrücken.

Die Hälfte der Butter in einer ofenfesten Form zergehen lassen und den Knoblauch darin erhitzen. Spinat darauf streuen, salzen und pfeffern. Den Wein zugießen. Den Fisch auf das Gemüse setzen und die andere Hälfte der Butter in Flöckchen darauf verteilen.

Die Form in den heißen Herd schieben (mittlere Schiene, vorgeheizt auf 180C, Umluft 160C, Gas Stufe 2) und den Fisch etwa 30 Minuten garen. In der Zwischenzeit den Käse hobeln und mit den Mandeln und der Sahne verrühren. Den Fisch mit der Creme bestreichen und nachmals 10 Minuten backen. Dazu schmeckt am besten Butterreis.

Herrn Zessin und Ihnen wünsche ich Guten Appetit! Heidi Driesner

Quelle: ntv.de