Essen und Trinken

Immer wieder sonntags Helene weiß, was sie will

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zwischen Heinrich IV. und Helene liegen Jahrhunderte, doch sie teilen eine Leidenschaft. Auch zwei gut bekannte Spitzbuben können die Finger nicht davon lassen, was für sie allerdings besser gewesen wäre.

Helene, die zehnjährige Tochter meiner Kollegin, liebt Hühnchen, am liebsten zum Anfassen und gebraten. Die Kollegin weniger, sie ist eher der vegetarische Typ. Aber für Helene brät sie unter persönlicher Überwindung auch Hühnerschenkel.

Helene befindet sich mit ihrer Vorliebe für Hühnchen in guter Gesellschaft. Der französische König Heinrich IV., bis zu dem sich irgendwann mal die die Armut in seinem Land herumgesprochen hatte, wünschte seinen Untertanen "jeden Sonntag ein Huhn im Topf". Es darf allerdings bezweifelt werden, dass das geklappt hat. Und wer kennt nicht die beiden Spitzbuben Max und Moritz, die erst die Hühner der Witwe Bolte vom Leben zum Tode beförderten und dann auch noch die gebratenen klauten und sich die Bäuche vollschlugen? "Und vom ganzen Hühnerschmaus guckt nur noch ein Bein heraus.” Allzu viel ist halt ungesund; das gilt für Streiche und Braten aller Arten.

Gesund - wenn durchgegart

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Hier sind Sie schon eher auf der sicheren Seite.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Was bei Heinrich im 17. Jahrhundert als Symbol des Wohlstands galt, ist heute bei Helene durchaus erschwinglich. Zugegeben: Bio-Ware hat ihren Preis, doch sie hat auch einen besseren Eigengeschmack. Und Sie behalten Ihr gutes Gewissen, wenn Sie sich gegen Schnellmast-Hühner aus Massenbetrieben entscheiden - angesichts der fast ständigen Lebensmittelskandale vermutlich auch Ihre Gesundheit. Denn drei von fünf Hähnchen in deutschen Schlachthöfen sind mit dem Durchfallerreger Campylobacter belastet, wie eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin ergeben hat. Zudem wurden auf etwa 18 Prozent der Hähnchen Salmonellen nachgewiesen. Beides sind die häufigsten Erreger bakterieller Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen.

Grund genug, Hähnchenfleisch gut durchzugaren - auch tiefgefrorenes. Unter vier Grad Celsius - also auch bei Gefriergraden - werden Salmonellen nämlich nicht abgetötet, da wird höchstens die Keimvermehrung gehemmt. Über 75 Grad Celsius führen aber zu sicheren Abtöten der Erreger. Auf "Nummer Sicher” gehen Sie, wenn Sie mit einem Bratenthermometer die Kerntemperatur des Fleisches im Ofen messen.

Man muss also so ein zartes Hühnchen nicht "tot kochen”, sanfte 80 Grad reichen auch, um guten Gewissens genießen zu können.

Hähnchenfleisch hat viele Vorzüge - es ist lecker, mager und vielfältig einsetzbar. Und wer nach einer dicken Erkältung oder gar einer Grippe wieder auf die Beine kommen will, weiß eine gute Hühnersuppe zu schätzen.

Von beschwipst bis scharf

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Beißt sie nun 'rein oder nicht? So ganz überzeugt scheint Kanzlerin Merkel nicht zu sein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Was für ein kräftiges Suppenhuhn gilt ist allerdings für zarte Hähnchen kaum geeignet. Die Hühnerbrühe wird erst richtig gut, wenn man sie in aller Ruhe mindestens drei Stunden vor sich hin köcheln lässt. Hähnchenfleisch aber braucht nur allzu lange, und wird auch unterhalb des Siedepunktes bei 80 Grad durchgegart. Entscheidet man sich für Geflügelteile - Brust, Filet, Flügel oder Schenkel - hat man recht schnell und ohne viel Aufwand eine warme Mahlzeit auf dem Tisch zu stehen.

Geflügelfleisch lässt sich auf unzählige Arten zubereiten: exotisch mit Obst oder Mandeln, scharf mit Chili, vornehm mit Krebsschwänzen oder Muscheln, würzig mit Knoblauch oder Kräutern, pikant mit Zitrone, beschwipst mit Bier oder Wein …

Extra für Helene gibt's heute "Hähnchenschenkel mit Rosmarin", die sich fast wie von selbst braten:

Zutaten (4 Personen):

4 Zweige Rosmarin
8 kleine Hähnchenschenkel
Olivenöl
Salz, Pfeffer, etwas scharfer Paprika

Zubereitung:

Rosmarin kalt abbrausen, trocken schütteln und in 8 kleine Zweige teilen.

Hähnchenschenkel säubern und trocken tupfen. Mit einem flachen Löffelstiel an einer Stelle vorsichtig die Haut vom Fleisch lösen und je einen Rosmarinzweig zwischen Haut und Fleisch schieben.

Die Schenkel mit Salz, Pfeffer und Paprika einreiben und mit Öl bepinseln. Eine flache Auflaufform oder ein Bratblech fetten und die Hähnchenschenkel darauf legen. Im vorgeheizten Backofen bei etwa 200 Grad 45 Minuten braten. Zwischendurch mal wenden oder mit Öl bepinseln.

Baguette und ein Salat ergänzen das Ganze zu einem leckeren Abendbrot.

Viel Spaß - vor allem Helene - wünscht Heidi Driesner

Quelle: ntv.de