Essen und Trinken

Bärische Frühjahrskur Ich habe fertig!

So jeder hat sein (Geheim)Rezept, wie er sich fit macht für den Frühling. Der eine versucht sich an einer der vielen, sattsam bekannten und von vielen bunten Blättern jedes Jahr erneut gepriesenen Frühjahrsdiäten: 5 Pfund weg in 3 Tagen und der Bikini passt wieder! Andere entdecken im Lenz völlig neue Gefühle in sich und wechseln kurzerhand den Lebensabschnittsgefährten (bzw. die –in) aus. Das wiederum stellt den winterverlassenen Partner vor die wenig frühlingshafte Aufgabe, aus dem Loch, in das er nun gefallen ist, wieder herauszufinden. Hat man das geschafft, wird man möglicherweise mit einem tollen Sommer belohnt. Ist doch auch nicht schlecht!

Die meisten aber werden ganz entspannt die ersten Frühlingsonnenstrahlen trotz der noch etwas kühlen Sitzflächen der Stühle in Bistros und Biergärten genießen. Und was mache ich? Ich entwintere. Nämlich meinen Garten. Damit ich Ende des Monats wieder mit meinen Katzen Milli und Piefke ins Grüne ziehen kann, auch wenn selbiges noch ein wenig fahl wirkt. Leider kommt im Herbst dann unweigerlich das "Entsommern" meines Berliner Domizils auf mich zu, in dem sich der hauptstädtische Staub breit gemacht hat. Aber wer denkt denn jetzt schon an so etwas? Jetzt warten erst einmal Garten und Bungalow auf mich. Die Gartenmöbel stehen bereits auf der Wiese (Rasen wäre hochgestapelt), die Markise am Bungalow ist montiert und die Regenwassertonnen sind schon vollgelaufen. (Und mein einer Chef – wir haben hier in der Nachrichtenmanufaktur nämlich eine "Doppelspitze" – hat schon mal vorgefühlt, ob's denn in diesem Sommer endlich mal wieder ein "Redaktions-Grillen" gibt! Mal sehen, wenn ihr alle schön artig seid …)

Zu meiner Freude habe ich entdeckt, dass sich der im Vorjahr gepflanzte Bärlauch offenbar wohlfühlt, er wächst und hat Knospen. Ich war mir nicht sicher, ob das klappt, mein märkischer Sand ist schließlich kein Waldboden. Aber es ist mir wohl gelungen, dem Bärlauch unter den Büschen einen Hauch von Wald zu suggerieren. Wenn der Bärlauch sprießt, ist der Frühling da – soviel dürfte klar sein. Allium ursinum ist die erste Nahrung für die Braunbären nach dem Winterschlaf und bringt deren verlangsamte Verdauung auf Trab, daher "Lauch des Bären". Andere Quellen leiten den Namen aus der Vorliebe der alten Germanen ab, den Bärenschinken mit dem Lauch zu würzen. Auch vorstellbar. Aber ob sie auch Bärenkräfte bekamen? Fraglich, doch unsere Vorfahren glaubten daran.

Auf alle Fälle ist Bärlauch gesund: Die Pflanze enthält Flavonoide und Lauchöl, die antibakteriell wirken, und Vitamin C. Schon im Mittelalter hieß es: "Kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Darm und Blut wie der Bärlauch." Und deshalb gibt es heute bei mir "Bärlauchbrüstchen":

Zutaten:
4 Hähnchenbrustfilets ohne Haut
8 frische Bärlauchblätter
4 kleine Scheiben Emmentaler
Salz, weißer Pfeffer, mittelscharfer Senf
Olivenöl, etwas Butter

Zubereitung:
Den Bärlauch waschen und trocken tupfen. Jedes Fleischstück von der Seite her vorsichtig so aufschneiden, dass beide Hälften noch zusammenhängen. Auseinanderklappen und zwischen Frischhaltefolie vorsichtig plattieren. Folie abziehen, salzen und pfeffern.

Eine Hälfte mit ein wenig Senf bestreichen, darauf ein Bärlauchblatt legen, dann die Käsescheibe (sollte nicht größer als die Fleischscheibe sein) darauf und dann wieder ein Bärlauchblatt. Die zweite Fleischseite mit etwas Butter bestreichen (auch Bärlauch- oder Knoblauchbutter), darüberschlagen und die Ränder mit den Fingern zusammendrücken und mit zwei Zahnstochern verschließen.

In Olivenöl bei Mittelhitze von beiden Seiten je 4 bis 5 Minuten goldbraun braten. Nicht zu heiß und zu lange: Durch zu starkes Erhitzen verliert Bärlauch viel von seinen Geschmackstoffen und seiner gesundheitsfördernden Wirkung.

Dazu schmecken Kartoffelpüree oder Risotto (gerne auch Bärlauchrisotto).

Viel Spaß und Bärenkräfte wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de