Essen und Trinken

Ganz ohne Jackpot Im Schlaraffenland

Wer hätte das nicht gerne, jedenfalls ab und zu: Gewisse Dinge im Überfluss, auch ohne Jackpot-Knacker zu sein. Schon im 5. Jahrhundert v. Chr. hatten griechische Dichter (ganz ohne Lotto!) die Idee vom Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Krammetsvögel flugs in den Schlund flogen, und gleich die Beilage - kleine Kuchen - im Schnabel mitbrachten. Im 15. und 16. Jahrhundert moralisierten Sebastian Brant und Hans Sachs über das Land der Faulenzer: Wer tölpisch ist und gar nichts kann, der ist im Land ein Edelmann. Denn das fiktive "Schlaraffenland" ist ein "Land der faulen Affen": Aus dem mittelhochdeutschen "slur" (fauler Mensch) entwickelte sich im 14. Jahrhundert das Schimpfwort "sluraff" für den üppig und gedankenlos lebenden Müßiggänger, den Faulenzer.

Im Schlaraffenland fließt Milch und Honig in den Flüssen, aus den Brunnen sprudelt Wein. Die Häuser sind mit Eierkuchen gedeckt, und die Balken bestehen aus Schweinebraten. Die Spanferkel laufen gebraten in der Gegend herum und tragen ganz zweckgebunden das Messer gleich im Rücken. Die Pferde hinterlassen keine Pferdeäpfel (nicht mal nur Äpfel), sondern legen Eier zu großen Haufen. Statt Steine liegen Käse am Straßenrand, und der Zaun ist aus Würsten geflochten. Und zu allem Überfluss kann man sein altes, ausgedientes Eheweib gegen eine Junge, Knusprige eintauschen! Spätestens hier ist wohl der Wunsch Vater des Gedanken und deutlich, dass natürlich Männer die Erfinder des Schlaraffenlandes sind. Kein Wort findet sich in all den Abhandlungen, Gedichten, Schwänken und Märchen über bequeme und dicke Ehemänner, die gegen fleißige (potente) waschbrettbäuchige, geistvolle Romantiker eingetauscht werden können, die gleichermaßen Sterne-Koch, Kfz-Mechaniker und Steuerberater sind. Schade! Liegt vermutlich nur daran, dass der Otto-Motor erst kurz nach dem Tode der Gebrüder Grimm erfunden wurde.

"Auch fliegen um (das mögt ihr glauben)
gebrat'ne Hühner, Gäns und Tauben.
Wer sie nicht fängt und ist so faul,
dem fliegen sie von allein ins Maul."

Nun mal ehrlich: Wer will schon in einem Land leben, in dem zu lügen für die beste Kunst gehalten wird, wo Gelehrte nicht geehrt und die Fleißigen des Landes verwiesen werden? Wer ist denn schon gerne dick, doof und gefräßig? Wir nicht!

Deshalb behalten wir unsere Ehemänner und -frauen (na gut, nicht immer) mit all ihren Falten, guten Eigenheiten und schlechten Angewohnheiten, stellen uns in die Küche und zaubern "Gebratene Tauben", die zwar nicht in den Mund fliegen, aber mit Hilfe von Messer und Gabel selbigen finden:

Zutaten für 2 Personen:

2 frische Täubchen (Magen, Herz und Leber sind innen liegend, wenn nicht: 100 g Hähnchenleber dazukaufen)
1 grobe ungebrühte Bratwurst
1 Brötchen
1 Eigelb
1 kleine Zwiebel oder Schalotte
1 bis 2 Glas Weißwein
2 EL Butter
1 EL saure Sahne
Salz, Pfeffer, Muskatnuss, gehackte Petersilie, etwas Butter oder Öl zum anbraten

Zubereitung:

Die frisch beim Händler gekauften Täubchen und die entnommenen Innereien säubern. Falls Herz, Magen und Leber nicht einliegen, sollten 100 g frische Hähnchenleber dazugekauft werden. Die Innereien bzw. die Leber fein hacken. Das Brötchen (kein altbackenes) einweichen. Dann ausdrücken und auseinander zupfen. Die Zwiebel fein hacken, ebenso die Petersilie.

In der Butter die Zwiebel und die Petersilie andünsten, in dem heißen Fett dann das auseinander gezupfte Brötchen schnell braten. Dabei umrühren. Die Masse etwas abkühlen lassen und mit dem Eigelb, der Bratwurstfülle und den gehackten Innereien gut vermengen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat kräftig abschmecken.

Die Täubchen innen und außen mit Salz und Pfeffer einreiben. Mit der Farce füllen. In etwas heißer Butter oder heißem Öl ringsum goldgelb anbraten. 1 knappe Tasse heißes Wasser zugießen, zudecken und langsam bei Mittelhitze garen. Das kann - je nach Alter der Tauben - eine ganze Weile dauern, mindestens 45 Minuten. Schmoren Sie sie lieber ein wenig länger, Tauben sind Wildgeflügel und keine Schnellmasthähnchen!

Sind die Tauben weich, den Wein zugießen und offen im Herd (Brust nach oben) 10 bis 15 Minuten bei ca. 220 Grad braten. Tauben herausnehmen und warm stellen.

Den Fond auf dem Herd abkochen, evtl. mit etwas Wasser oder noch mal ein wenig Wein auffüllen. Aufkochen, leicht binden und mit Sahne verfeinern. Gegebenenfalls noch einmal mit den Gewürzen abschmecken.

Am besten schmecken dazu Butterreis sowie zarte grüne Erbsen. Aber auch Pommes frites sind denkbar, dann die Soße kurz halten.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner. Und warten Sie nicht so lange, bis die Tauben von alleine in den Mund fliegen ...

Quelle: ntv.de