Essen und Trinken

Nero war verrückt danach Immer Saison

Kaum ein anderes heimisches Gemüse ist fast ständig so präsent wie der Porree. Dazumal sind die weiß-grünen Stangen, auch Lauch genannt, auch noch preiswert. Oft genug wird Porree unterschätzt. Doch der Porree, von dem zumeist nur das untere weiße Ende, das in der Erde gesteckt hat, gegessen wird, hat es in sich: Er ist Fit- und Schlankmacher für kühle Tage und heiße Nächte, fördert Abwehrkräfte und Verdauung, regt Nieren und Appetit an. Das Gemüse liefert uns Vitamine, Mineralien, Ballast- und bioaktive Stoffe. Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen, die häufig Obst und Gemüse und damit auch sekundäre Pflanzenstoffe (bioaktive Stoffe) verzehren, wesentlich seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs betroffen sind.

Zwar ist Porree mit Zwiebel und Knoblauch verwandt, aber wesentlich "eleganter" als diese. Er hat weder den scharfen Zwiebelgeschmack noch den aufdringlichen Knoblauchgeruch. Das das Aroma zarter, der Geschmack feiner, angenehmer und süßer ist als bei der Speisezwiebel, eignet sich Porree gut zum Verfeinern verschiedener Suppen sowie für Soßen. Er schmeckt als Gemüsebeilage, ist salat-tauglich und als Küchengewürz unentbehrlich: Zusammen mit Möhren, Sellerie und Petersilienwurzel wird er als Suppengrün verwendet.

Vermutlich kam Porree bereits im Mittelalter zu uns. Um 640 soll Porree vom Britenkönig Cadwallader als Erkennungszeichen für seine Truppen verwendet worden sein. Seit dieser Zeit ist Porree Bestandteil des Wappens von Wales.

Aber schon in vorchristlicher Zeit war Porree als Gemüse bekannt; es ist bekannt, dass er schon von den Sumerern 2100 v. Chr. Angebaut wurde. Die Erbauer der ägyptischen Pyramiden ernähren sich hauptsächlich von Porree. Der römische Kaiser Nero gar wurde hinter vorgehaltener Hand auch "Porreefresser" genannt - wegen seiner Leidenschaft für das im Porree enthaltene Senföl. Und einer türkischen Insel gab der Lauch seinen Namen: Der Bucht von Adrasan ist eine kleine Insel vorgelagert - die Lauchinsel. Sie verdankt ihren Namen dem wilden Lauch, der auf ihr wächst. Ansonsten ist sie bei Tauchern sehr beliebt.

Wo so viel Gutes ist, bleibt das Böse nicht aus: Der Genuss von Porree führe zu Cholera, sei schädlich für den Magen und verursache schlechte Träume, verhieß im späten Mittelalter der Arzt und Übersetzer Johannes Hartlieb. Und dieses "gar schröckliche Kraut" war folgerichtig auch Bestandteil der Hexenküche. Dort wurde aber vor allem der Porreesamen verwendet. Dabei wirkt Porree keimtötend und unterbindet unerwünschte Fäulnis- und Gärungsprozesse im Darm. Wahr ist aber, dass er auch zu verstärkten Blähungen führen kann.

Für unsere leckere "Porreesuppe mit Schinken" brauchen wir keine Zaubersprüche. Die Hexerei besteht hier in der Schnelligkeit:

Zutaten:
1 l klare Hühner- oder Rinderbrühe
200 geputzten Porree (die weißen Enden)
30 g Butter
30 g Grieß
60 g Kochschinken
2 Scheiben Weißbrot
1/2 Bd Petersilie
Salz, weißer Pfeffer, 1 Lorbeerblatt, Muskat

Zubereitung:
Den Porree in recht dünne Scheiben schneiden und in der Hälfte der Butter etwa 5 Minuten dünsten. Mit der Brühe auffüllen. Grieß ohne Fettzugabe in einer Pfanne goldgelb rösten und in die Suppe geben. Lorbeerblatt zufügen und mit Salz, Pfeffer und wenig Muskat abschmecken. Mit dem Muskat sparsam umgehen, er überdeckt sonst den Geschmack aller anderen Zutaten.

10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Das Weißbrot entrinden und würfeln. Im Rest der Butter goldgelb rösten.

Feine Streifen von dem Kochschinken, gehackte Petersilie und geröstete Weißbrotwürfel als Einlage dazugeben.

Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de