Essen und Trinken

Unverhofft kommt oft Improvisation ist (fast) alles

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Es gibt Besuch, den vergisst man nicht so schnell, nicht wahr Thessa?

(Foto: picture alliance / dpa)

Da steht sie oder er vor der Tür: "Ich wollte mich mal wieder melden.” Sie haben niemanden eingeladen (auch nicht über Facebook), sind auf Besuch weder innerlich noch äußerlich eingestellt. Was nun? Erst mal tief durchatmen, dann unter die Dusche. Der Rest findet sich.

Manchmal passt’s überhaupt nicht. Da hat man endlich mal ausschlafen können, ein arbeitsfreier Samstag liegt vor einem und lockt mit süßem Nichtstun, man ist zu faul zu allem, zum Haare kämmen, Kochen, Saubermachen. Ein bisschen kaltes Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt - das reicht fürs Erste. Man schlurft im Nachthemd durch die Gegend und hält sich am Morgenkaffee fest. Schööön! Und es klingelt an der Tür.

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Hat es etwa geklingelt???

(Foto: picture-alliance / dpa)

Zweite Variante: Man ist gerade von der Arbeit gekommen, das Büro war heiß, der Chef grantig, irgendwie lief alles nicht so richtig, nur der Schweiß. Jetzt unter die Dusche, dann noch nass in die ausgebeulte Schlabberhose und das schon leicht löchrige Lieblings-Faulenzer-T-Shirt, schnell einen Gin Tonic mixen oder einfach nur Prosecco auf Eis und 'rauf auf den Liegestuhl im Schatten! Aaah! Und es klingelt an der Tür.

Ganz wichtig: Haltung bewahren!

Hatten Sie das auch schon mal? Sicher kennen Sie noch jede Menge andere Augenblicke, in denen man lieber für sich ist und alles andere und jeder andere nur stört. In meiner Berliner Wohnung kann ich das ganz einfach händeln: durch Nichtachtung der Klingel- und Gegensprechanlage. Mein Auto verrät mich nicht, das steht irgendwo, so dass ich oft genug selbst überlegen muss, wo ich denn eine Parklücke gefunden hatte.

Aber im Sommerbungalow ist alles anders. Da steht das Auto vorm Zaun oder gleich hinter dem Gartentor, die Tür ist sperrangelweit geöffnet, Sonnenschirme sind aufgespannt. Eindeutig jemand zu Hause. "Ich wollte mich mal wieder melden…” oder "Wir sind gerade auf der Durchreise und wollten mal gucken, wie’s dir geht…” - "Na, dann komm(t) mal ‘rein…” Prozentual gesehen sind Überfälle dieser Art bei mir im Sommer (Garten) häufiger als im Winter (Stadtwohnung). Woran das wohl liegt?

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Unsere heimischen Krebse in den Flüssen sind rar geworden. Der Begriff Oderkrebs existiert nur noch im Poesiealbum. Derzeit versucht man, die edlen Scherenträger wieder anzusiedeln.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dann nimmt alles seinen Lauf: Duschen und anständig anziehen, Flaschen mit Wasser und etwas Stärkerem werden geöffnet, und das große Reden beginnt. Irgendwann bekommt jeder Hunger, aber auf Restaurant hat keiner Bock, aufs Grillen auch nicht, weil mit Arbeit verbunden.

Eine kleine Reserve kann nie schaden

Zu meinem Glück habe ich zumeist einen gut gefüllten Kühl- und Gefrierschrank und muss nicht bange hineingucken, ob sich denn da wohl was findet. Hat sich offenbar aber herumgesprochen, dass sich bei mir immer etwas Essbares findet…

Dieses Mal hatte ich drei Päckchen Flusskrebse und grünen Spargel vorrätig. (Eigentlich wollte ich ja am Wochenende "was Italienisches" ausprobieren…) "Majo” stand auch noch herum. Meine Standard-Antwort auf die Frage, was denn so alles in dem leckeren Salat sei, lautet übrigens: "Alles was weg muss!”

Probieren Sie’s doch auch mal mit meinem "Krebs-Spargel-Salat":

Zutaten (2 Personen):

250 g Flusskrebsfleisch
125 g Mayonnaise
½ Pä grüner Spargel
1 Schalotte
1 TL eingelegter grüner Pfeffer
1 TL eingelegter roter Pfeffer
1 Schluck Weinbrand
Ein paar Spritzer Limettensaft
Salz, Zucker

Zubereitung:

Die geschälte Schalotte in recht kleine Stückchen schneiden.

Das Krebsfleisch aus den Packungen nehmen und unter fließendem kalten Wasser gut abspülen. Auf Küchenkrepp gut abtropfen lassen.

Die gesäuberten Spargelstangen im unteren Drittel fein schälen, das Stielende abschneiden. Die Stangen in 2 cm lange Stücke schneiden, die Köpfe etwas länger lassen. Wenig Wasser in einem Topf zum Kochen, leicht salzen und zuckern und die Spargelstückchen hinein geben. Aufkochen lassen, vom Feuer nehmen und noch kurz ziehen lassen. Die Stückchen sollten noch bissfest sein. Durch ein Sieb geben (Brühe auffangen) und auf Küchenkrepp gut abtropfen und abkühlen lassen.

Die Brühe in den Topf zurückgeben, aufkochen und darin die fein geschnittene Schalotte 3 Minuten blanchieren. Durch ein Sieb abgießen und ebenfalls auf Küchenkrepp abtropfen und abkühlen lassen.

Je 1 gestrichenen Teelöffel eingelegten grünen und roten Pfeffer in einem Sieb unter Wasser abspülen, auf Küchenkrepp trockentupfen.

Den Pfeffer in einer Schüssel mit dem Rücken eines Teelöffels leicht andrücken. Die Mayonnaise dazugeben und verrühren. Einen Schluck Weinbrand (nicht trinken!) und einige Spritzern Limettensaft unterrühren. Das Krebsfleisch und die Spargelstückchen unterheben und alles gut vermengen. Zusätzlich Salz ist meistens nicht mehr nötig. Ein Weilchen durchziehen lassen - und fertig! Dazu schmeckt am besten frisches Weißbrot.

Ich hatte leider nur Toastbrot da, das ging auch (Und ein Päckchen Flusskrebse und ein halbes Päckchen Grünspargel für mein "Italienisches” am Wochenende war auch noch übrig).

Tipp: Lassen Sie die Zutaten wirklich gut abtropfen, der Salat wird sonst suppig. Die Zwiebel müssen Sie natürlich nicht blanchieren, es ist aber besser. Aber bleibt sie roh, sind die Stückchen im Salat etwas "knirschig".

Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich habe sehr gern Besuch, nur ganz, ganz selten eben auch mal nicht …

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Die habe ich ganz bestimmt nicht eingeladen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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