Essen und Trinken

Nektar der Aphrodite Kann denn Naschen Sünde sein?

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Anfang März am Lohrberg in Frankfurt/Main: Beladen mit den ersten Pollen dieses Jahres kehrt eine Biene zu ihrem Stock zurück.

(Foto: picture alliance / dpa)

Egal, welch lüsterne Geschichten über das sexuelle Leben im legendären Arabien oder Asien Sie kennen oder gerade lesen: Gewisse Näschereien sind immer im Spiel. Attila allerdings glaubte so sehr an die stimulierende Kraft, und natürlich an sein eigenes Vermögen, dass er im Lager seiner Neuvermählten an Herzversagen starb.

Schon lange, bevor es Zucker aus Rohr und Rübe gab, versüßte er das Leben. Er entsteht "aus der Seele der Blumen und der Arbeit der Bienen" - poetischer als Isabel Allende kann man Honig nicht beschreiben. Das Produkt emsigen Bienenfleißes wird auch Nektar der Aphrodite genannt, denn es ist nicht nur eine der wichtigsten Arzneien der Menschheit, sondern auch eines der ältesten Aphrodisiaka. Für das Wohlbefinden rundum war den alten Ägyptern Honig so wichtig, dass sie ihn ihren Toten als Wegzehrung auf die Reise in die Ewigkeit mitgaben; er war Speise der Götter und Quelle der Unsterblichkeit. Jahrhunderte später von Archäologen ausgebuddelte Grabbeigaben förderten noch genießbaren Honig zutage.

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Gilt für Groß und Klein: Naschen erlaubt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dass Honig gesund ist, weiß jedes Kind. Weil‘s nämlich die Mama weiß, und die hat‘s von der Oma. Honig enthält so ziemlich alles, was der Mensch zu einer gesunden Ernährung braucht, heilt und lindert alles mögliche. Er besteht aus über 180 verschiedenen Inhaltsstoffen, unter anderem Frucht- und Traubenzucker, Mineralstoffe, Eiweiße, Enzyme, Aminosäuren und Vitamine, und wirkt wie ein natürliches Antibiotikum. Honig nahm und nimmt man bei Fieber und Halsschmerzen, Kopfweh und Magendrücken. Heiße Milch mit Honig ist nicht nur ein probates Mittel bei Erkältungen, sondern auch ein beliebter Schlummertrunk, denn Honig hilft bei Schlafstörungen. Die Milch sollte allerdings nicht heißer als 40 Grad sein, damit die Enzyme des Honigs nicht zerstört werden.

Honig taugt aber nicht nur zur innerlichen Anwendung, sondern auch äußerlich: Er lässt durch seine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung Wunden schneller heilen. Vor allem bei Abschürfungen und leichten Verbrennungen tut er Wunder! Auch die Anwendungsmöglichkeiten in der Kosmetik sind verblüffend, das wussten schon Nofretete und auch Kleopatra, die in Honigmilch gebadet haben sollen: Die Haut wird weich und zart. Honigmassagen fördern die Durchblutung, lösen Verspannungen und stärken das Immunsystem - das ärgert die Cellulitis.

Für Babys tabu

Eines sollte man allerdings nie, absolut nie: einem Baby Honig geben! Nicht im Fläschchen, nicht am Nuckel, denn bei der Verarbeitung von Bienenhonig können Bakterien aus der Umwelt in den Honig gelangt sein. Besonders gefährlich ist für Kleinkinder bis zu einem Jahr der Erreger Clostridium botulinum, der ein lähmendes Gift bildet, das Botulinustoxin. Es tritt aus dem Darm in den Blutkreislauf über und bewirkt eine zunehmende Lähmung sämtlicher Muskeln bis zur Atemlähmung. Nur bei sehr kleinen Kindern ist es den Bakterien möglich, den Darm zu besiedeln, sich zu vermehren und ihr Gift zu bilden.

Bei älteren Kindern und Erwachsenen lässt eine stabile Darmflora den Bakterien keine Entwicklungsmöglichkeit, da ist der Honig eines der gesündesten Lebensmittel überhaupt. Mit 1,1 Kilo Honig pro Jahr und Kopf ist Deutschland der weltgrößte Honigkonsument. Aber weniger als ein Viertel kommt von heimischen Bienen, der überwiegende Teil wird aus etwa 35 Ländern importiert.

Jede Honig-Sorte hat ihre speziellen Wirkungen: Akazien-Honig dient sehr gut der Blutreinigung, Löwenzahn-Honig wirkt harntreibend. Weißdorn-Honig gilt als Herz-Freund und Rosmarin-Honig aktiviert den Zellschutz gegen freie Radikale. Lindenblütenhonig wirkt entspannend bei Kopfschmerzen und nervösen Verdauungsproblemen. Tannenhonig hilft ebenso wie andere Waldhonige bei Erkältungen und lindert Bronchitis und Halsentzündungen. Für die meisten von uns gehört ein Honigtöpfchen auf jeden Frühstückstisch. Viele Menschen süßen ihren Tee mit Honig, machen Kuchen damit noch leckerer, geben ihrem Schweinebraten oder dem Geflügel mit Honig das gewisse Etwas und eine krosse Hülle.

Süßer Bettgenosse

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Experten empfehlen auch die äußere Anwendung von Honig.

(Foto: ich-und-du/pixelio.de)

Neben der Wundheilung und Schmerzlinderung hatte Honig im  Altertum noch eine andere, nicht zu unterschätzende Aufgabe: Er süßte nicht nur Getränke und Kuchen, sondern versüßte das Liebesleben. "Gebrauchsanweisungen" wie das Kamasutra der Brahmanen, King Ping Meh aus der Ming-Dynastie oder der duftende Garten orientalischer Liebeskunst wären ohne die befördernde Wirkung des Honigs möglicherweise nie geschrieben worden. So empfiehlt Scheich Nefzaui in seinem "Duftenden Garten": "Wer sich zum Beischlaf nicht stark genug fühlt, trinke vor dem Einschlafen ein Glas dicken Honig, auch soll er zwanzig Mandeln und hundert Fichtensamen essen. Das soll er drei Tage lang tun. Er kann auch Zwiebelsamen zerstoßen, ihn durchsieben und ihn dann mit Honig vermischen. Diese Mischung ist nüchtern zu nehmen."

Der hohe Gehalt an den Vitaminen B und C und Mineralien im Pollen regen die Produktion von Sexualhormonen an. Der reichlich vorhandene Fruchtzucker gibt erschöpften Liebhabern rasch Energie zurück, weil der Körper ihn in kürzester Zeit absorbiert. Es ist also nicht verkehrt, immer ein kleines Töpfchen im Nachtschrank zu haben … Eine probate Mixtur, noch dazu ziemlich einfach, ist Ginseng-Honig. Da haben Sie gleich zwei Aphrodisiaka in einem Topf: 3 Esslöffel Ginseng-Pulver in 500 g hochwertigen Honig rühren. Kein Geringerer als der persische Arzt und Gelehrte Avicenna empfahl diese Mischung gegen Impotenz. Immerhin war sein Hauptwerk, der "Kanon der Medizin" , bis ins 17. Jahrhundert hinein eines der wichtigsten ärztlichen Lehrbücher.

Plinius, der Ältere, nannte Honig "Himmelsmedizin". Schon möglich, dass er den Siebenten Himmel meinte. Ganz fest daran glaubte offenbar Attila. Der Hunnenkönig verließ sich aber zu sehr auf die stimulierende Kraft des Honigs: Am Tage seiner Hochzeit trank er so viel Met, dass er im Brautlager an Herzversagen starb. Sehr zur Freude seiner Feinde, möglicherweise auch seiner Neuvermählten, der Germanin Ildikó. Hätte er lieber Honig-Wasser getrunken, das stärkte schon bei den antiken Olympischen Spielen die Athleten, ganz ohne Doping. Am Tode Attilas war jedenfalls nicht der Honig schuld, es war wohl eher der Dauergenuss des Honig-Weins … Ganz ohne Alkohol, dafür mit viel Honig und Liebe gebacken wird der saftige

Nuss-Honig-Kuchen

Zutaten:

11 EL flüssiger Honig
175 g Butter
100 g Mehl
125 g gemahlene Haselnüsse
4 Eier
2 EL ungeschlagene Sahne

Zubereitung:

Butter und Eier schaumig rühren. 8 EL möglichst dünnflüssigen Honig und die Sahne unterrühren. Das Mehl mit den Haselnüssen mischen und dann unter die Eimasse ziehen. Wer den Kuchen lockerer haben will, gibt dem Mehl noch einen flach gestrichenen Teelöffel Natron zu.

Eine Kastenform fetten und den Teig hineinfüllen. Im vorgeheizten Herd bei 180 Grad etwa 45 Minuten backen. Den noch warmen Kuchen aus der Form lösen, auf ein Drahtgestell legen und mehrmals mit einem Schaschlikspieß, einer Rouladennadel, einem Holzstäbchen oder auch einer Gabel einstechen. Mit den restlichen 3 EL Honig bestreichen. Es ist wichtig, dass der Kuchen noch warm ist, damit der Honig gut einzieht. Wenn der Kuchen zu stark ausgekühlt ist, bildet sich ein Honig-Film auf der Oberfläche.

Den Kuchen kann mit gerösteten Haselnüssen oder Zuckerguss und Schokolade verziert werden.

Süße Träume wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de