Essen und Trinken

Keine Feier ohne (M)eier Kein Schottenwitz

Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Die Frage ist wohl so alt wie die Menschheit und Sinnbild kontroverser Auseinandersetzungen. Ostern aber ist sowieso alles ganz anders, da ist nämlich zuerst der Osterhase da und dann das Ei - und zwar in allen Farben des Regenbogens oder kunstvoll verziert oder beides. Oder auch als Schoki.

Pro Hasen-Saison vernaschen die Deutschen mehr als 100 Millionen Exemplare der golden, lila oder anders eingewickelten hohlen Abbilder von Meister Lampe - im Gesamtwert von annähernd 100 Millionen Euro. Übrigens trotz Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Schokohasen herstellenden Unternehmen fürchten da schon eher die Konkurrenz durch Küken und Schafe, ebenfalls hohl und süß. Die drückt nämlich zunehmend und schon seit Jahren aufs Geschäft der echten und unverwechselbaren edlen Hasen. Noch beliebter als Hasen aus Schokolade sind übrigens Schoko-Ostereier.

Ostern ohne Eier geht also überhaupt nicht, egal, welcher Geschmacksrichtung. Warum das christliche Fest der Leidenszeit und der Wiederauferstehung Christi so eng mit einem Hühnerei verbunden ist, dürfte sich in Dunkel hüllen. Eier allerdings wurden schon in vorchristlicher Zeit mit dem Nahen des Frühling, des Wiedererwachens der Natur und der Fruchtbarkeit in Zusammenhang gebracht. Dass ägyptische Christen bereits im 10. Jahrhundert den Brauch hatten, zu Ostern Eier zu speisen und im Mittelalter Eier gesegnet wurden, zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Ostern und Eiern religiöser Natur ist. Und wenn man bedenkt, dass vor dem Fest der Auferstehung am Ostersonntag 40 Tage Fastenzeit liegen, und zwar ganz ohne Eier, dann dürfte klar sein, dass deren massenhaftes Auftreten auf der österlichen Festtafel bei den Mönchen der mittelalterlichen Klöster wahre Begeisterungsstürme hervorrief.

Denn Eier waren Grundnahrungsmittel in den Klöstern. Historiker berichten über die zwei Gerichte der Mönche an Werktagen - Pietanz und Generelle -, dass da durchaus insgesamt neun Eier pro Tag auf dem Speiseplan stehen konnten. An Feiertagen gab es zusätzlich Eier, zum Beispiel an Ostern morgens und abends acht Eier. Das dürfte ganz schön satt gemacht haben. Das hört sich langweilig an? Weit gefehlt, denn Mönche waren bekanntermaßen auch Feinschmecker - und so gab es denn die Eier nicht nur einfach weich oder hart gekocht, sondern gebraten oder frittiert, gefüllt oder verquirlt, mit oder ohne Kräuter, in Brühe oder in Soße, mit Fisch oder mit Schnecken, mit Brot oder mit Käse.

Eier sind also wahre Alleskönner; auch heute noch kommt keine Küche dieser Welt ohne Eier aus. Machen Sies wie die Mönche und veredeln Sie ihre hartgekochten Ostereier zu "Schottischen Eiern". "Scotch eggs" sind kein Schottenwitz (oder etwas Anzügliches, wie mein Kollege Klaus mutmaßte), sondern fester Bestandteil der schottischen Küche. Übrigens hervorragend geeignet für ein zünftiges Oster-Picknick:

Zutaten (4 Personen)
4 hartgekochte Eier
4 ungebrühte feine Bratwürste
1 Schalotte
Muskat, Pfeffer
1 Ei, getrennt
1 EL gehackte Petersilie
Semmelbrösel oder Paniermehl
Öl zum Ausbacken
 

Zubereitung:
Die abgekühlten Eier pellen. Die Fülle aus den rohen Bratwürsten herausdrücken, mit der sehr fein gehackten Schalotte (besser: gerieben), dem Eigelb, der Petersilie und 1 EL Paniermehl oder geriebene Semmel vermengen. Mit Muskat und Pfeffer abschmecken.

Die Masse in vier Portionen teilen. Diese Portionen mit nassen Händen zu flachen runden Plätzchen formen. In die Mitte jeweils 1 Ei legen und die Bratwurstfülle so über die Eier drücken, dass sie ganz umschlossen sind. Rundum schön andrücken.

Das Eiweiß in einem tiefen Teller mit einer Gabel leicht schlagen. Zuerst die Fleisch-Eier darin wenden, dann in den Semmelbröseln. In einer Friteuse oder einem hochwandigen Topf das Ausbackfett erhitzen. Die Eier darin bei Mittelhitze von allen Seiten in etwa 8 Minuten knusprig braun frittieren. Aus dem Öl nehmen und auf Küchenkrepp oder einem Gitter abtropfen lassen.

Die Schottischen Eier schmecken mit scharfem Senf sowohl warm als auch kalt. Am besten reicht man dazu ein Bier, einen frischen Salat und eine Scheibe Landbrot. Abgekühlt eignen sich die Scotch eggs hervorragend zu einem zünftigen Oster-Picknick.

Viel Spaß beim Schlemmen und bei der Eier-Suche (meine dauert drei Wochen) wünscht ihnen Heidi Driesner. Wie meine Lammkeule nach spanischem Rezept am Ostersonntag geschmeckt hat, verrate ich Ihnen nach meinem Urlaub.

Quelle: ntv.de