Essen und Trinken

In jeder Lebenslage Klein, aber oho!

Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen, heißt es im Volksmund. Seit alters her werden Kräuter und Gewürze in der Küche und in der Heilkunde verwendet. Die antiken Griechen und Römer schon kannten die Menge, die Gutes bewirkt - und natürlich auch, wie viel man nehmen musste, damit das Gegenteil erreicht wurde!

Der "Schierlings-Becher" zum Beispiel gelangte durch Sokrates zu trauriger Berühmtheit. Der griechische Philosoph wurde wegen angeblicher Gotteslästerung und schädlichen Einflusses auf die Jugend 399 v. Chr. zum Tode verurteilt und musste die Giftbrühe trinken.

Schierling war Bestandteil der "Hexensalben", die, auf die Haut aufgetragen, ein Gefühl erzeugt haben sollen, durch die Luft zu fliegen. Der deutsche Botaniker, Arzt und Prediger Hieronymus Bock (1498-1554) berichtete über die Giftwirkung der Pflanze, aber auch, dass Schierling anderweitig zu gebrauchen ist: "Das böß gifftig Schirlingskraut / soll umb seiner grossen kält willen inn leib nit genommen noch gegeben werden / Eusserlich ist es wol zu brauchen inn vilen presten / gehört zu den keuschen Ordensleuten / damit sie ihr gelübd ... mögen halte".

Noch heute findet man in der Nähe von Klöstern verwilderten Schierling, der damals in den Gärten angebaut wurde. Damit es nicht so schwer fiel, das Keuschheitsgelübde zu halten? Schließlich berichtete schon der Pharmakologe Dioskurides, der als Militärarzt im Dienste der römischen Kaiser Claudius und Nero stand, dass auf die Hoden aufgetragener Schierlingssaft vor sexuellen Träumen schützen soll.

Die Anwendung von Arzneipflanzen ist also durchaus nicht unproblematisch, denn die heilende und die letale Dosis liegen eng beieinander. Die gewollte betäubende Wirkung des Schierlings wird heute nicht mehr eingesetzt; es gibt harmlosere Medikamente. In der Homöopathie verwendet man eine Tinktur aus dem frischen Kraut bei Krampfhusten und Muskelkrämpfen.

Zum Glück gibt es aber jede Menge leckere Pflänzlein, die keine schädlichen Nebenwirkungen haben, und die im Garten (oder auch im Supermarkt) wachsen: Dill, Salbei und Pfefferminze helfen gegen Blähungen, Thymian, Basilikum und Zitronenmelisse gegen Magenbeschwerden. Auch gegen Schlafstörungen ist ein Kraut gewachsen. Sogar mehrere, u. a. Dill, Basilikum und Zitronenmelisse.

Die Pflänzchen sind gut für oder gegen alles Mögliche: Majoran hält den Teufel fern und lindert nebenbei Halsschmerzen. Muskatnuss hilft dem Liebesmüden auf die Sprünge. Thymian lockt den zukünftigen Ehemann herbei und hält Motten fern. Salbei soll übrigens weiser machen, heißt es in manchen "Hexenbüchlein". Dazu muss man die Pflanze aber bei zunehmendem Mond (wegen des zunehmenden Geistes wahrscheinlich) pflücken und auch ansonsten ein paar Rituale berücksichtigen Wenn es geholfen hat, waren's aber vermutlich nur die abgehenden Blähungen!

Weltweit gibt es rund 500 Kräuterarten in den Geschmacksrichtungen bitter, süß, scharf, erdig und herb. Gerade nach dem kalten Winter braucht der Körper einen Frischekick. Mehrere Kräuter sind zum Beispiel Bestandteil der berühmten französischen "Kräuter der Provence". Zumeist sind es die Küchenkräuter Thymian, Rosmarin, Lorbeer, Bohnenkraut. Das ist die "klassische Variante" der "Herbes de Provence". Statt Bohnenkraut kann es auch Majoran sein. Auch Basilikum, Estragon, Kerbel, Liebstöckel, Salbei, Wacholder u. a. werden verwendet, aber weniger.

Mit Thymian hat es in der Provence übrigens eine besondere Bewandtnis: Einige an die Tür gehängte Thymianzweiglein offenbarten einem jungen Mädchen die Liebe dessen, der es dort anbrachte. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist. Werde mal meinen Chef fragen, der war jetzt eine ganze Woche urlauben in der Provence.

Ich jedenfalls habe mir "meine Provence" folgendermaßen zusammengestellt: Thymian, Rosmarin, Salbei, Lorbeer. Und damit mache ich einen leckeren "Lammrücken mit Kräuterkruste". Schmeckt ganz ohne Rituale, und ich habe auch keine Warze oder einen Buckel. Nur einen schwarzen Kater

Zutaten:

600 g Lammrücken (ohne Knochen)
4 Scheiben Toastbrot
2 Knoblauchzehen
2 frische Lorbeerblätter
1 TL frische Thymianblättchen
1 TL frische Rosmarinnadeln
5 frische Salbeiblätter
1 große Zwiebel
1 Glas trockener Rosewein
2 EL Creme fraiche
Meersalz, grob geschroteter Pfeffer, frisch gemahlener Pfeffer, Olivenöl

Zubereitung:

Das Toastbrot entrinden, grob zerkrümeln. 1 Knoblauchzehe fein hacken. Die Lorbeerblätter mit einer Küchenschere fein zerkleinern. Salbei, Thymian und Rosmarin mit einem scharfen Messer fein hacken. Kräuter, Knoblauch, Brotkrumen, geschroteter Pfeffer und 8 EL Olivenöl vermischen.

Den Lammrücken mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer einreiben. Zusammen mit der geachtelten Zwiebel und der restlichen Knoblauchzehe in etwas Olivenöl von allen Seiten gut anbraten. Das Fleisch in eine Auflaufform legen und die Kräutermasse darauf verteilen. In den vorgeheizten Ofen schieben und bei 200 Grad etwa eine Viertelstunde überbacken.

Das Fleisch aus der Form heben und warmstellen. Bratenfond mit dem Wein ablöschen, kurz aufkochen und durch ein Sieb gießen. Creme fraiche unterrühren und mit heller Mehlschwitze binden. Aufkochen und evtl. mit Salz und Pfeffer abschmecken. Prinzessbohnen und Kartoffelgratin schmecken am besten zu dem rosa gebratenen Lammfleisch.

Guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de