Essen und Trinken

Auf Heinz Erhardts Spuren "Komm morgen wieder"

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Wie wir ihn lieben: Heinz Erhardt verschmitzt und hintersinnig.

(Foto: imago/United Archives)

Uns ist der Meister der Gereimt- und Ungereimtheiten ans Herz gewachsen. Und sollten österliche Reste bei Ihnen übriggeblieben sein: Heinz Erhardt hat auch das Fest der bunten Eier nicht verschont und hilft mit seinem Lieblingsessen aus.

Die Osterfeiertage sind überstanden mit all ihren Schlemmereien. Die Likör-, Krokant- und Nougateier sind vertilgt, der Festbraten auch, aber wie meistens fristen noch ein paar hartgekochte Eier ein nunmehr unbeachtetes Dasein. Und wie jedes Jahr können Sie natürlich aus den übrig gebliebenen bunten  Eiern wieder einen Eiersalat zaubern, der geht immer. Es geht aber auch anders, wenn wir mal im Baltikum eine Anleihe aufnehmen, genauer gesagt bei unserem unvergessenen Zwerchfellerschütterer Heinz Erhardt.

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Heinz Erhardt ohne Hornbrille? Undenkbar!

(Foto: imago stock&people)

Was viele nicht wissen: Der deutsche Erzkomödiant Heinz Erhardt wurde 1909 als Spross einer zu Amt und Würden gekommenen baltendeutschen Familie in Riga geboren. Die Erhardts aus der deutschen Pfalz waren 1760 dem Ruf Katharina der Großen gefolgt und siedelten in der damals russischen Ostseeprovinz Livland. Später gehörten sie zur Oberschicht des unter russischer Herrschaft stehenden Landes. Auch nach Gründung der Republik Lettland im Jahre 1919 saßen die Erhardt an den Schalthebeln der Macht: Heinz Erhardts Onkel Robert war Finanzminister und sein Großvater Jacob Bürgermeister von Riga. Der lebenslustige Vater Gustav war etwas aus der Art geschlagen, er war Musiker und Kapellmeister; von ihm wohl hat der Heinz sein musikalisches und komödiantisches Talent geerbt. Das Besondere an Heinz Erhardt war, dass er aus jeder Situation etwas Besonders machen konnte, auch Feiertage wurden nicht verschont:

"Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzen lässt?
Das war noch nichts: zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!
Nun freu ich mich auf Pfingsten –
nicht im geringsten!"

Deutsche Touristen können sich heute auf die lettischen Spuren von Heinz Erhardt begeben. In Riga werden geführte Heinz-Erhardt-Touren angeboten, die Stationen in seinem Leben erkunden: die Schule, das ehemalige deutsche Theater, Lieblingscafés. Heinz Erhardt betrachtete Riga immer als seine Heimat; hier habe er seine schönsten Jahre verbracht, sagte er. Das 1201 gegründete Riga war über 800 Jahre später, nämlich 2014, europäische Kulturhauptstadt. Reichlich 60 Kilometer von Riga entfernt wird im Kemeri-Nationalpark ebenfalls an den beliebten Komiker, Schauspieler, Kabarettist, Musiker, Komponist und Dichter erinnert. Im heutigen Erholungspark "Valguma Pasaule" stand einst die Pension "Amarnieki", die der Familie Erhardt gehörte. Hier verbrachte Heinz Erhardt eignen Aussagen zufolge seine glücklichsten Ferien. Zu Sowjetzeiten war das Gelände übrigens Sperrgebiet: UdSSR-Ministerpräsident Alexej Kossygin hatte hier seinen Landsitz.

Noch’n Gedicht?

Nee, lieber was Anständiges auf'm Teller! Heinz Erhardts lettisches Lieblingsgericht sollen mit Fleisch, Speck, Eiern und Zwiebeln gefüllte Pfannkuchen gewesen sein. Glaubt man sofort! Warum diese schweren Pfannkuchen in Lettland "Komm morgen wieder" heißen, weiß wohl niemand. Weil sie so gut schmecken? Zumindest sind die "Komm-morgen-wieder" ein kulinarisches Mosaiksteinchen in Heinz Erhardts lettischen Fußtapfen, augenzwinkernd selbstredend.

Die lettische Küche ist insgesamt recht herzhaft und absolut nichts für Kalorienzähler. Wichtig sind Fischgerichte, frisch, getrocknet oder geräuchert; von Fisch verstehen die Letten, wie alle Balten, wirklich viel. Milchprodukte, und hier insbesondere Quark und saure Sahne, sind so gut wie unverzichtbar. Beides findet sich sowohl bei pikanten als auch bei süßen Speisen wieder, zum Beispiel beim beliebten Moosbeeren-Dessert "Debessmanna", auf Deutsch "Himmelsspeise". Schmeckt übrigens auch mit Blaubeeren. Man liebt Schweine-, Lamm- und Rindfleisch, dazu jede Menge selbst gesammelte Beeren und Pilze. Die Suppen sind solide – mit Gemüse, Brot oder Milch. "Sauer macht lustig", heißt es wohl auch in Lettland, denn typisch ist eine gewisse Vorliebe fürs Säuerliche. Sauerkraut zum Beispiel zählt zu den Favoriten auf dem Teller. Zudem werden fast alle Gerichte großzügig mit Sauerrahm abgeschmeckt. Bei den Gewürzen steht der Kümmel an erster Stelle und bei frischen Kräutern nimmt Dill diesen Platz ein. Zu vielen Speisen wird Brot gereicht, typisch ist ein kräftig schmeckendes, dunkles Roggenbrot.

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Die lettische Hauptstadt Riga war 2014 Europas Kulturhauptstadt.

(Foto: imago/McPHOTO)

Wenn auch die Letten die Eigenständigkeit ihrer Küche betonen, fremde Einflüsse sind nicht zu verleugnen. Jahrhundertelang lag das Baltikum unter Fremdherrschaft; das prägt auch die lettische Speisekarte bis heute. Den Deutschen schreibt man die lettische Vorliebe für Sauerkraut sowie geräucherten Fisch zu. Herzhafte Wildgerichte erinnern an polnische Traditionen. Die meisten Zutaten aber brachte Russlands Küche ein, so sind Borschtsch und Blini aus Lettland nicht wegzudenken. Russische Wurzeln haben auch die lettischen Teigtaschen aller Art, ob Pelmeni, Piroggen oder Pfannkuchen. Sie alle werden am liebsten mit allem Möglichen gefüllt, süß oder pikant: Beeren, Quark, Hackfleisch, hartgekochte Eier, Kartoffeln oder Käse. Getrunken wird natürlich russischer Wodka, und das nicht zu knapp. Typisch lettisch allerdings ist der berühmte "Balzams", des Landes abgründig und dunkel schimmerndes Nationalgetränk. Der Rigaer "Black Balsam" ist ein bittersüßer Schnaps aus Kräutern, Wurzeln und Blüten, unter anderem Lindenblüten, Birkenknospen, Baldrian, Heidel- und Himbeeren, Ingwer, Muskat und Pfeffer. Das Geheimrezept soll aus dem Jahre 1752 stammen. Das schwarze Gesöff mit einem Alkoholgehalt von 45 Volumenprozent wird pur getrunken, aber auch zum Kaffee oder gemischt mit Wodka oder Obstbränden. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, doch die 24 verschiedenen Kräuter helfen wunderbar beim Verdauen der zumeist schweren lettischen Speisen. Aber Vorsicht: Viel hilft nicht viel, im Gegenteil: Das Essen könnte sich eventuell auf den Rückweg ans Tageslicht machen. 

"Komm-morgen-wieder"-Pfannkuchen

Zutaten (4 Pers):

Teig:
250 g Weizenmehl
2 Eier
½ l Milch
1 Prise Salz
Öl zum Braten

Füllung:
400 g Hackfleisch
2 Zwiebeln
2 hartgekochte Eier
2 EL gehackte Petersilie
100 ml Fleischbrühe
Salz, schwarzer Pfeffer
etwas Öl oder Butter, Paniermehl

Zubereitung:

Für die Füllung Öl oder Butter zerlassen und die gehackten Zwiebeln glasig anschwitzen. Das Hackfleisch dazugeben und krümelig anbraten. Mit der Fleischbrühe auffüllen und leicht köchelnd etwas reduzieren. Es soll eine geschmeidige Masse entstehen. Kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Eier hacken und zusammen mit der Petersilie unter die Farce mischen. Beiseite stellen.

Ein Holzbrett oder eine andere, genügend große Unterlage leicht mit Paniermehl bestreuen.

Aus den genannten Zutaten einen Teig herstellen. Davon immer nur so viel in eine gefettete Pfanne geben, dass der Teig breit läuft. Die dünnen Pfannkuchen werden bei Mittelhitze nur auf einer Seite gebacken. Die untere Seite sollte leicht gebräunt sein, die obere trocken. Die fertigen Pfannkuchen auf ein Brett stülpen mit der oberen, ungebackenen Seite nach unten. In die Mitte der nun oben liegenden gebackenen Seite 1 bis 2 EL der Füllung geben und den Pfannkuchen wie ein Päckchen falten: erst beide Seiten, dann oben und unten einschlagen. Auf das mit Paniermehl bestreute Brett legen und so fortfahren, bis Teig und Farce aufgebraucht sind.

Sind alle Päckchen fertig, werden sie vor dem Essen unter mehrmaligem Wenden in Butter behutsam gebraten, bis sie knusprig sind. Dazu werden ein grüner oder gemischter Salat und natürlich saure Sahne gereicht.

Ursprünglich werden "Komm-morgen-wieder" aus übriggebliebenem Suppenfleisch hergestellt, das mit Speck und Zwiebeln durch den Fleischwolf gedreht und unter Zugabe von Brühe zu einer Farce vermengt wird. Man kann natürlich auch extra etwas Schweine- und Rindfleisch für die Füllung kochen. Die restliche Brühe wird gern zu den "Komm-morgen-wieder" getrunken. Und sollte mal ein paar Päckchen übrig bleiben: Sie schmecken auch kalt beim Picknick. Und natürlich den "Balsam" nicht vergessen!

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de