Essen und Trinken

Ein letztes Mal … Lass los, Cowboy!

Jeder Abschied ist ein kleines Sterben, sagen die Franzosen. Ob Edmond Haraucourt (1854-1941) aus dieser melancholischen Wahrheit sein „Rondel de l‘adieu“ dichtete oder der Spruch erst nach seinem „Abschiedskarussell“ mit den Eingangsworten „Partir c'est mourir un peu“ (Fortgehen, das heißt ein wenig sterben) in aller Munde war, weiß ich nicht.

Jedenfalls ist das ein recht trauriges Sprichwort. Immer lässt man ein wenig von sich selbst zurück, um es mit Haraucourt zu sagen, zu jeder Zeit und an jedem Ort ein kleines Stückchen von der eigenen Seele.

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Endlich kein krummer Rücken mehr beim (sinnlosen) Kampf gegen das Unkraut!

(Foto: picture-alliance / dpa)

Und doch: In jedem Abschied steckt auch ein Neubeginn: Nach der Saison ist vor der Saison! Das Gras ist ohnehin schon grau und mir fällt ein, dass ich mal wieder vergessen habe, mir einen Friseurtermin zu besorgen. Der nächste Sommer kommt ganz bestimmt!

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Das war's Jungs für diesen Sommer. Macht schön das Feuer aus und kommt gut über den Winter.

(Foto: picture-alliance / dpa)

So denke ich zwar wehmütig, wenn ich dieses verflixte viele Linden-Laub im Garten zusammenharke, daran, dass ich von meiner „Sommerresidenz“ bald Abschied nehmen muss, frohlocke aber gleichzeitig, dass eine Berliner Wintersaison  auf mich wartet - ganz ohne Laub und Unkraut, dreckige Füße und abgebrochene Fingernägel, nur mit Oper und Philharmonie, Schaumbad und ‘ner warmen Wohnung!

Das tröstet mich dann darüber hinweg, dass ich ein paar Monate auf das Cowboy-Feeling von Freiheit und Lagerfeuer verzichten muss.

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Ich besorge mir jetzt Termine beim Friseur und der Kosmetikerin!

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Und so wird dann am Wochenende für mein „Mädchen-Herbst-Brunch“ mit Karla und Martina der Kräuter-Garten noch einmal richtig geplündert: Rosmarin und Salbei wachsen da, Lorbeer und Bergbohnenkraut, Thymian, Oregano und Majoran, Lavendel, Minze, Basilikum und Melisse und noch so einiges.

Das dürfte doch für einige selbstgemachte Leckerbissen reichen: Es gibt Kräuterbutter, Pesto und tzaziki, gebackenen Schafskäse, Auberginenpüree und diverse Blattsalate, natürlich Insalata Caprese, frisches weißes und dunkles Brot - und als Höhepunkt prangt in der Mitte des Tisches ein wunderbarer Pot-au-feu (am "Tag danach" gibt’s allerdings nur BBP, auch als Bauch-Beine-Po-Gymnastik berüchtigt):

Zutaten (4 Personen):

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Also ...NACH einer Portion Pot-au-feu kriege ich das in der Badewanne nicht mehr so hin.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

250 g Kalbsbrust
250 g Schweinerippchen
1 Beinscheibe vom Rind
250 g Lammschulter
½ Suppenhuhn
4 kleine Markknochen
2 cl Cognac
4 Möhren
4 kleine Tomaten
½ Sellerieknolle
2 weiße Rüben (Teltower Rübchen)
2 große Zwiebeln
2 Lauchstangen (Porree)
3 Knoblauchzehen
Glatte Petersilie
1 Bouquet garni: Thymian, Rosmarin, Bohnenkraut, Salbei, Petersilie, Lavendel, frische Lorbeerblätter, Minze
Meersalz, 10 schwarze Pfefferkörner, 5 Wacholderbeeren

Zubereitung:

In einem großen Topf 3 Liter kaltes Wasser mit den gesäuberten Markknochen ansetzen. Aufkochen und abschäumen.

Alle Fleischsorten säubern, in grobe Stücke teilen und dem kochenden Wasser zugeben. Aufkochen und abschäumen. Die geschälten Knoblauchzehen, die Pfefferkörner und die Wacholderbeeren sowie Salz zugeben. Wenn Sie keine frischen Lorbeerblätter haben, jetzt auch die getrockneten (etwa 3) zufügen. Alles etwa 2,5 Stunden auf geringer Hitze köcheln lassen. Die Brühe immer wieder abschäumen.

In der Zwischenzeit das Gemüse und die Kräuter säubern und putzen. Die Möhren der Länge nach vierteln oder achteln, die Rübchen vierteln oder halbieren, die Zwiebeln vierteln, den Sellerie in grobe Stücke schneiden, den Lauch in dicke Ringe schneiden. Von den Tomaten nur den Stielansatz herausschneiden, ansonsten ganz lassen.

Nach etwa 2,5 Stunden das Gemüse wegen der unterschiedlichen Kochzeit der Reihe nach in die siedende Brühe geben: Zuerst die Möhren und das Kräutersträußchen, dann die Rübchen, die Zwiebeln und den Sellerie, zum Schluss Lauch und Tomaten. Leicht sieden lassen, bis alle Gemüsesorten weich sind (noch etwa eine halbe Stunde).

Nach Beendigung der Garzeit Fleisch und Gemüse vorsichtig aus der Brühe heben. Die Brühe entfetten und durch ein Sieb geben. Das Kräutersträußchen entfernen.

Das Fleisch und die Markknochen (das Mark sollte sich noch in den Knochen befinden) in der Mitte einer gut vorgewärmten Platte anrichten, ringsherum das Gemüse nach Sorten getrennt legen.

Die Brühe mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer sowie dem Cognac abschmecken und in eine Terrine füllen. Die Petersilie hacken und darüber streuen.

Jeder Gast legt sich selbst von dem Fleisch und dem Gemüse etwas in einen tiefen Teller, löst das Fleisch von den Knochen und schöpft die Brühe darüber.  Es ist zwar ein wenig komplizierter, die Teile dieses herrlichen französischen Eintopfes getrennt auf den Tisch zu bringen als alles zusammen in einem Topf, aber der Reiz dieser Art des Servierens besteht darin, dass sich jeder Gast die Zusammensetzung, die ihm am besten schmeckt, selbst wählen kann.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Tipp: Wer keine Teltower Rübchen hat nimmt stattdessen Petersilienwurzeln, Kohlrabi oder aber auch einen kleinen Wirsing- oder Weißkohlkopf.

Viel Spaß mit dem bunten Herbst wünscht Ihnen Heidi Driesner. Übrigens ist Laubfegen auch etwas für "BBP"...

Quelle: ntv.de