Essen und Trinken

Mädels mit dem Gespür für Extras Männer lieben sie

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"Bei Pellmännern in Butter werde ich schwach", bekennt die Rheinische Kartoffelkönigin von 2006, Kristine Dahmen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mal sind sie schmal und schlank, mal etwas kurviger. Sie bieten Raffiniertes, und es versteht sich von selbst, dass sie heiß begehrt sind. Doch auch die schlichten Naturen haben ihre Verehrer: Wer sagt denn, dass "Hausmannskost" langweilig sein muss?

Sie heißen Selma oder Sieglinde, Lolita oder Linda, Bettina oder Birgit - es gibt etwa 100 dieser "Golden Girls” in Deutschland; weltweit sind es rund 5000 verschiedene Kartoffelsorten.

Die bescheidene Erdfrucht sieht nicht danach aus, aber sie hat’s faustdick hinter den Augen! Ihre raffinierte Vielseitigkeit macht sie zu einem wahren Bodenschatz und zum Liebling Deutschlands. Männer wagen alles für sie und gehen sogar "Bratkartoffelverhältnisse” ein…

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Ann-Kathrin zeigt edle Kartoffelsorten: (l-r) Cherie, Sieglinde, La Ratte, Naglerner Kipfler und Vitelotte Chinatrüffel.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Dennoch sinkt infolge eines Überangebots auch anderer Nahrungsmittel hierzulande der Verbrauch an Kartoffeln - er ist heute über vier Mal niedriger als vor hundert Jahren. Heute verzehrt ein Bundesbürger knapp 60 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr, 1900 dagegen waren es rund 270 Kilogramm pro Person. Noch in den 50er Jahren lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei über 150 Kilo. Die derzeitigen Verbrauchszahlen verschieben sich allerdings eindeutig in Richtung "veredelter" Knollen: Der Verbrauch an unbearbeiteten Kartoffeln in Deutschland beträgt nur noch etwa 27 Kilo pro Jahr und Kopf, während der Anteil der bearbeiteten Kartoffeln am Gesamtverzehr auf etwa 34 Kilogramm gestiegen ist. Damit liegt der Verbrauch sogenannter Kartoffelprodukte höher als an frischen.

Das ist schade, denn eine frische tolle Knolle ist gesund und bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, sie immer irgendwie anders auf den Tisch zu bringen. Genauso vielfältig sind die Namen, die wir für Kartoffeln haben. Bunt sind nicht nur die Bezeichnungen für die Kartoffelsorten, sondern auch der Name der "Kartoffel an sich" ist ganz schön verwirrend.

Das "Gold der Inkas"

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In Pilgramsreuth, einem Dorf nahe der oberfränkischen Stadt Rehau, steht das Denkmal für den Bauern Hans Rogler. Er soll 1647 als erster in Deutschland auf seinem Feld Kartoffeln angebaut haben.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die Inkas legten den Grundstein für die Namensfülle. Deren "papas" machten die spanischen Eroberer, die das "Gold der Inkas" im 16. Jahrhundert nach Europa brachten, zu "batatas", woraus die Engländer "potatoes" machten. Auch die spanischen, portugiesischen, griechischen und arabischen Bezeichnungen für "Kartoffel" erinnern noch heute daran. Die Italiener nannten die Kartoffeln im 16. Jahrhundert "tartufoli", weil die erdigen braunen Dinger kleinen Trüffeln ähnelten. Daraus wurde die deutsche Bezeichnung geboren, und über "tartuffel", "artuffel" und "artoffel" wurde schließlich das hochdeutsche "Kartoffel", erstmals so 1793 in einem Wörterbuch aufgeführt. Die heutigen Italiener vermengen allerdings nicht mehr Kartoffeln und Trüffeln, sie machen da auch sprachlich feine Unterschiede zwischen "patata" und "tartufo".

Bei der einfachen Bezeichnung "Kartoffel" ist es im Deutschen aber nicht geblieben, es gibt regional die tollsten Bezeichnungen. Die in etlichen deutschen Bundesländern und in Österreich gebräuchlichen "Erdäpfel" finden sich auch im Niederländischen als "aardappel" und in der deutschsprachigen Schweiz als "Härdöpfel" wieder.

Von Arpel bis Töfte

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Wieder zu großer Beliebtheit gelangt: die schlichte Pellkartoffel, regional auch "Pellmann" genannt.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die "Erdäpfel" lassen sich noch als Übersetzung des französischen "Pommes de terre" erklären, auch die pfälzische "Grumbeer" (Grundbirne) erscheint logisch, wenn man an Form und Pflanzstelle der Kartoffel denkt. Aber in Österreich liebt man auch Eachtling und Bramburi, in der Schweiz Hampere und Gummeli - und in Deutschland reichen die Bezeichnungen von Arpel im Erzgebirge über Bodabira in Schwaben bis zu Nudel und Töfte im Norden. Dazwischen tummeln sich noch Schocken, Mäusle, Klötzchen und Tuwecken. Kaum ein anderes Lebensmittel wird mit so vielen Namen bedacht wie die Kartoffel. Jede Gegend und jede Mundart hat ihren eigenen Knollennamen. Und was dem einen seine Bratkartoffeln, sind dem anderen die "Blechgrumbeere", irgendwie ähnlich, aber doch ganz anders:

Zutaten (4 Personen):

1 kg rohe Kartoffeln (oder eben Grumbeere)
150 g geräucherter Schweinebauch, durchwachsener Speck o. ä.
etwas Öl
Salz, Pfeffer, Majoran

Zubereitung:

Den Speck recht fein würfeln. Ein Backblech mit etwas Öl einfetten. Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden.

Die rohen Kartoffelwürfelchen auf dem gefetteten Blech verteilen. Mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und gerebeltem Majoran würzen. Darüber die Speckwürfelchen verteilen und im vorgeheizten Backofen bei 220 Grad goldgelb und knusprig braten.

Frisch aus dem Ofen servieren und einen gemischten Salat oder Tomatensalat sowie ein kühles Bier dazu reichen.

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(Foto: Michael Dettmer/pixelio.de)

Viel Vergnügen mit den vielseitigen Mädels wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de