Essen und Trinken

Wenn das Programm umschaltet Mehr Sex reicht nicht

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Es wird wärmer: Frühlingsgefühle am Rheinufer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Endlich ist es soweit: Der Winter kann uns mal! Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen versetzen uns in einen wahren Glücksrausch. Gute Laune, selbst wenn der Chef meckert. In uns ist ein Kribbeln, das sich Bahn bricht: Sex oder Shopping-Tour?

Da ist sie wieder, die alljährlich im Frühjahr wiederkehrende Aufforderung, der sich keine der bunten Zeitschriften und kaum eine der Leserinnen verschließt: Weg mit dem Winterspeck! Und so stehen selbst die Gertenschlanken mit kritischem Blick vor dem Spiegel, suchen die über den Winter (angeblich) abhanden gekommene "Bikini-Figur" und verfluchen Dominosteine, Stollen und Gänsebraten. Dabei ist es eine Tatsache: Man nimmt nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern immer nur zwischen Neujahr und Weihnachten. Die Eifrigsten unter uns hatten bereits zum Jahreswechsel das Zauberwort "abnehmen" auf den Zettel mit den guten Vorsätzen für 2014 geschrieben (wie für 2013, 2012 … auch). Und inzwischen aufgegeben, wie schon 2013, 2012 …

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Das Leben im Frühling wird bunter und aufregender.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch der Vorsatz, sich mehr zu bewegen, bleibt oft auf der Strecke. Wer gesund abnehmen will, muss 2000 Kilokalorien pro Woche zusätzlich verbrennen - regelmäßiges Treppensteigen reicht dafür nicht aus. Dafür muss man nämlich drei Stunden joggen! Gerade mal 1000 Kilokalorien werden verbraucht, wenn man 35 bis 40 Etagen die Treppe hochläuft. Sportwissenschaftler halten dreimal in der Woche 20 Minuten Krafttraining plus 30 Minuten Fettverbrennungstraining (joggen oder Rad fahren) für angeraten. Kombiniert mit eiweißreicher sowie fett- und kohlenhydratarmer Ernährung lasse sich so eine Bikini-Figur modellieren. Dazu braucht man allerdings einen eisernen Willen und Zeit.

Mehr Sex ist zum Erlangen der Traumfigur übrigens ebenso  wenig ausreichend wie mehr Treppen steigen: Wissenschaftler der Universität Québec im kanadischen Montréal haben per Versuch herausgefunden, dass beim Sex deutlich weniger Kalorien verbraucht werden als beim "normalen" Ausdauersport. 21 heterosexuelle Paare zwischen 18 und 35 Jahren mussten unter Aufsicht eine halbe Stunde in gemäßigtem Tempo joggen. Den Liebesakt durften sie in den eigenen vier Wänden vollziehen (ohne Aufsicht). Anschließend wurde verglichen, bei welcher Anstrengung der Körper mehr Energie verbrauchte. Während der 30-minütigen Laufeinheit verbrannten die Männer im Durchschnitt 276 Kilokalorien (9,2 kcal/Minute) und die Frauen 213 Kilokalorien. Beim etwa 25-minütigen Sex lag dieser Wert deutlich niedriger: Männer bauten hierbei 101 Kilokalorien (4,2 kcal/Minute) ab, ihre Partnerinnen kamen gerade einmal auf 69 verbrauchte Kilokalorien.

Sex wird ohnehin überschätzt. Zwar rufen die Frühlingsgefühle im Menschen den Drang nach Bewegung hervor, doch überraschenderweise rangiert Sex da unter ferner liefen, zumindest hierzulande: Laut einer Emnid-Umfrage verspüren 81 Prozent der Bundesbürger mit dem Aufkeimen in der Natur Lust auf Sport im Freien. 61 Prozent packt das Fernweh. Nur 45 Prozent empfinden eine besondere Sehnsucht nach Sex, wobei Männer sich mehr zur Zweisamkeit hingezogen fühlen als Frauen. Von denen wollen immerhin 45 Prozent im Frühling gern einen Einkaufsbummel machen. Kleiner Tipp: Vorher kritisch in den Spiegel schauen ...

Gegen eine Kombination von mehr Sex, mehr joggen, mehr Hanteln und mehr Eiweiß ist natürlich nichts einzuwenden. In diesem Falle stimmt’s wirklich: Viel hilft viel.

Umschalten von Grau auf Grün

Positiv ist, dass unser Körper im Frühjahr unseren Abnehmwünschen entgegenkommt. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beginnen unsere Hormone, im Frühlingsrhythmus zu wirbeln: Das Programm schaltet komplett um auf Frühjahrs-Grün. Im Winter-Grau schüttet der Körper verstärkt Melatonin aus. Das Hormon aus der Zirbeldrüse im Gehirn macht müde und hungrig und drückt die Laune. Die Endorphine dümpeln nur so vor sich hin, weil's an Sonne fehlt.

Um nicht ganz dem Trübsinn zu verfallen, braucht der Körper den Melatonin-Gegenspieler Serotonin, der im Gehirn mit Hilfe des Eiweißbausteins Tryptophan gebildet wird. Tryptophan allerdings müssen wir mit der Nahrung aufnehmen: Weizen, Hafer, Reis, Hartkäse und Nüsse. Auch Schokolade; der Zucker darin lässt den Insulinspiegel ansteigen. Das Insulin seinerseits sorgt dafür, dass mehr Tryptophan ins Gehirn gelangt. Dazu kommt, dass Fett kurzzeitig die Tryptophan-Konzentration im Blut erhöht - und schwuppdiwupp haben wir mehr Serotonin gegen das Melatonin. Und dank Zucker und Fett mehr Winterspeck auf den Hüften.

Mit dem Frühling wird alles anders: Wir sind nicht mehr auf Fett und Zucker angewiesen, um Serotonin zu bilden, weil das Sonnenlicht für mehr Endorphine sorgt. Diese körpereigenen Opiate versetzen uns in einen "Rausch": Wir stecken voller Energie und die Gefühle schlagen Purzelbaum. Der Körper produziert weniger Melatonin und die Stimmung steigt - der Hunger auf Fettes und Süßes lässt nach. Die beste Zeit, den Winterballast loszuwerden und zwar mit eiweißreicher Kost aus leichten Zutaten, kombiniert mit frischen Kräutern und den Stoffwechsel ankurbelnden Gewürzen. Gönnen Sie sich dazu ein Glas Weißwein, denn ein Glas Bier liefert 20-mal so viele Kohlenhydrate wie die gleiche Menge Weißwein:

Frühlingsspieße

Zutaten (2 Pers):

400 g Putenfleisch
1 Stange Lauch
200 g Chinakohl
200 g Zuckerschoten
1 fingerdicke Scheibe Ingwer
1 Knoblauchzehe
3 Zweige Thymian
4 EL Sojasauce
3 EL Olivenöl
etwas Gemüsebrühe
2 EL Reiswein oder Sherry medium
1 EL Zitronensaft
1 Msp Wasabi, Salz, Kresse

Zubereitung:

Fleisch und Porree säubern und putzen. Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden, das Weiße vom Porree in ca. 2 cm dicke Ringe. Fleisch und Porree (die Porreeringe quer) auf Holzspieße stecken. Knoblauch und Ingwer fein hacken, die Thymianblättchen abstreifen und alles unter die Sojasauce rühren. Damit die Fleischspieße 20 bis 30 Minuten marinieren.

In der Zwischenzeit das Gemüse putzen und klein schneiden. In 1 EL Öl 2 Minuten anbraten, mit wenig Gemüsebrühe oder Wasser ablöschen, leicht salzen und 15 Minuten leicht dünsten. 1 EL Öl, Reiswein oder Sherry, Zitronensaft und Wasabi verrühren, unter das Gemüse mischen und den Topf vom Feuer nehmen.

Die Spieße aus der Marinade nehmen, abtupfen und in 1 EL Öl rundum braten. Die fertigen Spieße auf dem Gemüse anrichten und alles großzügig mit Kresse bestreuen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de