Essen und Trinken

Jeden Tag neu - und anders Mein Verhältnis mit Laura

Sie hat ansprechende Formen, kommt relativ zeitig aus dem Bett, ist sozusagen handfest, jedenfalls nicht verweichlicht. Wegen ihres Aussehens nenne ich sie "meine rote Königin".

Mein Verhältnis zu Laura ist kein Bratkartoffelverhältnis, das möchte ich vorausschicken. Denn ein solches ist nach allen Deutungen der Redensart eine kürzere lose Liebesbeziehung, die Männer eingehen, denen es mehr um ein gutes Essen und gelegentlich ein warmes Bett geht als um Liebe.

Ich aber will Laura eigentlich treu sein, obwohl auch Arkula, Christa und Rosara nicht von schlechten Eltern sind. Ab und zu wende ich mich auch Linda oder Adretta zu. Manchmal ist Laura eben einfach nicht zu kriegen, und so muss ich dann andere Kartoffeln kaufen.

Die Güte einer Kartoffel nämlich entscheidet über die Güte der Speise, die daraus entsteht. Bisher haben Wissenschaftler mehr als 200 verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen. Mit 60 bis 80 Prozent steht dabei Wasser an erster Stelle. Im Rest stecken durchschnittlich 17 Prozent Stärke, zwei Prozent Eiweiß sowie Mineralien und Vitamine. Schon eine Portion von dem gesunden Gemüse deckt zum Beispiel die Hälfte des Tagesbedarfs eines Erwachsenen an Vitamin C.

Warum Kartoffeln meistens Frauennamen bekommen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht weil es "die" Kartoffel heißt? Oder weil nicht wenige ihrer Eigenschaften - Formen, Augen, Fleischfarbe, Reife - auch bei Frauen geschätzt werden? Derzeit sind jedenfalls allein in Deutschland 176 Sorten als Speise-, Stärke- oder Veredlungssorten zum Handel zugelassen.

Auch der Kochtyp einer Kartoffel ist entscheidend für das Gelingen von Kartoffelgerichten, die es ja bekanntlich wie Sand am Meer gibt. In Deutschland wird unterschieden zwischen "fest kochend", "vorwiegend fest kochend" und "mehlig kochend". Fest kochende Kartoffeln bleiben immer gut in Form und eignen sich für alle Gerichte, bei denen ein Auseinanderfallen der Knolle unerwünscht ist: Bratkartoffeln, Gratins, Aufläufe, Puffer, Rösti, feste Salzkartoffeln sowie Pellkartoffeln zum Beispiel für Salate.

Am beliebtesten sind wohl die vorwiegend fest kochenden Kartoffeln (bei mir übrigens auch). Sie sind universell einsetzbar und platzen beim Kochen ein wenig auf, ohne ganz auseinander zu fallen. Mir gefallen Salz- und Pellkartoffeln aus ihnen besser als aus fest kochenden Kartoffeln. Sie sind überall da zu verwenden, wo man auch fest kochende Sorten nehmen kann, außerdem noch für Suppen und Eintöpfe sowie zum Grillen und Backen.

Mehlig kochende Kartoffeln brechen beim Kochen großzügig auf und fallen leicht auseinander. Durch den hohen Stärkegehalt haben sie einen eher trockenen Charakter (verlockend für Soßen-Fans). Wer mehlige Pell- und Salzkartoffeln mag bevorzugt solche Sorten. Bestens geeignet sind sie für Klöße, Püree, auch Eintöpfe und Suppen.

Jetzt aber zurück zum "Bratkartoffelverhältnis". Da habe ich ein leckeres Rezept für Sie, was auch noch ein bisschen an den (schon viel zu lange) zurückliegenden Italien-Urlaub erinnert: Rosmarin-Bratkartoffeln.

Zutaten:

500 g fest oder vorwiegend fest kochende Kartoffeln
5 ungeschälte Knoblauchzehen
2 Rosmarinzweige
Olivenöl
Salz (möglichst Meersalz) und Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Die rohen Kartoffeln schälen und in gleichmäßige Stückchen schneiden (ca. 1,5 mal 1,5 cm). Das Öl (ca. 8 bis 10 EL) in einer großen Pfanne erhitzen. Die Pfanne sollte wirklich nicht zu klein sein, damit die Kartoffeln nicht zu sehr übereinander liegen.

Die Kartoffelstücken gleichmäßig darin verteilen. Ab und zu wenden und so lange braten, bis sie ringsherum knusprig sind. Den ungeschälten Knoblauch dazugeben und so lange braten, bis die Kartoffelwürfel schön goldbraun sind. Die Nadeln von den beiden Rosmarinzweigen fein hacken. Den Knoblauch entfernen, den Rosmarin dazugeben, salzen und pfeffern. Alles noch schön durchziehen lassen und dann servieren.

Dazu schmeckt Gebratenes und Gegrilltes. Ich bevorzuge diese Art von Bratkartoffeln allerdings als Hauptgericht. Dann einfach die doppelte Menge nehmen. Für 4 Personen muss es schon ein Kilo Kartoffeln sein.

Viel Spaß und guten Appetit wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de