Essen und Trinken

Die schönste Mahlzeit des Tages Morgenstund... und der Rest kann kommen

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Leckere Morgenstunde mit Barbara Haider, Dani Terbu, Antonia Kögl und Benedikt Steinle (v.l.).

(Foto: ©Arnold Pöschl)

Was holt Sie am Wochenende eigentlich aus dem Bett? Die Sonne, der Rasenmäher des Nachbarn oder die Aussicht auf ein leckeres Frühstück? Zumindest Letzteres löst auch an einem regenverhangenen Morgen wahre Glücksmomente aus.

Frühstück ist nicht gleich Frühstück. In der Woche läuft einem die Zeit davon, da muss es vor Arbeit, Uni oder Schule eins-fix-drei gehen – wer hat da Muße für ein ausgiebiges Frühstück? Zwar rücken Wissenschaftler inzwischen ab von der These, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages, und machen denjenigen, die ohne zu essen am Morgen das Haus verlassen und sich dennoch fit für den Tag fühlen, kein schlechtes Gewissen mehr. Allerdings kann zum Beispiel ein Frühstück für stabile Blutzuckerwerte von Vorteil sein und bei Kindern wird es schwierig, ohne Frühstück eine ausreichende Energiezufuhr über den Tag sicherzustellen. Auch wer sich von Montag bis Freitag keine Zeit nimmt für die erste Mahlzeit des Tages, freut sich meistens auf ein perfektes Frühstück in der Ruhe eines Wochenendes mit viel Zeit für anregende Gespräche in der Familie oder mit Freunden. Und wenn auch das Frühstück nicht die wichtigste Mahlzeit des Tages sein sollte – die schönste Mahlzeit eines Tages ist es allemal.

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Alles drin, was ein gutes Frühstück braucht: "Morgenstund" aus dem Pichler Verlag.

(Foto: ©Pichler Verlag)

Die Stimmung ist gut, man vergisst die Zeit und lehnt sich zufrieden mit einer Tasse Kaffee oder Tee zurück: Dieses Gefühl vermittelt "Morgenstund" mit köstlichen Frühstücks- und Brunchrezepten. Österreichs erfolgreichste Foodblogger Antonia Kögl und Bene Steinle und die Frühstückerinnen Barbara Haider und Dani Terbu bringen ihre Lieblingsrezepte auf den Tisch. Haider und Terbu testen seit 2010 ("anonym und unbestechlich") Frühstückslokale in Wien, Graz, Linz, Salzburg – und Berlin. Mit ihrer Webplattform sind sie die oberste Instanz in Österreich, wenn es ums Frühstück geht. Über 100.000 Frühaufsteher und Langschläfer freuen sich jeden Monat über neue Brunch- und Frühstückstipps. Für die Foodies Kögl und Steinle steht die Kulinarik mit all ihren Facetten im Mittelpunkt des Lebens: immer am Puls der Zeit, immer geschmackvoll. Seit elf Jahren sind die beiden ein Paar und genauso lange kochen sie auch schon gemeinsam. 2014 erschien in der Edition Styria ihr erstes Buch "Because You Are Hungry. Kochen lieben lernen".

Alle vier haben nun ihre Ideen zusammengelegt und ein inspirierendes Frühstücksbuch geschrieben, das Lust auf die Morgenstunde macht. Bene Steinle hat zudem die Fotos und die Buchgestaltung beigesteuert. "Morgenstund" ist Ende August im Pichler Verlag erschienen. Die Hardcover-Ausgabe hat 192 Seiten und kostet 24,90 Euro. Für einen schnellen Überblick ist das Buch in die wichtigsten Frühstücks-Hauptzutaten gegliedert: Brot und Gebäck, Eier, Käse, Gemüse, Fleisch, Geflügel, Fisch, Kaffee, Tee, Milch, Obst, Getreide und Müsli. Wer ganz genau sucht, findet natürlich auch ein alphabetisches Register.

Spannende Reise zu den Produzenten

"Morgenstund" ist viel mehr als ein Kochbuch; und wer glaubt, schon alles übers Frühstücken zu wissen, irrt. Natürlich kann jeder Butter aufs Brot schmieren, Eier braten und Wurst oder Käse in Scheiben schneiden. Aber aus Brot, Eiern, Wurst und Käse lassen sich auch essbare Kunstwerke zaubern – "Morgenstund"  gibt die leicht nachzumachenden Anleitungen dafür. Zum Beispiel das "Käsebrot" auf Seite 86 ist mehr als eine "Stulle". WG- und Brunch-tauglich und universell einsetzbar macht es etliche hungrige Mäuler satt und zufrieden. Nachmachen kann es jeder; selbst der ungeübteste Teenie, der gerade erst aus "Hotel Mama" geschlüpft ist, kann damit bei seiner Clique punkten. Und wer die deftige österreichische Küche liebt muss auf den Klassiker Blunzen-Gröstl nicht verzichten: In Mini-Tacos verpackt wird die Blutwurst mit Kren (Meerrettich), Sauerrahm, frischen Kräutern und diversen anderen Kleinigkeiten gepimpt und damit frühstücksfein.

Die 70 köstlichen Rezepte bieten für jeden Geschmack etwas, Vegetarier kommen ebenso auf ihre Kosten wie Fleisch-Fans, Müsli-Liebhaber genauso wie all jene, die liebend gern in knackige Brötchen und kernige Brote hineinbeißen. Wer die Nase voll hat von "Teiglingen" und keinen Bäcker in der Nähe hat, der noch auf traditionelles Handwerk setzt, findet in dem Buch Rezepte für Semmeln und Mini-Baguettes, für Fladenbrote und Focaccia, Brioches und Brote. Auch Sauerteig lässt sich mit der Anleitung aus diesem Buch leicht selbst fabrizieren. Ich habe hier die bisher besten Brot- und Brötchenbackrezepte gefunden! Anfangs hatte ich etwas mit dem ziemlich klebrigen Brötchenteig zu kämpfen, aber mit Trick 17 (Hände leicht einölen) formte ich ansehnliche Brötchen, die mit einem ungeahnten Geschmack Kindheitserinnerungen wach werden ließen an den mehlbestäubten Bäckermeister am Marktplatz, bei dem am Hintereingang schon ab 5 Uhr morgens die heißen Brötchen für die heimkehrenden Nachtschichtler bereitstanden.

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Hat absolut nichts mit Junkfood zu tun: Breakfast-Burger mit jungem Spinat, Avocado, Schinken und Chorizo.

(Foto: ©Benedikt Steinle)

Die Brot- und Brötchenrezepte stammen von Georg Öfferl, dem neuen Shootingstar am österreichischen Bäckerhimmel. Der 25-Jährige krempelte die Dorfbäckerei seiner Mutter um, setzte auf Bio und schmiss Backmischungen und industrielle Säuerungsmittel aus der Backstube, entwickelte neue Rezepte und konzentrierte sich auf nur noch wenige Brotsorten. Die sind inzwischen so berühmt, dass sich selbst die Wiener alle zehn Finger danach lecken. Öfferl ist einer der Produzenten, die von dem Autoren-Team vor Ort besucht und um die besten Tipps für ein perfektes Frühstück gebeten wurden. "Die Leidenschaft für großartige Lebensmittel verbindet uns vier", schreiben sie; das ist in jeder Zeile zu spüren. Die Leser werden mitgenommen auf diese spannende Reise zu Quellen unserer Lebensmittel, erfahren dabei viel über glückliche Hühner und intelligente Kühe, über Pflanzen ohne Chemie und Gentechnik, alte Getreidesorten wie Einkorn und Waldstaude, Kaffee aus der Karlsbader Kanne und Teeziehzeiten. Aber nicht nur das: Die Produzenten geben Tipps für Küchenhygiene und richtige Lagerung, Zubereitungsarten, Einkauf und Haltbarkeit.

"Wir haben Brot gebacken, Kühe auf der Weide beobachtet, Mangalitzaschweine gestreichelt, mit dem Hahn gekräht und Eier, die von glücklichen Hühnern mitten ins Feld gelegt wurden, bewundert. Wir sind dem Regen entgegengefahren und im Waldviertler Paradies gelandet. Wir haben japanisches Sikawild in Österreich getroffen und viel über Ethik in der Tierhaltung diskutiert. Wir haben besten Käse gekostet und Wasserbüffeln ins Auge geblickt." All die gesammelten Inspirationen wollen Antonia Kögl und Benedikt Steinle, Dani Terbu und Barbara Haider mit den Rezepten an die Leser von "Morgenstund" weitergeben. Das ist ihnen gelungen! Ihrem Dankeschön an die Produzenten haben die Autoren alle Internetadressen der Höfe und Firmen angehängt, was jeden interessierten Österreich-Urlauber freuen dürfte. Was Kren und Germ sind, dürfte sich selbst beim eingefleischtesten "Piefke" herumgesprochen haben. Doch auch Weizen- und Roggenmehlsorten haben Typenbezeichnungen, die sich von den deutschen unterscheiden; angegeben werden aber nur die österreichischen. Kleine Hilfestellung von mir: Österreichisches Weizenmehl 700 entspricht dem deutschen Typ 550, Roggenmehl 960 dem deutschen Typ 997 (gefunden auf www.brotguru.net).

Breakfast-Burger (aus "Morgenstund")

Zutaten (4 Stück):

4 kleine Handsemmeln
2 Handvoll frischer Jungspinat
1 reife Avocado
4EL Sauerrahm
8 Scheiben Beinschinken
Saft von 1⁄2 Zitrone

Chorizo-Marmelade:
100 g Chorizo
2 kleine Schalotten
1 EL Sonnenblumenöl
3 EL Sherry
4EL Ahornsirup
1 EL brauner Zucker

Zubereitung:

Nein, hier wird kein labbriges Burger-Bun verwendet, für unsere Frühstücks-Burger haben wir extra kleine Handsemmeln (Durchmesser ca. 6 cm) gebacken.

Für die (unfassbar gute) Chorizo-Marmelade Schalotten und Chorizo sehr klein würfeln. In einer beschichteten Pfanne Zwiebeln im Öl glasig dünsten, anschließend Chorizo dazugeben und scharf anbraten. Mit Sherry ablöschen, Zucker und Ahornsirup dazugeben und bei niedriger Hitze 10 Minuten einkochen lassen.

Sauerrahm mit Zitronensaft vermischen, Avocado schälen, entkernen, halbieren und in Streifen schneiden.

Die Handsemmeln halbieren und wie folgt (von unten nach oben) belegen: Spinat, Avocadostreifen, Sauerrahm, Beinschinken, Chorizo-Marmelade. Das Ganze mit einem Spieß fixieren und direkt servieren.

Tipp: Das Rezept für selbst gemachte Handsemmeln ist auf Seite 12 zu finden.

Viel Spaß beim Backen, Belegen und Hineinbeißen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

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Quelle: ntv.de