Essen und Trinken

Flotte Hirsche und blaue Enten Nicht nur für Verliebte

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Hirsch Heinrich findet sich offenbar ganz toll.

(Foto: Templermeister / pixelio.de)

Schon 1912 fand Kurt Tucholsky, dass Rheinsberg ein Bilderbuch für Verliebte sei. Ich allerdings war allein in der brandenburgischen "Pampa”, noch dazu Patient in einer Reha-Klinik und hatte überhaupt keinen Grund, verliebt in die Gegend zu blinzeln. Doch klammheimlich schlich sich die wohltuende Ruhe tief verschneiter Märchenwälder und eisbedeckter Seen in mein Herz - auch wenn für zwei Tage der Strom ausfiel. Das war ein recht kleines Übel im Vergleich zum Berliner Nahverkehr, den ich ansonsten "genossen” hätte. Der durfte in diesem Winter ein paar Wochen ohne mich im Matsch versinken!

Und dann traf ich noch "Pino” - 70 Jahre jung geblieben, immer gut gelaunt, auch wenn’s mal nicht so läuft, und der einem bei der Willkommensumarmung gerne die Luft abdrückt, vorzugsweise bei den Damen. Die quietschen immer so schön. Doch dazu später einmal ...

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Bei Raureif sehen die Bäume an der Allee zwischen Neuruppin und Rheinsberg wie verzuckert aus.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Das kleine Rheinsberg und seine Umgebung sind tatsächlich ein Bilderbuch - und zwar für alle, die ausgedehnte Wälder und Seen, Geschichte und Geschichtchen, Kultur und Kulinarisches lieben. Die Gegend ist uraltes Siedlungsgebiet. Auf der im Rheinsberger See gelegenen Insel Remus (heißt wirklich so und ist nicht der Zwilling von Romulus) soll sich im 1. Jahrtausend ein Heiligtum der Wenden befunden haben. Erdwälle sind noch zu erahnen. Rheinsberg selbst wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt.

Im 18. Jahrhundert wurden Stadt und Schloss nach einem verheerenden Brand wieder aufgebaut, und zwar nach Plänen von Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Das Schloss gilt als Musterbeispiel für das friderizianische Rokoko und diente als Vorlage für das heute viel berühmtere Sanssouci in Potsdam. Die glücklichste Zeit seines Lebens soll Friedrich II. aber im Rheinsberger Schloss verbracht haben. Schon als der Preußenkönig noch Kronprinz war versammelte er bildende Künstler und Musiker um sich - eine kulturelle Tradition, die in Rheinsberg heute noch gepflegt wird, zum Beispiel mit den Musiktagen zu Pfingsten und dem internationalen Opernfestival Kammeroper Schloss Rheinsberg alljährlich im Sommer.

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Beim Rheinsberger Töpfermarkt gibt es nicht nur die heimische tiefblaue Keramik zu sehen, sondern Kunsthandwerker aus ganz Deutschland stellen ihre Produktion vor.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Die Rheinsberger lieben ihre Traditionen, nicht nur die musikalischen und literarischen. Auch das Handwerk ist seit langem heimisch: 1762 wurde in der Stadt eine Steingutmanufaktur gegründet, eine der größten Preußens. Noch heute wird in Rheinsberg die Keramik mit dem "R”-Zeichen hergestellt und verkauft, in traditionellem Blau, aber auch in anderen Dekoren. Passend zur Keramik findet sich hier auch Kulinarisches. Ich fürchte zwar, die "Ente blau” im "Laternenhof” gab’s nur zur Weihnachtszeit, aber vielleicht fällt dem Koch ja Adäquates für den Rest des Jahres ein. Die Ente war übrigens jenseits ihres Lebens weniger mit Wasser, dafür mehr mit Calvados in Berührung gekommen. Es war ihr gut bekommen …

Apropos Kulinarisches: Die Wälder und Seen rings um Rheinsberg sind reich an Wild und Fisch, was sich wohltuend auf den Speisekarten von Hotels, Pensionen und Gaststätten bemerkbar macht. Der Hirsch, den ich Ihnen heute empfehle, war nicht der, der urplötzlich vor meinem Auto stand (wir entfleuchten beide wohlbehalten), stammte aber auch aus dem Brandenburgischen, wie auch Pilze und Beeren für das "Hirschgeschnetzelte”:

Zutaten (4 Personen):

500 g Hirschkeule ohne Knochen
250 g Pfifferlinge (frisch oder gefrostet, möglichst kleine)
4 cl Whisky oder Weinbrand
2 Schalotten
1 Bd Frühlingszwiebeln
½ TL Thymian, gerebbelt
1 TL schwarze Pfefferkörner
1 TL Wacholderbeeren
2 EL Wildpreiselbeeren
1 -2 EL Butter
¼ l Rotwein
400 ml Wildfond
1 Becher Crème fraîche
Petersilie, Rapsöl, Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle, eventuell etwas Speisestärke

Zubereitung:

Das gesäuberte und abgetrocknete Fleisch in dünne Scheibchen schneiden. Pfefferkörner und Wacholderbeeren im Mörser zerstoßen, in etwas Rapsöl geben und die Fleischscheiben damit vermengen. In einem Gefrierbeutel 2 bis 3 Stunden im Kühlschrank marinieren.

In einer großen Pfanne (am besten in einer gusseisernen) Öl erhitzen und das Fleisch darin unter Wenden anbraten. Salzen. Den Whisky erwärmen, anzünden und das Fleisch damit flambieren. Herausnehmen und warm stellen.

Schalotten fein würfeln, Frühlingszwiebeln in ca. 3 cm lange Stücke schneiden. Eventuell noch etwas Öl zusätzlich in der Pfanne erhitzen, Butter dazugeben und Schalotten und Frühlingszwiebeln darin glasig dünsten. Pilze sowie den Thymian hinzufügen. Alles dünsten und mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken.

Mit dem Rotwein ablöschen und dem Wildfond auffüllen. Die Soße etwa 10 Minuten lang reduzieren. Die Crème fraîche und die Preiselbeeren unterziehen. Sollte die Soße zu dünn sein, nötigenfalls etwas Speisestärke in die Crème fraîche  rühren.

Das Fleisch untermischen und alles nur noch einmal erhitzen, nicht mehr kochen. Gegebenenfalls nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit Petersilie bestreuen und mit mehlig kochenden Salzkartoffeln, Nudeln oder Spätzle servieren.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de