Essen und Trinken

Mit 80 so schön wie mit 18 Ninon verrät ihr Geheimnis

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Für ein Kleopatra-Bad muss frau nicht Kleopatra sein.

(Foto: imago stock&people)

Eine Pharaonen-Mumie in der Grabkammer, eine französische Kurtisane im Salon und Kuchen in der Röhre: Auf den ersten Blick haben sie absolut nichts Gemeinsames. Auf den zweiten schon.

Bevor es uns Menschen gab, gab es sie schon: die Bienen. Denn die fleißigen Tierchen haben schon vor etwa 40 Millionen Jahren Honig gemacht. Es darf also behauptet werden, dass Honig eines der ersten menschlichen Nahrungsmittel war, fix und fertig von der Natur geliefert. Die steinzeitlichen Honigjäger kamen zum Honig, wie es die Bären handhaben: Sie stibitzten den wild lebenden Bienenvölkern die vollen Honigwaben. 9000 Jahre alte Höhlenmalereien zeigen das.

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Darstellung der Honigernte aus Röhrenstöcken im Grab des Pabasa in Theben.

(Foto: John -Andrew Ginsbury/Wikipedia)

Lange wurde vermutet, dass die alten Ägypter die Ersten waren, die Bienenhaltung betrieben. Nach Ausgrabungen in den 50er und 60er Jahren musste das revidiert werden: Funde auf dem Gebiet der heutigen Türkei belegen, dass der Ursprung der Hausbienenhaltung schon in der Jungsteinzeit im 7. Jahrtausend v. Chr. liegt. Das Know-how über eine planbare Honiggewinnung wurde erst später durch intensive Handelskontakte von den Ägyptern importiert. Dort allerdings erreichten Gewinnung und Verwendung von Honig eine neue Blüte. Im 3. Jahrtausend v. Chr. galt das süße Bienenprodukt als Speise der Götter und folglich als Quelle der Unsterblichkeit. Biene und Binse wurden bei der Vereinigung von Ober- und Unterägypten unter Pharao Menes zu den wichtigsten Schriftzeichen. Diese Königshyroglyphen wurden dem Namen des jeweiligen Herrschers stets  vorangestellt: "Der, welcher zur Binse (Oberägypten) und zur Biene (Unterägypten) gehört…" So viel Ehre für ein winziges Tierchen!

Honig war ein Luxusgut, und für ein Töpfchen musste man einen Esel oder eine Kuh springen lassen. Privilegierte höhere Beamte bekamen schon mal einen Teil ihres Gehalts als Honig ausgezahlt. Auch die Toten gingen nicht leer aus: Sie bekamen den Honig als Wegzehrung mit auf ihre Reise in die Ewigkeit. Der bei Ausgrabungen in der Nähe von Theben gefundene "Mumienhonig" war über 3000 Jahre alt - und keineswegs gammelig! In dem Stück Scheibenhonig befand sich in mehreren Waben eine "harte, glänzend-schwarzbraune, malzbonbonartige Masse", die als Honig identifiziert werden konnte. Dieser Honig enthielt noch Pollen und ließ sich leicht in Wasser auflösen. Mitunter ist zu lesen, er sei noch "genießbar" gewesen, obwohl es vermutlich niemanden gab, der an dem "Malzbonbon" tatsächlich gelutscht hat.

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Auch in einem Lebkuchenhaus steckt Honig drin.

(Foto: imago stock&people)

Die Tatsache aber, dass der Fund wirklich noch Honig war, zeigt eindrucksvoll dessen konservierende und antibiotische Wirkung. Das und noch vieles mehr ist es auch, was den Honig über Jahrtausende hinweg zu einem begehrten und wirksamen Heil- und Stärkungsmittel machte, noch dazu eines, das lecker schmeckt. Honig wirkt leicht entzündungshemmend und antiseptisch, das macht sich gut bei Erkältungen und kleineren Wunden: Keime können sich im Honig nicht vermehren. Eine "Honigtherapie" wie in Frankreich, Osteuropa, den USA und Kuba wird in Deutschland zwar nicht praktiziert, doch Imker und einige Naturheilkundler tun es. Medizinischer Honig wird übrigens durch Gammastrahlen sterilisiert; dadurch werden die an der Heilwirkung beteiligten Enzyme nicht zerstört. Neben den Enzymen stecken noch Mineralstoffe und Spurenelemente im Honig.

Hierzulande ist Honig allerdings "nur" ein Lebens- und kein Heilmittel. Dennoch kennt jeder die wohltuende und beruhigende Wirkung von warmer Honigmilch oder Tee mit Honig bei einer Erkältung. Aufgeschürfte Kinderknie oder eine Verbrennung durch ungeschicktes Hantieren in der Herdröhre zum Beispiel beim Plätzchenbacken heilen schneller ab, wenn sie mit naturbelassenem Honig bestrichen werden. Wer Honig statt Zucker nascht, nascht gesünder - doch auch hier gilt: Auf die Dosis kommt es an! Honig bekämpft zwar durch seine antibakteriellen Eigenschaften Karieserreger, doch die durch den Verzehr entstehenden Säuren greifen den Zahnschmelz an; Zähneputzen ist angesagt. Das sollten Mütter bedenken, die den Nuckel ihres Babys mit Honig bestreichen. Soll ja immer noch vorkommen. Bekannt ist Honig auch als anhaltend wirksamer und leicht bekömmlicher Energiespender. Antike Olympioniken machten sich vor Wettkämpfen mit Honigwasser fit gegen eine Unterzuckerung; heutige Leistungssportler nehmen lieber Nudeln.

Junge Männer verrückt nach Oma

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Ein Imker bei der Arbeit.

(Foto: imago stock&people)

Geradezu Wunder verspricht man sich vom Weiselfuttersaft, mit dem die Königinnenlarven gefüttert werden und der dafür verantwortlich ist, dass aus einer Bienenlarve keine Arbeiterin, sondern eine Königin wird. Der auch als Gelée Royale bekannten Stoff bewirkt das Wunder, dass die Lebenserwartung einer damit aufgezogenen Bienenkönigin die ihrer Arbeitsbienen um ein Vielfaches übersteigt. Das ist bei den Bienen so, und auch nur dort; wer sich vom Gelée Royale ein menschliches Wunder erhofft, wird eher sein blaues erleben: Das Alter lässt sich nicht aufhalten! Zum Glück, denn würde der Weiselfuttersaft beim Menschen so wie bei der Biene wirken, müssten wir wohl auch das in Kauf nehmen: Die Gewichtszunahme der Bienenkönigin-Larve beträgt in fünf Tagen etwa das 1500fache. Auf ein Baby übertragen hieße das, dass aus dessen 3,5 Kilogramm Geburtsgewicht binnen fünf Tagen fünf Tonnen würden. Wie aber passt ein Elefant in das Bettchen?

Außerdem ist die Gewinnung von Gelée Royale zum Beispiel für kosmetische Zwecke keine tierfreundliche Angelegenheit und wird hierzulande nicht betrieben (aber importiert): Für die Gewinnung muss die Königin aus dem Bienenstock entfernt werden, was für das Volk einen extremen Stress bedeutet. Warum also den Bienen ihr Kostbarstes wegnehmen, wenn wir uns schon an ihrem Honig schadlos halten? Und der reicht eigentlich aus, um schöner zu werden, wenn auch nicht jünger.

Einer der herausragendsten Frauen des 17. Jahrhunderts, der französischen Kurtisane Ninon des l’Enclos, sagte man "ewige Jugend" nach. Sie soll mit 80 noch so schön gewesen sein, dass scharenweise Männer für sie entbrannten, auch Jünglinge. Darunter nichtsahnend einer ihrer Söhne. (Ninon war nie verheiratet, hatte mit mehreren Liebhabern mehrere Nachkommen, die allesamt bei den Vätern aufwuchsen. Der falsch liebende Sohn erschoss sich vor Kummer.) Ihre Haut pflegte die Schöne mit einem Honig-Milch-Bad: 500 g Meersalz zur Entschlackung in warmes Badewasser geben. 1 Liter Milch erwärmen und 1 Tasse Honig darin auflösen. Die Mischung in das Badewasser rühren und 15 bis 20 Minuten darin entspannen. Auch Kleopatra und Nofretete sollen ihre Bademilch mit Honig bereichert haben.

Traditionell hat das Honigtöpfchen bei uns auf dem Frühstückstisch Platz. Honig süßt uns außerdem den Tee, Bonbons, Kuchen und Desserts. Doch er kann viel mehr: Er verleiht Suppen, Saucen und Salaten, Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichten den richtigen Pfiff. Aus der Weihnachtsbäckerei ist er nicht wegzudenken. Meine Schwägerin Helga bäckt jedes Jahr Lebkuchen nach einem Rezept aus einem Uralt-Kochbuch:

Ostpreußischer Honigkuchen

Zutaten:

300 g Honig (oder ½ Honig + ½ Rübensirup)
150 g Zucker
125 g Butter
500 g Mehl
5 g Nelken
5 g Piment
5 g Zimt
5g Kardamom
1 TL abgeriebene Zitronenschale
1 TL abgeriebene Apfelsinenschale
2 Eier
4 g Hirschhornsalz
4 g Pottasche

Zuckerguss:
250 g Puderzucker
1 Eiweiß
4 EL warmes Wasser

Zubereitung:

Honig, Zucker und Butter in einem Topf flüssig machen und zu den gemahlenen Gewürzen und dem Mehl geben. Die Eier verquirlen und unter die Masse rühren. Zuletzt kommen das Hirschhornsalz sowie die in etwas warmem Wasser aufgelöste Pottasche hinzu.

Der Teig wird gut durchgearbeitet und über Nacht stehengelassen.

Am nächsten Tag wird der Teig mit etwas Mehl nochmals kräftig durchgeknetet und ausgerollt. Plätzchen ausstechen. Bei 170 - 180 Grad (Umluft) backen. Die Plätzchen sind gut, wenn man kurz darüber streicht und der Abdruck wieder hochkommt.

Ein besonderes Aroma bekommen die Plätzchen, wenn das Blech mit Bienenwachs eingestrichen wird: Blech kurz warm werdenlassen und dann einstreichen.

Die fertigen Plätzchen mit Zuckerguss bestreichen: Puderzucker, Eiweiß und Wasser gut verrühren (mindestens 5 Minuten). Dann auf die noch warmen Plätzchen auftragen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de