Essen und Trinken

Abgelehnt und begehrt Not macht erfinderisch

Klein und pelzig. Die Rede ist zu Zeiten von Knut und Flocke ausnahmsweise mal nicht von Eisbären-Babys, sondern von Kiwis. Und auch nicht von dem sonderbaren pummeligen und puscheligen Vogel Kiwi, sondern von der Frucht, der der neuseeländische Wappenvogel seinen Namen gab.

Im Gegensatz zum Kiwi, der zwar ein Vogel ist, aber nicht fliegen kann, kommt die Kiwi in der Obstschale ursprünglich nicht von unseren Antipoden, sondern aus Südchina und heißt "Chinesische Stachelbeere" (Actinidia chinensis). Dort nennt man sie Yang-tao, was wohl "Affenpfirsich" heißt, und nutzt sie bereits seit Jahrhunderten als Nahrungsmittel. Erst um 1900 herum fand die haarige Beere im Gepäck von Missionaren ihren Weg nach Neuseeland.

Dort wurde 1937 erstmals eine größere Fläche mit der Chinesischen Stachelbeere bebaut und weiter gezüchtet. 1953 konnten die ersten Chinesischen Stachelbeeren in die USA exportiert werden. Sie kamen zwar durch die Zollkontrollen, nur kaufen wollte sie keiner! Bekanntlich verdammte in den fünfziger Jahren US-Senator Joseph McCarthy alles, was nur rot angehaucht war, auch harmlose kleine Früchte, deren Name an das rote China erinnerte. In ihrer Not tauften die neuseeländischen Farmer die grünbraune Frucht mit dem kompromittierenden Namen kurzerhand um und nahmen ganz einfach den Namen ihres Lieblingsvogels, dessen Gefieder mehr wie ein Pelz aussieht und wirklich an eine Kiwi-Frucht erinnert. Nun erst konnte die unansehnliche Beere weltweit prominent werden.

In Europa wurde die Kiwi um 1975 bekannt und fand sofort ihre Liebhaber. Weltweiter Hauptlieferant ist immer noch Neuseeland. Seit etwa 1980 gibt es auch außerhalb Neuseelands eine nennenswerte Kiwi-Produktion. Deutschland importiert hauptsächlich aus Italien, Spanien oder Frankreich, von Mai bis November aus Neuseeland. Weltweit werden heute etwa zehn Sorten angebaut.

Die pelzigen Beeren, die in Größe, Konsistenz und Oberfläche ein wenig an verrottende Tennisbälle erinnern, sind fürwahr gesunde Früchtchen: Eine große Kiwi (etwa 120 g) kann den Tagesbedarf an Vitamin C decken. Außerdem liefern die Früchte Vitamin E, Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen. Sie erhalten auch Actinidin, ein Eiweiß spaltendes Enzym. Rohe Kiwis sollten daher nicht mit Jogurt oder Milch vermischt werden – das Enzym zersetzt das Milcheiweiß und die Speise wird bitter. Man kann sich mit einem Trick helfen: Da das Enzym durch Hitze zerstört wird, sollte man Kiwis vor dem Mischen mit einem Milchprodukt blanchieren oder die Speise möglichst sofort nach der Zubereitung essen. Rohe Kiwis als Nachspeise nach schwer verdaulichem Eiweiß sind hingegen ideal, weil das Actinidin die Verdauung erleichtert.

Kiwis lassen sich nicht nur auf die uns allen bekannte Weise auslöffeln, sondern auch braten, dünsten, grillen, in Folie garen, flambieren oder gratinieren. Mir schmecken Kiwis am besten allerdings schön gekühlt und roh. Daraus lässt sich doch was machen, nämlich eine erfrischende "Kiwi-Bowle":

Zutaten:
8 - 10 reife Kiwis
150 ml weißer Rum
150 ml Blue Curacao
1 Bio-Zitrone
1 Fl Sekt
Zucker nach Geschmack

Zubereitung:
Die Kiwis schälen und in Scheiben schneiden. Mit Zucker bestreuen und etwas ziehen lassen. Mit dem Rum übergießen und über Nacht ziehen lassen. Zwei bis drei Stunden vor dem Servieren die gewaschene und abgetrocknete Zitrone spiralförmig schälen, die Schale und den Blue Curacao zu dem Bowlenansatz geben und nochmals kühl stellen. Vor dem Servieren mit Sekt auffüllen – und an einem lauen Frühsommerabend genießen.

Varianten: Statt Curacao Kiwilikör verwenden. Oder: Zucker weglassen, die Bowle wird herber. Oder: 1 Fl Riesling-Wein zugeben. Oder: 1 l Maracuja- oder Orangensaft zugeben. Oder: 2 Bio-Zitronen wie die Kiwis in Scheiben schneiden und mitziehen lassen. Oder: Sie erfinden ganz einfach eine eigene Variante!

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de