Essen und Trinken

Seltene Grabbeigabe Ruhm durch Birne

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Sie trägt sehr oft Namen, die durchaus von Adel sind: "Frühe von Trévoux", "Köstliche von Charneux" oder "Gräfin von Paris". So edel, wie sie heute daherkommt, waren ihre Vorfahren nicht, die waren klein und unansehnlich, hart und holzig - für uns heutzutage einfach ungenießbar. Doch ein Mann von Adel machte eine von ihnen sehr berühmt.

Es geht in dieser Woche wieder um Birnen. Birnen sind sogenannte Kulturbegleiter, das heißt, sie sind so alt wie die Menschheit und dem Menschen quer durch die Jahrhunderte und unterschiedliche Kulturen bekannt. Die ersten Kulturbirnen wurden in Persien aus Holz- bzw. Wildbirne gezüchtet. Die Babylonier sollen den Birnbaum sogar als heilig verehrt haben.

Bereits im antiken Rom kannte man mindestens 38 Birnensorten. Durch ständige Neuzüchtungen wuchs die Zahl der Sorten stetig weiter: Im 17. Jahrhundert kannte man in Frankreich bereits etwa 300 Sorten, im 19. Jahrhundert waren es schon 1000. Heute wird ihre Zahl auf der ganzen Welt auf ca. 5000 geschätzt - eine unübersehbare Anzahl!

Etwa 50 von ihnen spielen für den Obstanbau eine bedeutendere Rolle. Unterschieden wird zwischen Sommerbirnen (zum Beispiel "Clapps Liebling”, "Williams Christbirne" und "Frühe von Trévoux"), Herbstbirnen ("Gute Luise”, "Gute Luise" und "Köstliche von Charneux") sowie Winterbirnen ("Alexander Lucas”, "Madame Verté” und "Gräfin von Paris”).

Nordwestlich von Berlin gibt es ein Gebiet, dem eine einfache Birne neue Geltung verschaffte, weil das süße Früchtchen sogar Eingang in die Weltliteratur fand: das Havelland. Theodor Fontane hat der Region durch das Gedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland"zu besonderer Bekanntheit verholfen:

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Erinnerung: Die Pfarrkirche von Ribbeck mit einem neu gepflanzten Birnbaum. Eine Holzfigur am Baum erinnert an den Herrn von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

"Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn."

Als der Alte dann starb, wollte er mit "ner Birn" begraben werden, aus deren Kernen "im dritten Jahr aus dem stillen Haus ein Birnbaumsprößling sproßt heraus": "So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland."

Der freundliche Birnenspender – Hans-Georg von Ribbeck – lebte von 1689-1759. Die Legende über den großzügigen Gutsherrn mit den köstlichen Birnen war in der Bevölkerung derart bekannt, dass sie Fontane 1889 zu seinem Gedicht anregte. Das erste havelländische Birnengedicht ist sogar noch älter: Es stammt von Hertha von Witzleben, einer Enkelin von Karl Friedrich Ernst von Ribbeck. Sie schrieb diese Strophen 1875, 116 Jahre nach dem Tode von Hans-Georg von Ribbeck.

Auf Ribbeck, das Rittergut wurde übrigens 1237 erstmals erwähnt, versucht man heute, die Birnen des unvergessenen "Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" nachzuzüchten.

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Nachfahren: Friedrich-Carl von Ribbeck unter einem an legendärer Stelle gepflanzten Birnbaum. Der Enkel des letzten Herrn auf Gut Ribbeck lebt seit 1998 wieder in dem kleinen Dorf im Havelland.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ob die dritte Ehefrau von Pierre Barthelemy Fontane (Theodor Fontanes Großvater) - Auguste Wilhelmine Friederique Charlotte Fontane, geborene Werner - die "Ribbeckschen" Birnen kannte, weiß ich nicht. Fest steht aber, dass sie um 1800 herum ihre "deliziösen" Zubereitungen schmackhafter Speisen zu Papier brachte, unter anderem auch "Birnenklöße": "Man nimmt gute Birnen, die weder hart noch mehlig sind, schälet sie, thut das Kernhaus weg, und hackt sie dann ganz klein, thut sie in eine Schüssel mit ebensoviel Mandeln, die klein gestoßen und mit geriebenen, in heißer Butter gerösteten und etwas ausgekühlten Semmelkrumen, nebst Zucker und etlichen Eyern. Dieß alles wird gut untereinander gerührt, kleine runde Klöße davon gemacht und in Butter gebacken."

Ich hab‘s mal mit ein paar "modernen" Abwandlungen probiert und heraus kam ein leckeres Dessert, ein wenig gehaltvoll und sättigend, aber durchaus nachahmenswert: "Fontanes Birnenbällchen":

Zutaten (6 Personen):

2 bis 3 Birnen je nach Größe (entkernt sollten es 300 g sein)
2 Eier
50 g Zucker
50 g Semmelbrösel
50 g geriebene Mandeln
50 g Magerquark
Mark von ½ Vanillestange (im Winter passt auch zuzuglich 1 Prise gemahlener Zimt)
2 cl Williamsbrand
Etwa 30 g Butter zum Rösten
Fett zum Ausbacken
Puderzucker

Zubereitung:

Die Birnen schälen, entkernen und in kleine Würfel schneiden. Kurz mit Zuckerwasser überbrühen und recht gut abtropfen lassen. Abkühlen lassen.

Zucker und Brösel in der Butter gut durchrösten, mit den Birnenstückchen, dem Quark (vorher durch ein Sieb streichen), den Mandeln, dem ausgekratzten Vanillemark und dem Birnenschnaps zu einem Teig verarbeiten. Etwa eine halbe Stunde kaltgestellt ruhen lassen.

Aus der Masse werden dann kleine Knödel geformt und in heißem Fett langsam goldbraun gebacken. Auf Küchenkrepp gut abtropfen lassen und mit Staubzucker bestreut servieren.

Guten Appetit wünscht Ihnen Heidi Driesner.

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Saniert: Das Schloss Ribbeck, heute im Besitz des brandenburgischen Landkreises Havelland, wurde in mehreren Jahren für 5,2 Millionen Euro saniert und erst im Juli wiedereröffnet. In dem Gründerzeitschloss soll ein Fontane-Ribbeck-Museum die Touristen anlocken. Im Obergeschoss werden ein Mehrzweck- und Veranstaltungssaal und ein Trauzimmer sein. Ein Restaurant lädt bereits ein.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

 

Quelle: ntv.de