Essen und Trinken

Gegen Pest, Wahnsinn und Kater Sauer macht lustig

Im 16.Jahrhundert sollte sie Pest und Wahnsinn heilen, auch den Kater nach zu viel Wein trieb man damit aus. Die Mätressen von Ludwig XIV. fanden andere Verwendungsmöglichkeiten.

Nach zwei Wochen Enthaltsamkeit vom n-tv.de-Herd melde ich mich wieder zu Wort. Nein, ich hatte noch keinen Urlaub. Erst hat mich der G8-Gipfel zu sehr in Anspruch genommen und mich vom Rezepteschreiben abgehalten, eine Woche später dann war es schlicht zu heiß, stickig und schwül, um auch nur einen Gedanken ans Kochen zu verwenden. Etwas Gutes hatte die Hitze aber: Beim Schlürfen eisgekühlter Zitronenlimonade kamen mir ein paar Ideen, was man mit Zitronen so alles anstellen könnte, außer mit ihnen zu handeln. Schließlich nennt man sie gern die "Frucht der tausend Verwendungsmöglichkeiten".

Über die Alpen ist die Zitrone erst im 10. Jahrhundert mit den Arabern gekommen. Später brachten sie die Kreuzfahrer von ihren Eroberungszügen zusammen mit Rosinen und Mandeln in unserer Breiten. Heutzutage finden sich Zitronen in jedem Haushalt.

Noch im 16. Jahrhundert war die Zitrone kein Allerweltsfrüchtchen, sie war gewissermaßen rezeptpflichtig und galt vor allem als Heilmittel gegen Pest und Vergiftungen, sollte Wahnsinn heilen und Traurigkeit vertreiben. Vielleicht stammt daher auch der Spruch "sauer macht lustig". Ende des 16. Jahrhunderts fand die gelbe Frucht bereits Eingang in die Küche. 1588 empfahl der mittelalterliche Kräutergelehrte Tabernaemontanus zum Beispiel Zitronensirup mit frischem Wasser vermischt gegen den morgendlichen Kater! Was ja nun auch mehr Heilmittel denn Kochzutat ist. Hilft aber noch heute …

Anfangs verwendete man nur den Saft der Zitronen, die Schale, in der sich aber das eigentliche Aroma befindet, galt als unangenehm. Später wusste man es besser und erfreute sich an der würzigen Kraft von Saft und Schale. Hofdamen und Mätressen des Sonnenkönigs bissen sogar mutig in die sauren Kugeln, damit die Lippen verführerisch rot leuchteten. Nicht unerheblicher Nebeneffekt im Frankreich des Ludwig XIV.: Die Zähne wurden weiß und sauber und der Atem frischer.

Heutzutage haben wir Zahnbürste und -creme, aber auch Zitronen, gelten die gelben Früchte doch als Allerweltswürzmittel. Suppen und Soßen, Marinaden und Limonaden, Süßspeisen und Sorbets, Salate und Füllungen - fast nirgendwo darf die Zitrone fehlen. Fisch ohne Zitrone ist undenkbar. Aber auch bei Kohl, Pilzen und Spargel vollbringt ein wenig Zitronensaft wahre Wunder. Ebenfalls bei Geflügel - da fällt uns doch gleich Hühnerfrikassee ein.

Hühnerfrikassee herzustellen ist recht aufwendig, und wer stellt sich im heißen Sommer schon gern lange an den Herd. Kurzgebratene "Hähnchenbrust mit Zitronensoße" ist aber auch sehr lecker und bindet Sie nur für eine halbe Stunde an die Küche:

Zutaten (4 Personen):
4 oder 8 Hähnchenbrustfilets (je nach Hunger)
3 Zitronen
2 EL Kapern
2 EL gehackte grüne Oliven ohne Stein
1 Bündchen frischer Thymian
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Zwei Zitronen schälen und die Filets herauslösen. Die weißen Häutchen entfernen und den Saft dabei auffangen. Von der dritten Zitrone den Saft auspressen.

Die Thymianzweige abbrausen, die Blättchen abstreifen und hacken. Sollte etwa 2 EL ergeben. Zitronensaft, etwa 6 EL Olivenöl, den gehackten Thymian, etwas Salz und frisch gemahlenen Pfeffer verrühren. Das Fleisch kurz abbrausen, abtrocknen und in der Marinade eine halbe Stunde marinieren.

Dann das Fleisch herausnehmen, Marinade abstreifen. Etwas Olivenöl erhitzen und die Filets auf beiden Seiten in etwa 8 Minuten goldbraun braten. Auf die Teller legen.

Die restliche Marinade mit den Kapern und den Oliven in den Bratenfond, aufkochen. Zitronenfilets zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit dieser Soße das Hähnchenfleisch überziehen. Dazu schmeckt frisches Weißbrot am besten.

Wer noch Gemüse dazu möchte – hier ein Vorschlag, der sich prima in der halben Stunde Marinierzeit umsetzen lässt: Je eine rote, gelbe und grüne Paprikaschote entkernen, säubern und in grobe Stücke schneiden. 1 große Zwiebel schälen und grob würfeln. Die Zwiebelstücke in heißem Olivenöl glasig andünsten. Paprikastücke dazugeben und alles etwa 10 Minuten dünsten. Mit Salz und Pfeffer – und natürlich mit einem Spritzer Zitronensaft – abschmecken und auf den Tellern neben den Hähnchenfilets anrichten.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de