Essen und Trinken

Des Teufels Spross Scharfes Vorspiel

Was wäre unsere Kochkunst ohne die Zwiebel! Nach dem Salz ist sie das wichtigste Würzmittel. Und nicht nur das: Sie ist ein gesundes, vitamin- und mineralstoffreiches Gemüse. Schon im Altertum galt die Zwiebel als Allheilmittel: Gegen Magengeschwüre und Hämorrhoiden, gegen Halsschmerzen und den "Kater", gegen Verdauungsstörungen und Würmer. Selbst gegen Kahlköpfigkeit und Taubhaut wurde sie eingesetzt, obwohl ich da die Wirksamkeit stark anzweifle.

Kein Wunder, dass ein Gemüse, dem man so viel Heilkraft zusprach, zum Liebeselixier avancierte. Der Glaube daran hielt von der Antike über das Mittelalter bis hin zur Renaissance und sogar noch bis ins 18. Jahrhundert hinein an: "Willst du einen guten Liebhaber, dann zerstampfe Zwiebeln, mische den Saft mit der doppelten Menge klaren Honigs und koch das Gemisch, bis der Zwiebelsaft verdunstet ist. Was im Topf geblieben, lass erkalten. Nimm davon einen Teil und misch ihn mit drei Teilen Wasser. Davon gib deinem Gefährten vor dem Schlafengehen …"

Dabei, so heißt es, soll die Zwiebel mit dem Teufel verwandt sein: Als Satan aus dem Paradies verstoßen wurde, wuchs überall dort, wo er mit dem linken Fuß auftrat, Knoblauch, und dort, wo er mit dem rechten Fuß hintrat, sprossen Zwiebeln.

Diese Annahme hängt sicherlich mit den schwefelhaltigen ätherischen Ölen zusammen, die die Tränen kullern lassen und für einen aufdringlichen Geruch sorgen. Zum Glück sind die Tränen nur von kurzer Dauer, und der stechende Geruch verliert sich beim Kochen. Zurück bleibt ein einzigartiger Geschmack. Die Küche gut lüften sollten Sie aber schon, wenn Sie sich dem "Scharfen Vorspiel" widmen:

Zutaten (natürlich nur für 2 Personen):

1/4 l Geflügelbrühe
250 g Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1 Peperoni (weniger Mutige lassen sie weg)
1/8 l Sahne
2 Toastbrotscheiben
etwas Butter
Salz, Pfeffer, Zitronensaft
frische Kräuter: 1 Zweig Thymian, 1 Zweig Basilikum, 2 Salbeiblätter

Zubereitung:

Zwiebeln und Knoblauch schälen. Knoblauch pressen. Peperoni entkernen und kleinhacken. Zwiebeln in Scheiben schneiden, in der Sahne mit etwas Salz und den Peperoni-Stückchen weich kochen. Noch heiß pürieren. Mit der heißen Geflügelbrühe auffüllen, den gepressten Knoblauch zugeben und kurz aufkochen lassen. Mit Salz, frisch gemahlenem Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Das Toastbrot in Würfel schneiden. Vom Thymian die Blättchen abstreifen. Thymian, die Basilikum- sowie die Salbeiblätter recht fein hacken. Butter erhitzen und die Brotwürfel darin goldgelb rösten. Die gehackten Kräuter zugeben und alles gut vermengen.

Die heiße Suppe in zwei Teller, Schüsseln oder Tassen füllen, die Kräuter-Brotwürfel darüber geben und vor oder danach genießen. Oder als Zwischenspiel.

Übrigens habe ich noch einen klugen Spruch gefunden: "Der beste Liebhaber isst Zwiebeln mehr als genug 30 Tag' lang ohn' Unterlass". Vermutlich hatte der Ärmste danach nur Alpträume oder hockte die halbe Nacht lang auf der Toilette! Also nicht übertreiben ...

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de