Essen und Trinken

Je dicker, desto besser Spätes Erwachen in Germanien

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(Foto: imago/Westend61)

Ägyptische Pharaonen nahmen sie mit ins Grab und arabische Scheichs blieben durch sie standhafter. Nur die Germanen kamen ein wenig spät aus der Hüfte.

Beim Stichwort "Spargel" lief schon den Chinesen vor 4.000 Jahren das Wasser im Munde zusammen. Ägyptische Pharaonen waren von dem wohlschmeckenden Gemüse derart angetan, dass sie es als Reiseproviant mit ins Grab nahmen. Auch bei den antiken Römern galten die Stangen schon als teure Delikatesse. Sie waren wohl die ersten im Abendland, die das Edelgemüse kultivierten.

Ebenso hoch im Kurs standen die Stangen bei asiatischen und arabischen Völkern. Sie hegten für das Gemüse vor allem als Liebesdiät eine Vorliebe. Scheich Nefzaui weissagte in seinen "Duftenden Gärten": "Wer Spargel kochen und sie dann in Fett braten, dann das Gelb von Eiern mit zerstoßenen Gewürzen dazugeben und jeden Tag von diesem Gericht essen wird, wird stark zum Beischlaf werden und darin ein Reizmittel seiner Liebesgenüsse finden."

Bewiesen ist das wohl nicht ... Fest steht aber, dass das Asparagin im Spargel harntreibend wirkt. In größeren Mengen soll es durchaus als Aphrodisiakum wohltuende Dinge vollbringen. Bisher hat nur noch keiner geschrieben, wie groß die Menge sein muss.

Nur die ollen Germanen kamen ein wenig spät auf den Geschmack. Sie benutzten wild wachsenden Spargel lediglich als Wundkraut. Den Durchbruch schafften die Stangen in deutschen Landen erst mit Hilfe eines Arzneibuches, welches kundtat: "Aspargel in der Speyss genossen, machet lustig begirde den Mennern und seyffzen den Meggdlein". Es hieß, daraufhin verschlangen ermattete Liebhaber riesige Portionen Spargel ...

Damit Sie sich ans Ausprobieren machen können, hier ein kleines Rezept für die bevorstehenden Feiertage. Hat sich übrigens meine Kollegin Andrea gewünscht! Ich bezweifle aber, dass diese Menge ausreicht, um die oben beschriebene Wirkung zu provozieren. Auch ist bei diesem kalten Wetter zu befürchten, dass es zu Ostern noch keinen einheimischen Spargel gibt. Versuchen Sie "Spargel mit Scholle und Kresse" einfach mit Importen:

Zutaten:

1 kg weißer Spargel
500 g Schollenfilet
1 ungespritzte Zitrone
3 EL Butter
125 ml Weißwein
150 g Creme double
1 Kästchen Kresse
Salz, Zucker, weißer Pfeffer

Zubereitung:

Den geschälten Spargel in kochendem Salzwasser mit einer Prise Zucker und 1 EL Butter etwa eine Viertelstunde garen.

Die gesäuberten Fischfilets mit Küchenkrepp abtrocknen und dem Saft einer halben Zitrone beträufeln, salzen und pfeffern. 2 EL Butter erhitzen und die Schollenfilets bei milder Hitze auf beiden Seiten je 2 Minuten braten.

Aus der Pfanne nehmen und warm stellen. Bratfond mit dem Wein ablöschen und mit 4 EL Spargelwasser etwas einkochen lassen. Creme double einrühren und mit abgeriebener Schale einer halben Zitrone, Salz und Pfeffer abschmecken. Die Kresse aus dem Kästchen abschneiden, abbrausen und trockentupfen. Unter die Soße ziehen.

Die Filets mit Spargel und Soße anrichten und mit Spalten der restlichen halben Zitrone garnieren. Dazu schmecken Salzkartoffeln und Butterreis gleichermaßen gut.

Frohe Ostern und gutes Gelingen (sowohl als auch) wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de