Essen und Trinken

Nur ein Löffelchen Stirred, not shaken

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Manch einer denkt dabei an schummriges Bar-Licht, geheimnisvolle Cocktails und James Bond, andere wiederum an "sto gramm", Aspirin und Schnaps-Leichen unterm Tisch bei Onkel Herberts 50: Wodka als Spaltpilz ganzer Nationen.

Denn der Streit ums "Wässerchen” (Wodka aus dem Slawischen übersetzt) ist uralt - der Dauerzoff zwischen Polen und Russland, welches Land denn nun den Wodka erfunden hat, wird wohl immer unentschieden bleiben. Den genauen Zeitpunkt der ersten alkoholischen Destillation kennt man nicht. Offenbar wurde die erste wodkaähnliche Spirituose im 15. oder 16. Jahrhundert gebrannt. Aber wo??? Der erste urkundliche Eintrag über die Herstellung eines Wodkas stammt von 1405 aus dem polnischen Sandomierz. Vielleicht hat also das russische Nationalgetränk Wodka polnische Wurzeln. Das würde ich aber einem russischen Gast gegenüber nicht unbedingt behaupten …

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Hier sind die Gläser etwas größer als bei 007. Auch bei diesen russischen Kosaken während ihres Regionenkongresses im Dezember 2003. Und Lenin schaut zu ...

(Foto: picture-alliance / dpa)

Auch in Russland gab es mit dem Wodka ein ständiges Hin und Her: Anfangs durfte er nur von Händlern verkauft werden, die eine Genehmigung vom Zaren dafür hatten. Die völlige Freigabe der Wodkaproduktion haben die Russen Peter dem Großen zu verdanken. Katharina II. kappte das wieder. Nikolaus II. verbot Wodka ganz und gar - und Schwarzbrennerei und -handel florierten. Die Bolschewiki brachten die Wodkaproduktion vollends zum Erliegen (nachdem sie die Alkoholvorräte des Zaren geplündert hatten). 1925 wurde die Prohibition wieder aufgehoben, da waren aber schon etliche Spirituosenhersteller aus Russland nach Frankreich oder Amerika emigriert. In den 1980er Jahren wurde wegen des weit verbreiteten Alkoholismus die Wodkaproduktion erneut beschränkt (Michail Gorbatschow), was aber nicht viel brachte, so dass in den 90ern die Herstellung wieder freigegeben wurde (Boris Jelzin).

Essen und Wodka gehören in Russland untrennbar zusammen, da haben die unterschiedlichsten Versuche in all den Jahrhunderten nichts daran ändern können. Im modernen Russland greift man heutzutage aber weniger zum "Stopka”, dem berühmt-berüchtigten Wasserglas, das 100 Gramm Wodka ("sto gramm") fasst, sondern eher zu Gläsern mit westlichem Fassungsvermögen.

Seinen Siegeszug rund um die Welt hat Wodka nicht dem reinen Trinkvergnügen, sondern dem Cocktailboom zu verdanken. Und spätestens seit James Bond wissen auch Nicht-Bar-Besucher, was ein "Wodka Martini” ist.

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"Shaken, not stirred" ...

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Shaken, not stirred", bestellt 007 seinen Cocktail: "Geschüttelt, nicht gerührt". Das schüttelt aber einen jeden konservativen Cocktailschlürfer! Denn der klassische Before-Dinner-Drink namens Wodka Martini (ganz schön stark: 5 cl Wodka, 1 cl trockener Wermut) wird in einem RÜHRGLAS mit Eiswürfeln gerührt, in ein vorgekühltes Cocktailglas abgegossen und mit einer grünen Olive (mit Stein!) serviert. "Kenner” lehnen das Schütteln ab, denn das führt zu einer Vermischung und leichten Eintrübung. Andere "Kenner” sagen, erst durch das Schütteln setze der Martini seine Aromastoffe richtig frei. Professor Metin Tolan von der Uni Dortmund begründet das mit großen und kleinen Molekülen in dem Getränk: Beim Schütteln werden die großen Moleküle nach oben sortiert. Und die nämlich sind für den Geschmack verantwortlich. Ergo: 007 ist doch kein Banause!

Will man kanadischen Wissenschaftlern glauben, so hat die Schüttelei sogar noch einen gesundheitsfördernden Aspekt: Durchs Schütteln komme mehr Sauerstoff ins Glas und also auch in den Körper. Dort hilft der Sauerstoff bei der Beseitigung der freien Radikalen. Und jene bösen Geister gelten ja wiederum als Ursache für das vorzeitige Altern. Endlich weiß ich, warum der Agent Ihrer Majestät "for ever young” ist! Ich muss einfach nur meinen Wodka Martini schütteln, ganz klar, und das am besten mehrmals am Tag. Und natürlich auch trinken. Aber wie oft, damit es auch hilft???

Da ich nicht zu gefährlichen Selbstversuchen neige, lasse ich die Sache mit dem "jung machenden", weil geschüttelten Alkohol lieber. So bleibe ich zwar nicht ewig jung, lebe aber vermutlich länger. Und wenn’s dann mal ein Wodka Martini ist, rühre ich ihn nur, aber ich habe ja auch keine Lizenz zum Töten.

Falls Sie nach dem einen oder anderen Wodka Martini noch etwas Wodka in der Flasche haben, können Sie den Rest sehr gut für eine "Tomatensuppe St. Petersburg” verwenden, löffelweise und gerührt, versteht sich:

Zutaten (4 Personen):

100 g mageren Speck
1/8 l Hühnerbrühe
1/8 l trockener Weißwein
½ l Tomatensaft
¼ l saure Sahne
2 Zwiebeln
1 - 2 Knoblauchzehen
2 Eigelb
10 Tomaten
300 g Champignons
4 EL Wodka
1 EL Tomatenmark
1 TL Paprikapulver
1 TL frischer gehackter Thymian
1 TL frischer gehackter Rosmarin
Salz, Pfeffer, Zucker

Zubereitung:

Speck in feine Streifchen schneiden und in einem Topf auslassen. Zwiebeln und Knoblauch pellen, fein hacken und in dem Fett andünsten.

Die geputzten Champignons in Scheiben schneiden und 10 Minuten mitdünsten. Tomatenmark zugeben und unterrühren. Tomatensaft, Brühe, Wein, Kräuter (nicht so viel davon, die Teelöffel sollten nur gestrichen voll sein), Paprika und Salz zur Suppe geben und bei starker Hitze aufkochen.

Die Tomaten mit kochendem Wasser überbrühen, die Haut abziehen, entkernen und in Würfel schneiden. Die Würfel zur Suppe geben und auf der ausgeschalteten Kochplatte 10 Minuten ausgaren lassen.

Die Sahne mit dem Eigelb verrühren und damit die Suppe verfeinern. Zum Schluss den Wodka unterrühren und die Suppe mit Salz, etwas Zucker und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner. Und denken Sie daran, den Wodka nur löffelweise an die Suppe zu geben!

Quelle: ntv.de