Essen und Trinken

Ganz ohne George und Dick Trinwillershagener Wachtel

Von Hause aus ist die Küche in Mecklenburg-Vorpommern keine für Gourmets, sondern eher eine für Gourmands: Es musste nicht fein schmecken, sondern fein sattmachen. Man musste mit dem auskommen, was die heimischen Äcker und Gärten, Flüsse und Seen, Wiesen und Wälder so hergaben. Oft genug war Schmalhans Küchenmeister, deshalb musste das Essen "lange vorhalten".

Mit der Zeit entstanden so viele bodenständige und nahrhafte Gerichte, die von einfacher "Klütersupp" (Milchsuppe mit Mehlklößchen) und Wruken (Kohlrüben) bis zu Lammbraten, Gans und Wachteln und natürlich Rumtopf reichen. Heutzutage ist selbstverständlich auch die Küche in "Meckpom" feiner geworden; bodenständig ist sie zum Glück geblieben. Die beste Forelle meines Lebens habe ich wohl in Krakow am See gegessen.

So kann man heute zwischen deftigen Köstlichkeiten heimischer Machart und vitaminreichen Wellness-Kreationen wählen. Die Gourmet-Köche beizen Ostseelachs mit Wildkräutern, umgeben heimisches Reh mit Lasagne, umgeben Gänseleber mit Fuji-Äpfeln und servieren Wachtelbrust auf Feldsalat. Nach drei Sternen greifen allerdings die Köche in anderen Städten. Hamburg ist nach Paris die Gourmet-Stadt in Europa. MV ist in den deutschen Top100 überhaupt nicht vertreten. Noch nicht ?

Was nicht ist, kann ja noch werden. Über das vorpommersche Trinwillershagen sprach vor Juli 2006 auch kein Mensch. Aber seitdem unsere Bundeskanzlerin einen verbündeten Texaner bis in ihre Heimat geschleppt hat, sich – und uns – das hat was kosten lassen, sind die Wildschweine in der Region rar geworden. Seit dem Bush-Besuch hat halt jeder Appetit auf Wildschwein am Grill. Da das wilde Schwein für Ihre heimische Küche etwas zu groß sein dürfte, empfehle ich Ihnen Wachteln. Die sind nicht nur kleiner, sondern auch gesünder.

Diese Wichtel unter den Hühnervögeln bekommen Sie in jedem gut sortierten Supermarkt. Das Angebot an der Fleischtheke ist küchenfertig und stammt aus Zuchtbetrieben; es sind keine wild lebenden Tiere. Denn die sind in manchen Regionen rar geworden, was aber nicht mit Dick Cheneys Jagdversuchen zu tun hat: Das " friedly fire" des US-Vizepräsidenten im Februar dieses Jahres verschonte die Wachteln und traf den 78-jährigen Harry Whittington.

Ob Sie heutzutage in der "Linde" in Trinwillershagen nur noch Wildschwein und überhaupt keine Wachteln zu essen bekommen, weiß ich nicht. "Wachteln nach Trinwillershagener Art" jedenfalls können Sie sich zu Hause selbst zubereiten. Vielleicht kennen Sie auch einen Texaner zwecks Einladung:

Zutaten (für 4 Personen):

8 Wachteln (pro Person 2)
150 g Bauchspeck
300 g frisches Sauerkraut
¼ l saure Sahne
4 Scheiben Weißbrot
2 EL Butter
1 Bd Petersilie
Salz, Edelsüßpaprika, Wacholderbeeren

Zubereitung:

Die küchenfertigen Wachteln waschen, abtrocknen und halbieren. Sparsam salzen und mit reichlich Edelsüßpaprika würzen. Eine halbe Stunde marinieren lassen. Den Bauchspeck würfeln, in 2 EL Butter auslassen und darin die Wachtelhälften unter Wenden und Begießen anbraten. Das Sauerkraut kurz schneiden, etwa 10 Wacholderbeeren zerdrücken und beides zu den Wachteln geben. Die Pfanne zudecken und alles etwa eine halbe Stunde im eigenen Saft dünsten. Wenn es nötig ist, geben Sie zwischenzeitlich etwas Wasser dazu.

Die Sahne mit etwa 1 TL Edelsüßpaprika verrühren, dazugeben und nochmals durchdünsten lassen.

Die Brotscheiben halbieren, rösten, jeweils eine halbe Wachtel darauf platzieren, mit dem Sahnesauerkraut bedecken und mit gehackter Petersilie bestreuen.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner

Quelle: ntv.de