Essen und Trinken

Zu mir oder zu dir? Und wer nimmt Oma?

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Weihnachten könnte sooo schön sein ...

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Alle Jahre wieder … kommen zwar das Christkind, der Weihnachtsmann, Elch Rudi oder auch nur der Nachbar – aber zuvor auch jede Menge strategische und praktische Vorleistungen: Hat man die Strategie fast fertig im Kopf (bei wem, mit wem, wann und womit geweihnachtet wird), muss sie als taktische Marschroute (Einkaufszettel) möglichst verlustarm (muskel- und geldbeutelschonend) umgesetzt werden, damit man das Schlachtfeld (Küche) als Sieger verlässt. Und falls es dann doch statt zur familiären Verbrüderung wieder mal zur mehr oder weniger offenen Kriegerklärung in der Verwandtschaft kommt ("Du weißt doch, wir dürfen NIE deine Mutter neben meine setzen!!!"), müssen Sie auch noch die Kraft einer kompletten Schlichtungskommission aufbringen. Na denn: Frohes Fest …

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... wenn nicht ständig einer dazwischenquatschen würde!

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Sie sind übrigens nicht allein: Jeder sechste Bundesbürger (17 Prozent) gibt zu, dass am Weihnachtsfest zu Hause meist dicke Luft herrscht. Laut einer GfK-Umfrage gibt jeder Vierte an, die Feiertage setzten ihn massiv unter Druck, da man sich um so viele Dinge kümmern müsse. Bei den Frauen sind dies sogar 29,8 Prozent (Männer: 19,2). Fast ebenso viele (22,8 Prozent) empfinden das Fest als äußerst stressig. Fazit: Fast jeder Fünfte (18,6 Prozent) hierzulande würde Weihnachten am liebsten ganz abschaffen, um dem Druck und dem vorprogrammierten Streit aus dem Wege zu gehen.

Weihnachten ist eben auch nicht mehr das, was es mal war. Kirche und Brauchtumsexperten kritisieren schon lange die Kommerzialisierung dieses eigentlich christlichen Festes. Allerdings hatten schon im 15. Jahrhundert Händler Weihnachten als Erwerbsquelle für sich entdeckt und den Weihnachtsmarkt ins Leben gerufen. Die heutigen überbordenden Dimensionen hat die Kommerzialisierung aber erst seit den 1960er Jahren angenommen.

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"Räuchern" kann der Papst auch.

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Zu keiner anderen Jahreszeit sind Kitsch und Kommerz so verbandelt wie zu Weihnachten. Schöne handgeschnitzte Könige und Garde-Offiziere aus dem Erzgebirge als Nussknacker? Ja doch, es gibt sie auch noch – aber der Papst, Robin Hood, Darth Vader, Micky Maus oder ein Harley-Davidson-Fahrer knacken heutzutage die Nüsse! Man müsse mit dem Zeitgeschmack gehen, sagen die Hersteller …

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Schmerz, lass nach!

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Kein Wunder, dass viele Menschen schon vor Weihnachten von Weihnachten die Nase voll haben: Seit Spätsommer grinsen uns Nikoläuse im Supermarkt-Regal an, Schaufenster und Laden-Deko suggerieren uns, dass die Modetrendfarbe Lila die Weihnachtsbäume erreicht hat, Umweltschützer streiten mit Traditionalisten über den Müll-Faktor von Lametta und die Ressourcen-Verschwendung von Tannenbäumen (In Kanada gibt's neuerdings klimafreundliche Miet-Christbäume, die wieder eingepflanzt werden.).

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Das KaDeWe ... gibt sich die Kugel.

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Der schmückwillige Weihnachtsmensch gibt sich 2009 übrigens die Kugel: Kugeln sind "in", sagen die Deko-Experten des Berliner Edelkaufhauses KaDeWe. Dort ist der sechs Meter hohe Baum vor lauter Kugeln nicht zu sehen und eine Farb-Orgie aus Türkis, Pink, Gold und Weihnachtsrot erschlägt jeden hartnäckigen Weihnachtsverweigerer. 20.000 Kugeln hängen in den Schaufenstern und im Foyer, 500 Meter Samt wurden verarbeitet. Schwäne kreisen in der Luft. Auf einem Vogel am Boden können erschöpfte Besucher Platz nehmen. Karusselle, ein Spiegelkabinett und Mobile aus Sonne, Mond und Sternen an der Decke: Weihnachten??? Es ist eher eine Mischung aus Kommerz, Nostalgie und Varieté.

Dennoch: Die meisten Deutschen schaffen sich zu Hause eine vorweihnachtliche Atmosphäre, nur sieben Prozent outen sich als Totalverweigerer. Um es mit Kurt Tucholsky zu sagen: Die meisten Menschen feiern Weihnachten, weil die meisten Menschen Weihnachten feiern.

Bleibt die Frage: Und wer nimmt Oma? Denn irgendwie müssen ja die aus allen Himmelsrichtungen anreisenden Familienmitglieder untergebracht werden. Nicht jeder verfügt über eine geräumige Villa, auch in Zwei-Raum-Wohnungen wird Weihnachten gefeiert. Eine Super-Idee hatte da eine Hotelkette, leider nur in Großbritannien: Um den Stress zu Weihnachten zu reduzieren, bietet Holiday Inn günstige Übernachtungstarife für Schwiegermütter an: Auf Zimmer für Schwiegermütter gibt es über die Feiertage 25 Prozent Ermäßigung, und zwar in allen 194 Hotels der Kette auf der Insel.

Eingefleischte Weihnachtskenner übrigens schwören aufs "Neunerlei" zu Weihnachten, und das schon seit hundert Jahren, es trifft aber wohl nicht mehr so unseren Geschmack. Zu den neun Speisen gehören Linsen, damit man im kommenden Jahr viel Geld einnimmt oder besitzt. Tischen Sie doch als Kompromiss zwischen Tradition und Moderne einmal "Rosa Entenbrust mit Senf-Birne auf Belugalinsen" als Weihnachtsmahl auf:

Zutaten (4 Personen):

Entenbrust:
4 Entenbrüste (Barbarie-Filet)
Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Linsen:
200 g Belugalinsen (kleine schwarze Linsen)
3 Schalotten
1 kleine Knoblauchzehe
1 Lorbeerblatt
etwas Butter
Ca. 500 ml Gemüsebrühe
Alter Balsamico
Salz, Pfeffer, Zucker, evtl. etwas Stärkemehl

Birnen:
3 Birnen (am besten sind Williams Christ)
25 g süßer Senf
25 g Feigen-Senf
25 g grober Dijon-Senf
100 ml Birnensaft

Zubereitung:

Entenbrust:
Die Entenbrüste mit Salz und Pfeffer einreiben und mit einem scharfen Messer die Hautoberseite rautenförmig einritzen. Darauf achten, dass wirklich nur die Haut eingeritzt wird und nicht das Fleisch.

Die Entenbrüste mit der Hautseite nach unten in eine kalte Pfanne (am besten eine gusseiserne) legen und bei geringer (!) Hitze langsam das Fett ausbraten. Das dauert etwa 20 Minuten. Dann die Entenbrüste umdrehen und im Ofen bei 160 Grad etwa 6 Minuten garen. Anschließend das Fleisch in dem auf 80 Grad abgekühlten Ofen (Tür auf) 30 Minuten ruhen lassen. Nicht vergessen, die Tür wieder zuzumachen! Das Fleisch darf nicht abgedeckt werden - und der Ofen darf wirklich nur maximal 80 Grad warm sein.

In der Zwischenzeit Linsen und Birnen zubereiten. Die Birnen schälen, entstielen und entkernen und längs in Scheiben schneiden. In den Birnensaft legen.

Linsen:
Schalotten und Knoblauch sehr fein schneiden und in etwas Butter anschwitzen. Das Lorbeerblatt und die gewaschenen und gut abgetropften Linsen dazugeben. Weiter anschwitzen und mit etwa einem halben Liter Gemüsebrühe aufgießen. Die Linsen darin bissfest garen (ca. 20 Minuten); sie dürfen nicht zu suppig sein. Mit altem Balsamico, Salz, wenig Pfeffer und Zucker abschmecken. Das Lorbeerblatt entfernen und die fertigen Linsen mit etwas kalter Butter binden. Eventuell - je nach Konsistenz - mit etwas Stärke binden.

Senf-Birnen:
Senfsorten verrühren und zum Birnensaft geben. Birnen, Saft und Senf aufkochen und etwas einkochen. Die Birnen sollten bissfest sein.

Servieren: Die Entenbrüste schräg in Scheiben schneiden und auf den Linsen anrichten. Die Birnenscheiben dekorativ auf den Fleischscheiben verteilen und mit ein wenig Birnensaft-Senf-Mischung überziehen.

Beilagen: Am besten schmecken Tagliatelle (al dente) oder Kartoffelpüree dazu.

Das liest sich schlimmer als es ist, der Zeitaufwand hält sich wirklich in Grenzen, aber das Ergebnis kann sich sehen - und schmecken lassen!

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(Foto: dpa)

Ein entspanntes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de