Essen und Trinken

Zeit für heikle Themen Unschuld vom Lande

birne2.jpg

Mit Abstand und Respekt betrachtet finde ich Spinnenetze auch sehr schön.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Ehrlich gesagt, wenn ich morgens aus der Türe trete und mit hoch erhobenen Armen durch den Garten marschieren muss, damit mir meine “Birne” nicht von den Spinnenweben verklebt wird, die sich über Nacht zwischen Tür und Busch, Dachrinne und Gartenstuhl breitgemacht haben, fallen mir nicht so wohlwollende Worte über die “guten” Spinnen ein wie weiland Wilhelm Busch. Vor allem, wenn ich die Arme schon wieder unten habe, weil ich das Auto aufschließen muss und mich Buschs “ganz allerliebster Elfenschleier” zwischen Zaun und Pkw-Dach mit der vollen Breitseite trifft!

birne4.jpg

Karikaturisten finden in der Kopfform von Altkanzler Kohl eine "dankbare" Aufgabe.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Nichtsdestotrotz - der Herbst bietet neben Spinnen, Sturm und Regen eine ganze Menge angenehme Dinge, und die Spinnen haben schließlich auch ihre Daseinsberechtigung. Kürbisse und Kohlköpfe präsentieren sich in ihrer prallen Schönheit, Äpfel und Birnen locken wie im Paradies. Bevor der kalte Winter mit Eingelagertem, Feinfrost und Konserven kommt, können wir noch einmal so richtig mit frisch Geerntetem schlemmen. Wie wär’s mit Birnen?

birne3.jpg

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Form ist einzigartig und hat immense Auswirkungen auf die Namensgebung; man denke nur an Ex-Kanzler Helmut Kohl, Glühlampen oder auch an die Einteilung menschlicher Figuren in Apfel- oder Birnentyp. Dabei ist die Birne eine ganz solide Frucht, nicht so wie Quitten oder Feigen, denen allerlei Erotisches nachgesagt wird.

Pierre de Bourdeille de Brantôme, französischer Schriftsteller des 16./17. Jahrhunderts und noch heute Lieferant historischer Klatschgeschichten, warnte vor Spargel, Artischocken, Morcheln, Trüffeln, Riesling-Trauben und Steinpilzen, die „sehr erhitzen“ und zu denen „die Frauen“ am öftesten greifen: „Nach diesen guten Speisen nehmt euch in acht, ihr armen Liebhaber und Ehemänner! Seht ihr euch nicht vor, so ist es um eure Ehre geschehen, und ihr werdet vertauscht und betrogen.“  Nichts von alledem müssen Sie bei Birnen befürchten!

Bleu_de_Bresse_cheese.jpg

Bei meinem “Krämer”, mein Lieblingsfeinkosthändler am Rande Berlins, der nicht nur “Krämer” ist, sondern auch so heißt, bin ich dieser Tage mit einer grundsoliden Birne und einem verführerischen Käse fündig geworden: mit einer “Vereinsdechantbirne” und einem wie passend dazu hergestellten Blauschimmel-Weichkäse: Der “Bleu de Bresse” ist herrlich cremig und von feinem, mildem Geschmack nach Pilzen. Er kommt aus der Bresse in Ostfrankreich.

Pyrus_communis_'Doyenné_du_Comice'.jpg

Nicht schön, aber von hervorragendem Geschmack: “Doyenné de Comice”.

(Foto: Wikipedia)

Die Birne mit dem seltsamen Namen weist keine so elegante Form auf wie andere Sorten. Aber hinter dem etwas klobigen und wenig attraktiven Äußeren verbirgt sich ein wohlschmeckendes Inneres: Das Fleisch ist gelblich-weiß, fein, saftreich, butterartig, süß und leicht gewürzt. Diese Birne besitzt ein Aroma wie keine andere Sorte und wird deshalb auch gerne als “Königin der Birnen” bezeichnet. Die Herbstbirne ist seit 1849 bekannt und im französischen Angers in einem Gartenbauverein als “Doyenné de Comice” gezüchtet worden. 1865 gelangten erste Reiser nach Deutschland.

Für die Franzosen ist die Zeit zwischen Birne und Käse die Zeit, in der man etwa Heikles anspricht: Nach dem Dessert und in Erwartung des geliebtes Käses ist man wohlgelaunt und nachgiebiger als sonst. “Entre la poire et la fromage” war die Zeit am französischen Hof, in der Minister besonders hartnäckige Bittsteller empfingen - mit mehreren Gängen an Köstlichkeiten im Bauch neigten die hohen Herren zu mehr Milde und Nachsicht.

Da ich davon ausgehe, dass Sie solcherart Getue nicht nötig haben, empfehle ich Ihnen heute Birne und Käse als zeitlich untrennbare Einheit. Benannt habe ich die leckere und blitzschnell herzustellende Vorspeise, Zwischen- oder auch kleine Abendmahlzeit nach meinem Händler: Tills Toast:

Zutaten (pro Person):

1 Scheibe Vollkorn-Toastbrot
¼ bis ½ Birne “Comice”
1 TL gehackte Walnüsse
Etwa 30 g Bresse Bleu (z.B. von der 500 g-Packung eine große Scheibe)

Zubereitung:

Die Birne vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Das Toastbrot leicht toasten. Dann mit Birnenscheiben fächerartig belegen. Darauf die gehackten Nüsse geben. Darauf die Käsescheibe legen und ab unter den Grill. Auf höchster Stufe wenige Minuten überbacken, bis der Käse leicht goldig und blasig wird. Allergiker lassen die Nüsse weg, schmeckt auch ohne.

Tipp: Das war die Empfehlung für Gourmets. Die Gourmands unter Ihnen verzichten auf das "Früchtchen" und nehmen statt Toastbrot ein Vinschgauer Brötchen, belegen die Hälften mit kleingeschnittenem Tiroler Schinken oder Salami, darauf kommen Zwiebelscheibchen, bedeckt wiederum mit Bresse Bleu. Und dann wird alles überbacken wie beschrieben.

Übrigens: Beides schmeckt beiden Esstypen! Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de