Essen und Trinken

Wo, bitte, geht’s zum Paradies? Versuch kommt von Versuchung

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Der Ursprung der süßen Glückseligkeit: Kakaobohnen.

(Foto: Diana Saft_pixelio.de)

Es soll ja Frauen geben, die lassen beim Anblick einer Pralinenschachtel ihre Verteidigungsstellung in Nullkommanichts zusammenbrechen. Klappt nicht bei jeder und macht auch längst nicht alles wieder gut. Aber ein Versuch kann nicht schaden. Und der Ideen dabei sind kaum Grenzen gesetzt.

Napoleon war ihr verfallen und auch Goethe und Schiller - der Schokolade. Madame Dubarry brachte damit regelmäßig ihre Liebhaber auf Trab (glaubte sie zumindest) und Casanova leitete mit Schokolade gern seine Schäferstündchen ein - heutige Schokoholics befinden sich also in guter Gesellschaft. Und wahrlich - gibt es ein besseres Trostpflästerchen gegen verwundete Seelen, gereizte Nerven und nasse Augen? Auch in Zeiten, in denen all das nicht zutrifft, kann Schokolade Wunder wirken - zum Beispiel in der Redaktion, wenn liebe Kollegen und Kolleginnen eine oder auch zwei Tafeln durch die Reihen wandern lassen. Die Stimmung steigt sofort!

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Wer kann bei süßen Sachen schon widerstehen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Jegliche Schokolade haben wir dem Kakaobaum zu verdanken. Der Naturforscher Carl von Linné gab dem zur Familie der Malvengewächse gehörenden Baum seinen Namen: "Theobroma cacao". Die Bezeichnung wiederum verrät uns, dass auch der alte Schwede dem Zaubertrank sehr wohlgesonnen war, heißt theobroma doch nichts anderes als "Götterspeise". Wissenschaftler gehen davon aus, dass Kakao schon lange genossen wurde, bevor Maya und Azteken im präkolumbischen Mesoamerika den Ruhm des edlen Gesöffs auf Wandmalereien, als Grabbeigaben und in Rezepten verewigten. Der bislang älteste Nachweis von Kakao wurde auf Tongefäßen aus Honduras gefunden. Auf den Scherben von Gefäßen aus der Zeit um 1150 v. Chr. wurde Theobromin nachgewiesen, ein Alkaloid, das in Mittelamerika nur in Kakao vorkommt. Unbekannt blieb, ob das Getränk noch aus dem Fruchtfleisch oder schon aus den Kakaobohnen hergestellt wurde.

"Chocolatl" aus goldenen Bechern

Schokolade war kein Getränk für alle, auch hat sie längst nicht so geschmeckt, wie wir sie heute kennen. Die damalige Trinkschokolade muss recht dickflüssig und bitter gewesen sein - kein Wunder, dass sich der spanische Eroberer Cortés und seine Mannen mehr für die goldenen Becher interessierten als für das braune Gebräu in ihnen.

Cortés, der 1519 als erster Europäer in Mexiko Bekanntschaft mit Schokolade machte, war sich des außerordentlichen Wertes von "chocolatl" allerdings bewusst, wurde doch die Kakaobohne auch als Zahlungsmittel benutzt. Es hieß, dass man für zehn Kakaobohnen ein Kaninchen und für hundert einen Sklaven kaufen konnte. Flugs ließ Cortes schon im Jahr seiner Ankunft in Mexiko eine große Kakaoplantage unter spanischer Flagge errichten, damit sein König Karl V. immer schön "flüssig" war.

Schokoladenfieber in Europa

Trotz verbissener Geheimhaltung durch die spanische Krone griff im 17. Jahrhundert das Schokoladenfieber auf das restliche Europa über; Frankreich erlag ihm zuerst, es folgte Holland. Amsterdam wurde zum wichtigsten Umschlaghafen für Kakao außerhalb Spaniens. Von hier aus breitete sich die Schokolade auch nach Skandinavien, Deutschland, Italien und England aus.

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Nur gucken - nicht auswickeln!

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es war aber in erster Linie nicht der Preis der Kakaobohne, sondern der Wohlgeschmack der Schokolade, der verantwortlich war für den Siegeszug. Als erste hatten die Frauen der spanischen Siedler Geschmack an dem indianischen "chocolatl" gefunden, denn aus dem ursprünglich bitteren Gebräu war durch die Zugabe von Vanille, Gewürzen, Honig und Zucker längst ein köstliches Getränk geworden, das inzwischen nicht nur kalt, sondern auch sehr gerne heiß genossen wurde. Und auch schön berauschend wirkte, wenn man es mit Wein mischte …

Das sprach sich herum, und als die ersten Schiffe mit Kakaobohnen in Spanien festmachten, gab‘s kein Halten mehr. Schließlich wollten auch die spanischen Prinzessinnen, die mit französischen Thronfolgern vermählt wurden, weiterhin ihre Schokolade trinken. Die "Schokolade fürs Volk" aber haben wir vermutlich den Engländern zu verdanken, denn im England des 18. Jahrhunderts wurde zuerst Kakao mit Milch verrührt und für die breite Masse angeboten - allerdings immer noch für die "Besserverdienenden": 1776 kostete 1 Pound (453 Gramm) Schokolade 35 Pence. Das entsprach dem Wochenlohn eines Landarbeiters.

Zum Anbeißen verführerisch

Im 19. Jahrhundert veränderte die Schokolade ihre Form, denn der Holländer van Houten erfand eine Presse, die den Kakaobohnen das Fett entzog und einen harten Presskuchen übrig ließ, der sich zu Pulver vermahlen ließ und als Aromazusatz diente. Von nun an war Schokolade nicht nur trink-, sondern auch essbar. Das Verdienst, Milchschokolade erfunden zu haben, gebührt allerdings den Schweizern: 1875 kam dort die vielbegehrte Schokolade in den Handel. Neue Produkte wie Tafelschokoladen, Pralinen und Hohlfiguren eroberten den Markt. Auch die Käuferschicht vergrößerte sich und die Schokolade wurde allmählich zum preiswerten Massenprodukt.

Zu den bekanntesten Schokoladen-Klassikern des "alten Europa" gehören Torten, zum Beispiel die berühmte österreichische Sacher-Torte. Aber auch das Flaggschiff der ungarischen Konditorkunst, die Dobostorte, steht da überhaupt nicht zurück. Ihr Erfinder, der Konditormeister Jószef Dobos, wollte Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich nur einen süßen Nachtisch kreieren, der bei der damaligen Kühltechnik haltbar war und auf Transporten seine Form behielt, und das mindestens zehn Tage lang.

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Die geniale Erfindung von Dobos: Durch die abwechselnde Schichtung von Teig und Cremestreifen fällt die Torte nicht zusammen und die harte Karamellschicht schützt vor dem Austrocknen.

(Foto: Savannah Grandfather, cc-by-sa)

1885 brachte Dobos seine Erfindung auf den Markt - und der europäische Adel stürzte sich darauf. Auch Kaiser Franz Josef und seine "Sisi" saßen in Dobos’ Gasthaus in der Pester Keczkeméti utca zu Tisch und genossen die cremige Köstlichkeit. Täglich brachte der Nachtzug verpackte Dobostorten in die europäischen Hauptstädte. Der Erfolg des ungarischen Konditormeisters rief natürlich jede Menge Nachahmer auf den Plan, etwa 120 Fälschungen des Dobos-Rezepts sind bekannt. Dobos hielt bis 1906 sein Originalrezept streng geheim, dann vermachte er es dem Budapester Konditoren- und Zuckerbäckerverein und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Heute erinnert im Künstlerstädchen Szentendre ein Museum an die weltberühmte Dobostorte. Die im Deutschen mitunter gebräuchliche Schreibweise "Dobosch" ist falsch, so wird der Name lediglich ausgesprochen.

Dobos' Werk - sechs Schichten Biskuit, Schokoladen-Füllung und Karamell-Glasur - ist wahrlich keine leichte Angelegenheit. Da man die Torte aber über Nacht kalt stellen kann, lässt sie sich gut und in aller Ruhe vor Feiertagen oder Familienfesten vorbereiten. Auch kleine Mogeleien wie die Beschränkung auf vier Biskuitböden (Dobos hat übrigens alle Böden einzeln gebacken) oder die Zuhilfenahme von Backpulver tun dem wunderbaren Geschmack keinen Abbruch - erleichtern die Arbeit aber ungemein. Der Ehrlichkeit halber nenne ich meine Kreation:

Torte à la Dobos

Zubereitung Teig:

Zutaten (16 Stück)

Für die Biskuitböden:
7 Eier
150 g Zucker
150 g Mehl
1/2 TL Backpulver
1 EL Vanillezucker
1 Prise Salz

Für die Creme:
180 g Zartbitterschokolade
200 g Butter
200 g Puderzucker
2 - 3 EL Milch
1 EL Rum

Für die Karamellglasur:
150 g Zucker
1 EL Zitronensaft

Backofen auf 190 Grad vorheizen. Die 7 Eier sauber trennen. Das Mehl sieben und mit dem Backpulver und dem Vanillezucker mischen. Eidotter und Zucker cremig schlagen. In einer extra Schüssel die Eiweiße mit 1 Prise Salz zu sehr steifem Eischnee schlagen. Den Eischnee unter die Eidottermasse ziehen und dann die Mehlmischung löffelweise einarbeiten.

Backpapier für eine Springform (26 cm) zuschneiden, auf den Boden der Form legen und buttern. Die Teigmasse einfüllen und etwa 30 Minuten auf mittlerer Schiene backen. Den Boden aus der Form lösen, auf einem Gitter abkühlen lassen und dann mit weißem Zwirn oder Küchengarn drei Mal waagerecht durchschneiden, so dass man 4 gleich dicke Böden erhält..

Zubereitung Creme:

Die Schokolade im Wasserbad bei schwacher Hitze schmelzen und lauwarm abkühlen lassen. Die zimmerwarme Butter mit dem Puderzucker, der Milch und dem Rum zu einer schaumigen Masse rühren und dann die Schokolade löffelweise einrühren.

Fertigstellung:

Den untersten der Böden auf eine Tortenplatte legen und mit 1/4 der Creme bestreichen. Den zweiten und dritten Boden auflegen und jeweils ebenfalls mit je 1/4 der Creme bestreichen. Mit der restlichen Creme ringsum den Tortenrand bestreichen.

Für die Karamellglasur den Zucker mit dem Zitronensaft unter ständigem Rühren zu hellbraunem Karamell schmelzen lassen, auf den letzten Boden gießen und mit einem geölten langen Messer glatt streichen.

Den glasierten Boden mit einem frisch geölten scharfen Messer sofort in 16 Stücke schneiden. Später lässt sich die Glasur nicht mehr schneiden, sie würde dabei wie Glas zerspringen. Die Stücke auf der Torte wieder zu einem Ganzen zusammensetzen. Die fertige Torte kommt nun für mindestens 4 Stunden in den Kühlschrank, besser noch über Nacht. Wer mag, kann später vor dem Servieren die Torte mit Schokoladenspänen oder Schokotrüffel verzieren.

Falls die Dobostorte nicht auf Anhieb gelingt - nicht aufgeben. Versuch macht klug - und der Aufwand lohnt sich! Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de