Essen und Trinken

Freispruch erteilt Versuchungen soll man nachgeben

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Migräne? Pille hilft ...

(Foto: picture-alliance / dpa)

Zuviel Schokolade genascht? Zu tief ins Rotweinglas geguckt? Streit mit dem Partner? Und jetzt auch noch Migräne? Alles nur faule Ausreden! Die Wissenschaft sagt, was wirklich zählt.

"Liebling, heute nicht - ich habe Migräne.” Das soll die Standard-Entschuldigung sein, wenn "frau nicht will”. Wird jedenfalls des Öfteren behauptet. Genau so ein Klischee wie der "Lehrsatz”, dass Frauen nicht einparken können - oder umgekehrt, dass Männer sich nicht mehr als drei Dinge am Stück merken können.

Auch Bier und Kartoffeln sollen dick machen, und an dem soeben erwähnten Auftreten der Migräne sollen Schokolade und Rotwein schuld sein. (Mal abgesehen davon, dass die Unlust meistens ganz andere Gründe hat …)

Wir machen Schluss mit allen Klischees und fordern Freispruch! Natürlich nicht für Ihre faulen Ausreden, sondern für die unverschuldet zur Begründung von wachsendem Bauch und Unwohlsein herbeigezerrten Nahrungsmittel.

Längst nachgewiesen ist, dass Bier und Kartoffeln an sich nicht am wachsendem Umfang in des Leibes Mitte schuld sind - sondern das zur Molle Gefutterte und die Sahnesoße, die zwecks Kartoffel-Ertränkung auf den Teller gekippt wird. Passionierte Biertrinker sind meistens auch gute Esser …

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Schoko-Genuss ohne Reue: Die Massage mit Schokolade soll die Haut zart und geschmeidig machen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nur haben Schmerzexperten auch der Schokolade und anderen Süßigkeiten einen vollständigen Freispruch erteilt: Sie lösen nämlich nicht die Migräne aus. Auf dem jüngst in Mannheim stattgefundenen Deutschen Schmerzkongress erläuterte der Rostocker Kopfschmerzexperte Peter Kropp, dass die Lust auf Süßes lediglich ein Signal für den bevorstehenden Anfall sei, da das Hirn Energie für die kommende Attacke benötige. Durch die Heißhunger-Attacke auf Schoki zwingt Ihr Gehirn Sie lediglich, diese Energie aufzunehmen. Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten laut Kropp, dass sie vor der Migräne Heißhunger auf Süßes erleben. Dauer-Appetit auf Schokolade ganz ohne Migräne ist allerdings eine andere Frage …

Auch die Annahme, dass mögliche Auslöser einer solchen Schmerzattacke grundsätzlich zu meiden sind, sei ein Irrtum, so Kropp. Viele Patienten, die wissen, dass ein Glas Sekt oder Wein einen Migräneanfall bewirken könnte, verzichteten lieber darauf. Neue Studien hätten aber gezeigt, dass das Vermeiden der Schmerzauslöser die Symptome verstärke. Die Experten empfehlen sogar, den Kopf mit kleinen Mengen an den sogenannten Trigger zu gewöhnen. Löst Rotwein Migräne aus, sollten Patienten "ruhig ab und zu ein Glas trinken", meint Kropp. Das funktioniere auch mit stark verdünntem Wein.

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Versuchungen soll man nachgeben, es könnte sein, sie kommen nie wieder.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch Partnerschaftsstreit wird nach den Worten des Kopfschmerzexperten zu Unrecht als Verursacher der Migräne verdächtigt. Da vor der Migräne häufig Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen auftreten, vermuten Wissenschaftler, dass man kurz vor dem Anfall Äußerungen des anderen zu sehr auf die Goldwaage legt. Dann kommt es öfter zu Auseinandersetzungen - sie sind aber keine Migräneauslöser, sondern eben die Folge der Schmerzattacke und der dadurch bedingten Überempfindlichkeit.

Geben Sie also ruhig den Verlockungen nach und genießen Sie an kalten Winterabenden die wohlige Wärme einer "Schoko-Eierlikör-Milch”, vielleicht zu zweit - und lassen Sie sich bei spontan auftretender Unlust eine bessere Ausrede einfallen als "Migräne!”:

Zutaten (4 Portionen):

1 l Milch
225 g Zartbitter-Schokolade
150 ml brauner Rum
200 g Zucker
8 Eigelb

Zubereitung:

Die Schokolade raspeln. Die Eigelb mit dem Zucker mit dem Rührgerät schaumig schlagen.

Die Milch in einen Topf gießen, die geraspelte Schokolade zugeben und unter Rühren langsam erwärmen. Kurz aufkochen, vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen. Ist die Schoko-Milch noch zu heiß, gerinnen die Eigelb.

Nun nach und nach die Eigelb-Zucker-Masse hineinrühren. Dann den leicht angewärmten Rum unterrühren. In Teegläser geben - und langsam der Versuchung nachgeben!

Einen schmerzfreien Morgen danach (nicht die ganze Menge allein ausschlürfen!) wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de