Essen und Trinken

Jammerlappen und Klageweiber Von der Nörgelei zum perfekten Sommersalat

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Es tut so verdammt gut, mal richtig den Schnabel aufzureißen!

(Foto: imago stock&people)

Übers Wetter oder den Straßenverkehr lässt sich trefflich meckern. Im Unterschied zu Störungen, die dem jeweiligen Bettgenossen oder der Bundesregierung angelastet werden können, kann man zumindest beim Wetter keinen Schuldigen ausmachen. Tut aber nix zur Sache!

"Ein Sonnenstrahl kann einen anderen Menschen aus mir machen", diese Erkenntnis vermittelt uns Hugo von Hofmannsthal, und damit dürfte er den meisten Menschen aus dem Herzen sprechen. Ein morgendlicher Blick aus dem Fenster genügt, um die Laune zu heben oder zu senken – ganz wie der Himmel sich zeigt. Meint es "Klärchen" allerdings zu gut, kann einem die Gute schon mächtig auf den Senkel gehen, wenn nämlich nach schwüler Nacht auch von morgendlicher Frische keine Spur zu merken ist und der beginnende Tag nur eines verspricht: Hitze, Hitze und nochmals Hitze. So wie wir nun einmal sind, meckern wir schon wieder und wünschen uns glattweg einen bedeckten Himmel her. Materialisiert sich dieser Wunsch, atmen alle Hitzehasser auf – um spätestens nach zwei Tagen erneut zu murren, weil der einst ersehnte Zustand schon viel zu lange dauert.

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Der ganz normale Wahnsinn im Straßenverkehr.

(Foto: imago/Niehoff)

Meckern wir Deutschen eigentlich immer und über alles und jeden? Ist meckern eine landestypische Eigenschaft? Gründe gibt’s ja genug: Der Bus kommt zu spät und in der S-Bahn stinkt’s, der Chef ist zu unnachgiebig und die Kollegin am Nebenschreibtisch klickert schon wieder in irgendeinem Datingportal, anstatt über das Liebesleben der Maikäfer zu recherchieren, die Nachbarin schielt ständig durch die Gardine oder klopft mit dem Besenstiel an die Decke und der Köter von gegenüber mistet sich schon wieder an meinem Zaun aus; der pubertierende Nachwuchs verbarrikadiert sich in seinem Puma-Käfig und der Göttergatte ist eher an einem wohlgefüllten Getränkelager als am ehelichen Liebeslager interessiert. Natürlich nur wegen der Hitze!

Meckern geht immer und meckern verbindet, denn alle tun es; da verbrüdern sich Patienten im Wartezimmer eines Arztes genauso wie Teilnehmer einer Supermarktkassenwarteschlange, die sich ansonsten nicht mal angucken würden. Dabei ließe sich Etliches ändern, das, was nervt im Büro und zu Hause sowieso, mitunter selbst die Sache mit den Hundehaufen. Anderes Negatives nicht, Wetter und Nahverkehr sind außen vor. Fußball übrigens auch; ich höre schon wieder die vielen Könner landauf, landab, die alles, aber auch alles anders und dadurch viel besser gemacht hätten als der Jogi und seine Jungs, wenn’s bei der Fußball-EM nicht so laufen sollte wie gewünscht. Zumindest das Meckern über Spiel und Ergebnis auf dem Fußballfeld ist keine deutsche Eigenart, sondern dürfte weltweit verbreitet sein; nur Island fällt derzeit aus dem Rahmen, da schmilzt fast das Packeis vor Freude. Ich träume ja heimlich von einem Endspiel zwischen Deutschland und Island. Das würde dann aber echt schwer werden mit der Sympathieverteilung.

Nur positiv denken ist langweilig

Warum regt man sich eigentlich auf über Sachen, die man sowieso nicht ändern kann? Dabei finden wir die ewige Meckerei eigentlich blöd - aber immer nur bei den anderen, nie bei uns selbst. Aber es tut doch so gut, über irgendwelche Nichtigkeiten zu jammern! Die Psychologen sehen in derartiger  Nörgelei sogar einen sozialen Akt: Er schafft Gemeinsamkeiten und Zuwendung, er verbindet – und ist dennoch völlig sinnlos. Die Wissenschaft betrachtet das Nörgeln allerdings differenzierter, denn manchmal muss man regelrecht klagen, weil es von seelischem Ballast befreien kann. Allerdings nicht immer, denn mitunter fühlt man sich nach der ganzen Meckerei noch schlechter als vorher. Die Psychologen unterscheiden zwischen der zwecklosen Nörgelei zum Beispiel über das Wetter oder die Busverspätung, wobei es nur darum geht, Dampf abzulassen ("Seht her, ich leide auch!") und einer zielgerichteten Klage, die an eine konkrete Adresse (Partner, Chef, Schwiegermutter...) geht mit dem Hintergedanken, den Angejammerten zu einer Handlung zu bewegen. Da macht Nörgeln durchaus Sinn. Zielführend ist auch solch Gemecker, das nur der Selbstdarstellung dient, zum Beispiel sollen die hochgezogenen Augenbrauen im Restaurant über einen "korkenden" Wein vor allem dem Rest der Welt suggerieren, dass da ein Gourmet spricht. Der natürlich auch sein Geld wiederhaben will oder eine neue Flasche Wein, das aber nur in zweiter Linie. "Die Leute jammern auch, weil sie dann Aufmerksamkeit oder Mitleid bekommen", sagt Robin M. Kowalski, Psychologin an der Clemson University in South Carolina. Manche Jammerei diene auch der Vorsorge, zum Beispiel im Job: Wenn man weiß, dass man das Kommende nicht brillant meistern kann, können ein paar klagende (vorgeschobene) Gründe präventiv für eine nicht so harte Beurteilung sorgen.

Ein bisschen Jammerlappen oder Klageweib steckt also in jedem von uns; immer nur positiv zu denken, funktioniert offenbar nicht auf Dauer. Die Psychologin Barbara S. Held vom Bowdoin Collge in Brunswick (Georgia) lehnt positives Denken à la "Sorge Dich nicht, lebe!" sogar ab und sagt: "Das Leben ist hart. Selbst wenn es gut verläuft." In dem Buch "Der Zauderberg" zitiert Dr. Piers Steel die Professorin mit den Worten: "Die positive Einstellung übt in einigen ihrer Manifestationen eine derartige Tyrannei aus, dass Amerikaner heute nicht nur mit einem historisch und kulturell verankerten Optimismus leben, sondern sogar mit der Erwartung und Forderung, sie müssten jederzeit und unter allen Umständen optimistisch sein, koste es was es wolle." Aber das gilt ja nur für Amerikaner – oder?

Also blubbern Sie ruhig mal über die Laus, die Ihnen gerade über die Leber läuft, meinetwegen auch über’s Wetter, auch wenn es sinnlos ist, macht es trotzdem Sinn: Meckern ist blöd, aber es befreit. Oder Sie freuen sich ganz einfach, dass überhaupt noch Wetter ist, das geht nämlich auch. Falls Sie jetzt jammern, dass Ihnen nichts einfällt, was Sie der Familie auf den Tisch stellen könnten, denn man wisse ja nicht, ob es heiß oder kühl, trocken oder regnerisch werden sollte, mixen Sie doch mal einen Sommersalat für jedermann, nahrhaft und gesund, frisch und bekömmlich – und für die unterschiedlichsten Geschmäcker: 

Der perfekte Sommersalat

Zutaten Basissalat (4-6 Pers):

1 Römersalat
1 Friséesalat
1 Radicchio
1 kleine Gurke
4 mittelgroße Tomaten
8 Radieschen
2 rote Zwiebeln
2 gelbe Paprikaschoten
½ Bd. Petersilie
50 g Cashewkerne
1 Limette
4-6 EL Olivenöl, extra vergine
Salz, Zucker, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Die Cashewkerne fettlos in einer Pfanne goldbraun rösten und beiseite stellen.

Alle Gemüsezutaten gründlich waschen und putzen. Die Blattsalate in mundgerechte Stücke zupfen, Gurke würfeln, Tomaten achteln, Radieschen in feine Streifen schneiden. Zwiebeln halbieren, Paprikaschoten längs vierteln und beides in feine Scheiben bzw. Streifen schneiden. Alles vermengen. Limettensaft mit der gehackten Petersilie, Salz, Pfeffer und 1 Prise Zucker verrühren mit einer Gabel das Olivenöl darunter schlagen. Die Vinaigrette über den Salat geben und gemeinsam mit den Cashewkernen behutsam unterheben.

Nun wird der Salat "spezialisiert":

Für Fleischliebhaber: 300 Hähnchenfilet oder Putenbrust in dünne Streifen schneiden und in etwas Rapsöl ca. 4 Minuten braten. Mit Salz und Pfeffer würzen und auf dem Salat verteilen.

Für Käsefans: 100 g Schafskäse würfeln und unter den Salat heben. Oder 80 g Parmesan grob raspeln und über den Salat streuen. Oder mit gebackenem Ziegenkäse: 200 g Ziegenkäserolle in Scheiben schneiden und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit Salz und Pfeffer würzen und mit 1 EL Waldhonig beträufeln. Im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen etwa 3 Minuten backen. Zum Salat anrichten.

Für Süßmäuler: 150 g Himbeeren (ganz lassen) und/oder 2 große Pfirsiche oder Nektarinen in Spalten schneiden oder 300 g Wassermelonenfleisch würfeln und unter den Salat heben.

Für Gourmets: 150 g geräucherten Wildlachs in nicht zu kleine Stücke schneiden und unter den Salat heben. 

Für scharfe Jungs und Mädels: 1 Peperoni und 2 Knoblauchzehen fein hacken, mit 200 g Nordseekrabben (vorgegart) vermengen und unter den Salat heben.

Für Weicheier: 4-6 gekochte Eier achteln und auf dem Salat verteilen.

Für Kompromissbereite: Vieles lässt sich kombinieren, zum Beispiel Wassermelone mit Schafskäse, Pfirsiche mit Hühnchenfleisch, Ziegenkäse mit Himbeeren. Und gehobelter Parmesan passt überall dazu.

Damit nehmen Sie jedem Meckerer den Wind aus den Segeln! Viel Spaß beim Mixen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de